Die Stadtwerke München (SWM) als drittgrößter kommunaler Direktvermarkter gaben der ZfK Einblicke in ihre Strategie.

Die Stadtwerke München (SWM) als drittgrößter kommunaler Direktvermarkter gaben der ZfK Einblicke in ihre Strategie.

Bild: © Marcus Schlaf/Stadtwerke München

Von Julian Korb

Für die kommunalen Direktvermarkter war es eine erfolgreiche Jahreshälfte. Viele der Anbieter konnten mit dem Markt wachsen. Der Regionalversorger MVV Energie bleibt größer Direktvermarkter unter den Unternehmen mit mehrheitlich kommunaler Trägerschaft. Der Versorger aus Mannheim konnte sein Portfolio um 300 MW auf insgesamt 5800 MW steigern und hat damit fast wieder den Höchststand aus dem Vorjahr erreicht.

Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Aachener Stadtwerke-Kooperation Trianel und die Stadtwerke München. Der Regionalversorger EWE aus Oldenburg – im Januar noch auf dem zweiten Platz – hat an der Sommerumfrage der ZfK diesmal nicht teilgenommen. Wieder dabei war dafür die Stadtwerke-Plattform Quantum.

Negativpreise fordern auch die Kommunalen

Der Wettbewerb wurde von den meisten befragten kommunalen Vermarktern dabei als intensiv beschrieben. "Der Wettbewerb hat stark angezogen", sagt Martin Frohs, Direktvermarktungsexperte bei der Sachsenenergie. "Die Direktvermarkter übernehmen wieder mehr Risiken durch die Rückentwicklung von Spotvergütung auf dem Monatsmarktwert sowie vergütete marktbedingte Abregelungen." Insbesondere kleinere Solaranlagenbetreiber kämen zunehmend wegen der vielen negativen Preisstunden an der Strombörse auf das sächsische Unternehmen zu.

Das extrem niedrige Preisniveau für Solarstrom sorge zum Teil sogar dafür, dass Kredite nicht mehr bedient werden können. Hier kommt auch die fehlende Steuerbarkeit einiger Anlagen zum Tragen. "Überschusseinspeiser, welche ihre Anlagen nicht auf Überschuss regeln können, müssen für ihre Einspeisung zum Teil Geld an den Direktvermarkter zahlen", so Frohs.

Neben der Abregelung von Anlagen setzt die Sachsenenergie im Portfolio auf Flexibilitäten aus Eigenerzeugungsanlagen bei Lieferkunden sowie auf Flexibilität aus überbauten Biogasanlagen. Andere kommunale Vermarkter nannten darüber hinaus noch Batteriespeicher als wichtiges Wachstums- und Flexibilitätsfeld.

So gab etwa die Thüga-Tochter Syneco an, bereits Flexibilitäten aus Blockheizkraftwerken (BHKWs) sowie Wärmepumpen ins Portfolio aufgenommen zu haben. Künftig sollen auch Wasserkraft- sowie Power-to-Heat-Anlagen hinzukommen. Die negativen Strompreise sowie die hohen Preisschwankungen insgesamt beschäftigen jedenfalls alle in der Branche.

Stadtwerke München mit breitem Portfolio

Die Stadtwerke München (SWM) sind einer der Direktvermarkter mit dem breitesten Portfolio. Von Offshore-Wind über Photovoltaik bis Biomasse und Speicher findet sich darin nahezu jede Technologie. Bei der Geothermie sind die Münchner sogar mit Abstand größter Direktvermarkter deutschlandweit.

Flexibilität spielt dabei auch für die SWM eine zunehmend wichtige Rolle. "Wir nutzen unser virtuelles Kraftwerk vor allen Dingen für Wind- und PV-Anlagen, aber auch zunehmend für Batteriespeicher", sagt Stephan Illerhaus, Leiter des Energiehandels bei den Stadtwerken München. "Viele hat überrascht, wie schnell der Anteil der Stunden mit Negativpreisen angestiegen ist."

