Wie könnte ein neues Modell für die Grundversorgung aussehen? Der Verbraucherzentrale Bundesverband und auch der Energieversorger Octopus Energy schieben die Diskussion dazu immer wieder an. Nun hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) im Auftrag von Octopus eine Studie zu einer möglichen Reform der Grund- und Ersatzversorgung für Strom in Deutschland vorgelegt.
Ziel der Studie war es laut dem Institut, die bestehenden regulatorischen Regelungen systematisch einzuordnen, mit ausgewählten europäischen Ländern zu vergleichen und somit Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der deutschen Ausgestaltung abzuleiten.
"Die deutsche Grundversorgung ist untragbar", meint Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Deutschland. Während das bestehende System mit den immer gleichen Scheinargumenten verteidigt werde, führten die Monopolisten Jahr für Jahr riesige Margen ein. Finanziert werde es von den Haushalten, die es sich am wenigsten leisten können.
Ausschreibung der Grundversorgung bevorzugt
Laut Ffe sollte die Grundversorgung künftig ausgeschrieben werden. Gleichzeitig zeige die Analyse, dass Ausschreibungen jedoch kein Selbstläufer sind. Ihre Wirksamkeit hänge maßgeblich vom regulatorischen Design, der Ausgestaltung von Risikoverteilung und der Stabilität der Marktbedingungen ab. Vor diesem Hintergrund würde eine schrittweise Einführung, etwa im Rahmen einer Pilotregion mit begleitender Evaluation, sinnvoll sein. 2019 hatte auch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine Ausschreibung der Grundversorgung in einer Studie empfohlen.
Ein weiteres zentrales Reformelement ist laut Ffe die institutionelle Trennung von sozialpolitischer Absicherung und wettbewerblichem Massenmarkt. Derzeit würden soziale Risiken teilweise implizit über pauschal erhöhte Tarife mitgetragen. Eine gezielte sozialstaatliche Absicherung vulnerabler Haushalte würde diese "Quersubventionierung" reduzieren, Wettbewerbsverzerrungen verringern und die Stabilität des Endkundenmarktes stärken. Gleichzeitig sei ein solcher Ansatz mit administrativen und politischen Umsetzungsanforderungen verbunden.
Mehr Transparenz in Kostenstrukturen, Preisbestandteilen und regulatorischen Verantwortlichkeiten stellt einen übergreifenden Hebel für die Weiterentwicklung der Grund- und Ersatzversorgung dar.
"Unsere Analyse zeigt: Ein effizienter und zukunftsfähiger Strommarkt kann von einer Reform der Grundversorgung profitieren", sagt Serafin von Roon, Geschäftsführer von Ffe. "Auch andere Länder haben Wege gefunden, ihre Verbraucher*innen abzusichern, ohne den Wettbewerb einzuschränken oder große Preisunterschiede hinzunehmen."
Auch Verbraucherzentrale sieht ähnliche Reformansätze
Ein Gutachten des Wuppertal Instituts hatte im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes ebenfalls Reformoptionen untersucht. Dazu gehören eine Verpflichtung der Grundversorger zu mehr Transparenz, die Ausschreibung der Grundversorgung im jeweiligen Versorgungsgebiet sowie die Idee einer staatlichen Preisregulierung für einen bestimmten Teil des Marktes.
"Jeder dieser Ansätze hat spezifische Vor- und Nachteile", sagt Florian Munder, Teamleiter Energie und Bauen bei den Verbraucherschützern. "Es braucht daher weitere wissenschaftliche Untersuchungen, um herauszuarbeiten, wie die Grundversorgung zielgerichtet weiterentwickelt werden kann."





