Sie leiten seit 2024 die EVM: Christoph Hesse (links), der unter anderem für den Vertrieb und den Kundenservice zuständig ist, und Mithun Basu.

Sie leiten seit 2024 die EVM: Christoph Hesse (links), der unter anderem für den Vertrieb und den Kundenservice zuständig ist, und Mithun Basu.

Bild: © Frank Hofmann/EVM

Von Andreas Baumer

Der Kundenstamm der Energieversorgung Mittelrhein (EVM) ist im vergangenen Jahr gewachsen. Nach eigenen Angaben kamen gut 6000 Kunden im Privat- und Gewerbesegment hinzu. Wenn man nur Neukunden in den Blick nimmt, waren es deutlich mehr: nämlich 33.000. Insgesamt beliefert das vollständig kommunale Unternehmen mit Sitz in Koblenz (Rheinland-Pfalz) fast 326.000 Privat- und Gewerbekunden mit Strom und Gas.

Der Kundenzuwachs ist durchaus bemerkenswert, weil kommunale Versorger deutschlandweit im vergangenen Jahr tendenziell Kunden verloren haben. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Lead and Sale sowie des Marktforschungsinstituts Creative Analytic 3000 meldete die Mehrzahl der befragten Stadtwerke im vergangenen Jahr leichte bis signifikante Rückgänge der Strom- und Gasmarktanteile. Die Kündigungsquoten lagen mit sechs Prozent und mehr teilweise sehr hoch. Eine Studie des Beratungshauses Simon-Kuchner zeichnete ein noch trüberes Bild.

EVM erfolgreich im Haustürvertrieb

Besonders erfolgreich war die EVM nach eigener Aussage im Haustürvertrieb. Dabei handelt es sich um ein Geschäft, das eine gute Mitarbeiterschulung und viel Feingefühl erfordert. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich angeworbene Kunden möglicherweise getäuscht fühlen und schnell wieder weg sind.

"Darüber hinaus waren der Onlinevertrieb sowie – im Fall von Gewerbekunden – die direkte Ansprache über unsere Key Accounter erfolgreich", teilte ein Unternehmenssprecher auf ZfK-Anfrage mit. Außerdem sei es gelungen, zahlreiche Neukunden, die wegen Insolvenzen von Discountern in der Energiekrise zur EVM in die Grundversorgung gekommen seien, zu halten.

Die EVM, die seit Anfang 2024 vom Vorstandsduo Christoph Hesse (Vertrieb) und Mithun Basu (Finanzen) geführt wird, ist unter anderem in Koblenz Grundversorger. Der Strom-Grundversorgungspreis ist seit Mai 2024 unverändert und liegt bei rund 38 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zuzüglich Grundpreis. Beim Wahltarif Stabistrom 12 bot die EVM für einen Koblenzer Durchschnittshaushalt am Dienstag knapp 33 Cent pro kWh.

Für Heizgas zahlen grundversorgte EVM-Kunden derzeit rund 14 Cent pro kWh. Beim Wahltarif Stabigas 12 wurden für einen Koblenzer Durchschnittshaushalt am Dienstag knapp elf Cent pro kWh geboten.

Auch jenseits des reinen Commodity-Vertriebs reklamierten die Rheinland-Pfälzer Erfolge für sich. Nach eigenen Angaben wurden mehr als 230 Photovoltaikanlagen und 175 Heizungsanlagen verbaut. Auch die Akquise neuer Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien lief gut.

Kundenzahl sensibles Thema

Die Kundenzahl ist in der Energiewirtschaft ein sensibles Thema. Manche Versorger wie die Kölner Rheinenergie nennen grundsätzlich keine Kundenzahlen.

Offensiver gehen die Stadtwerke Krefeld mit dem Thema um. Sie meldeten für das Jahresende 2024 über den ganzen Konzern hinweg 761.000 Kunden im Energiebereich. Ein großer Teil ist bei der bundesweiten Vertriebstochter Lekker Energie zu verorten. Nach eigenen Angaben blieb der Kundenbestand dort, ebenso wie bei der Krefelder Energietochter SWK Energie, allerdings unter dem Niveau von 2023.

Insgesamt zeigte sich die EVM mit dem Geschäftsjahr 2024 sehr zufrieden. Nach eigenen Angaben verzeichnete sie das beste Jahresergebnis seit ihrer Fusion zur heutigen EVM im Jahr 2014. Nach Steuern lag das Ergebnis bei rund 61 Millionen Euro. Das waren sechseinhalb Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der Umsatz betrug rund eine Milliarde Euro (Vorjahr: 1,4 Milliarden Euro). Der Rückgang dürfte sich im Wesentlichen durch sinkende Beschaffungspreise bei Strom und Gas nach Abflauen der Energiekrise erklären lassen.

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