Operativ gestaltet sich aus Sicht des Branchenexperten aber der Redispatch und die Kommunikation mit den Netzbetreibern herausfordernder. Diese Einschätzung teilten mehrere andere Direktvermarkter. "Beim Redispatch hat der Umfang und die Kurzfristigkeit deutlich zugenommen", so Illerhaus weiter. "Das schüttelt im Markt das ein oder andere Portfolio durch."

Preis bleibt entscheidend

Den Wettbewerb nehmen die Münchener ebenfalls als intensiv wahr. "Die Angebotsnachfrage ist bislang außergewöhnlich stark", sagt Vertriebsmanager Peter Bolz. "Wir haben jetzt schon etwa halb so viele Anfragen bekommen wie im letzten Jahr, das ist ungewöhnlich früh." Normalerweise ziehe der Wettbewerb erst im Herbst an.

Der Preisdruck sei nach wie vor "wahnsinnig hoch". Auch kommunale Vermarkter müssen sich dabei im Markt behaupten. Der Preis bleibe das wesentliche Entscheidungskriterium für die Anlagenbetreiber, so Bolz weiter. "Wenn wir preismäßig nicht allzu weit weg sind von den günstigsten Anbietern, können wir in einzelnen Fällen auch mit unserem guten Namen punkten."

Dabei verfolgen die Stadtwerke München mit der Direktvermarktung durchaus auch wirtschaftliche Interessen. "Wir sehen positiv, dass der Windausbau anläuft, davon wollen wir profitieren", kündigt Vertriebler Bolz an. Bei der Photovoltaik gebe es einen stetigen Wachstumskurs. "Wir wollen im Intraday-Handel noch stärker automatisieren und mehr Flexibilitäten ins Portfolio integrieren", schildert Handelschef Illerhaus zudem die kommenden Aufgaben.

Einzel-Ranking für KWK

Erstmals seit über zwei Jahren weisen wir explizit auch wieder die Direktvermarktung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) aus, da diese für die Wärmewende und Sektorkopplung an Bedeutung gewinnen dürfte. Hier spielen die Kommunalen im Markt eine wichtige Rolle.

Mit der Sachsenenergie aus Dresden ist der größte Direktvermarkter für KWK kommunal. Auf dem zweiten Platz landet MVV Energie mit 300 Megawatt (MW). Dahinter folgt der Energiekonzern RWE.

Auffällig ist, dass 10 von 15 befragten kommunalen Direktvermarktern in der Vermarktung von KWK tätig sind. Die Stadtwerke-Kooperation Trianel machte keine Angaben zu den Einzeltechnologien, bietet laut Website aber auch die Direktvermarktung von KWK-Anlagen an.

Wachstumskurs in der Branche

Die meisten kommunalen Anbieter gaben in der Umfrage an, in der Direktvermarktung insgesamt wachsen zu wollen. So stellte die Enercity aus Hannover speziell neue Vertriebskapazitäten ein. Enercity-Direktvermarktungsexpertin Sabine Müller hatte im Januar gegenüber der ZfK angekündigt, das aktuelle Portfolio mittelfristig verfünffachen zu wollen. Im Fokus stehen dabei Windkraftanlagen an Land sowie Batteriespeicher.

Ohnehin kündigten die meisten kommunalen Direktvermarkter in der Umfrage an, ihr Speicherportfolio ausbauen zu wollen oder in die Speichervermarktung einzusteigen. Lediglich zwei von fünfzehn kommunalen Vermarktern machten dazu keine Angabe. Die Hälfte vermarktet bereits jetzt schon Batteriespeicher, wobei die Stadtwerke München mit 30 Megawatt Leistung das größte Portfolio besitzen.

Mehr aus der aktuellen Direktvermarktungs-Sommerserie 2025:

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Hinweis: Eine Übersicht mit allen Tabellen im Sommer 2025 finden Sie hier.

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