Dass Marktführer Eon den Großteil seiner Grundversorgungspreise zum 1. September senkt, hatte der Konzern bereits Ende Mai angekündigt. Nun lässt sich auf der entsprechenden Internetseite auch einsehen, wie stark der Rückgang von Ort zu Ort ausfällt.
Im Strombereich betrifft die Anpassung nur jene grundversorgten Kunden, deren Preise im März nach oben gegangen waren. Konkret sind das die Versorgungsgebiete der Eon-Vertriebstöchter Eon Avacon Vertrieb, Eon Edis Vertrieb, Eon Hanse Vertrieb, Eon Westfalen Weser Vertrieb und Eon Mitte Vertrieb.
Nicht alle Eon-Grundversorgungspreise sinken im Herbst
Die Tochtergesellschaften Eon Bayern Vertrieb und Innogy, die in Bayern und das Ruhrgebiet tätig sind, erhöhten erst im Juni ihre Strom-Grundversorgungspreise. Entsprechend zeitverzögert dürften Preisnachlässe ankommen. Der Konzern kündigte hier Anpassungen zum Jahreswechsel an.
Im brandenburgischen Schönefeld ruft Eon für grundversorgte Stromkunden von September an 43 Cent pro kWh auf. Das sind rund 13 Cent pro kWh weniger als bislang. In der ZfK-Darstellung nicht berücksichtigt ist die staatliche Strompreisbremse, wonach Kunden für einen Großteil ihres Verbrauchs Stand jetzt bis zum Jahresende maximal 40 Cent pro kWh zahlen.
Auhagen unter Preisbremsenniveau
Im hessischen Kaufungen gehen die Strom-Grundversorgungspreise von 53 auf 43 Cent pro kWh zurück. Im niedersächsischen Auhagen zahlen grundversorgte Stromkunden künftig 38 Cent pro kWh. Die Preise liegen also unter dem Bremsenniveau. Bislang sind es in Auhagen 48 Cent pro kWh.
Alle genannten Preise sind gerundet und beziehen sich auf einen Jahresverbrauch von 1500 Kilowattstunden. Die örtlichen Unterschiede dürften sich im Wesentlichen durch unterschiedlich hohe Netzentgelte erklären lassen.
Preissteigerungen im ersten Halbjahr
Zum Jahresauftakt hatte Eon noch zu den günstigsten Grundversorgern bundesweit gezählt. In den genannten Orten bewegte sich der Kilowattstundenpreis bei höchstens 33 Cent pro kWh.
Anfang Januar hatte Eon-Chef Leonhard Birnbaum jedoch bereits mögliche Preissteigerungen angedeutet. "Wir haben in der Grundversorgung 2022 nicht die Großhandelspreise [in Gänze] durchgereicht, sondern nur etwa 30 Prozent davon", sagte er. Vor diesem Hintergrund mahnte er Verbraucher dazu, weiterhin Energie zu sparen, auch um den eigenen Geldbeutel zu schonen.
Langfristige Beschaffungsstrategie
Üblicherweise sichern sich Versorger Mengen für grundversorgte Kunden Monate, wenn nicht sogar Jahre im Voraus. Dies führt dazu, dass Preisbewegungen auf den Großhandelsmärkten erst verzögert und stark geglättet bei Endkunden ankommen.
Offenbar beschaffte Eon sehr langfristig, weshalb der Konzern im vergangenen Jahr trotz enormer Preisanstiege an den Börsen vergleichsweise niedrige Grundversorgungspreise halten konnte und erst dieses Jahr, als die Großhandelspreise wieder fielen, erhöhte.
Eon-Neukundentarife in 30er-Zone
Eine Folge davon: Die Stadtwerke Castrop-Rauxel holten sich über eine umstrittene Rückholklausel im Juni hunderte Stromkunden zurück, als Eon hier die Grundversorgungspreise anzog. Das Kommunalunternehmen hatte Kunden angeboten, sich in die damals vergleichsweise günstige Eon-Grundversorgung fallen zu lassen und dann automatisch zurückzuwechseln, sobald die Stadtwerke die Eon-Grundversorgungspreise unterbieten können. Der Fall wird derzeit vor Gericht ausgetragen. (Die ZfK berichtete.)
Tatsächlich liegen auch die Eon-Neukundentarife inzwischen wieder deutlich unter der Grundversorgung. So konnten Kaufunger Stromkunden am Donnerstag Verträge für 30 Cent pro kWh abschließen. In Auhagen lag der Preis bei 32 Cent pro kWh und in Schönefeld bei 37 Cent pro kWh. (aba)
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