Preiserhöhungen, die auf intransparenten Mitteilungen beruhen, sind nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW unwirksam.

Preiserhöhungen, die auf intransparenten Mitteilungen beruhen, sind nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW unwirksam.

Bild: © Alfons Ven/AdobeStock

Der Energievertrieb in Deutschland steht wegen des Haushaltslochs weiter massiv unter Druck. Stadtwerke und Versorger müssen entweder ihre Preise erhöhen oder die zusätzlichen Kosten selbst tragen. Neben der Energiekrise belasten Vertriebe im neuen Jahr die weggefallenen Preisbremsen, steigende Netzentgelte sowie ein höherer CO2-Preis.

Dazu steigt die Mehrwertsteuer für die Beschaffung von Erdgas wieder von 7 auf 19 Prozent – möglicherweise schon zum 1. März. "Wir als Energieversorger können das nicht auffangen", beklagen etwa die Stadtwerke Duisburg die jüngeren energiepolitischen Entscheidungen der Bundesregierung. Diese würden eine "erhebliche Mehrbelastung" bedeuten.

Fernwärme doppelt so teuer

Der Versorger kündigte nun Preiserhöhungen an. Bei Strom rechnen die Stadtwerke Duisburg allein durch die steigenden Netzentgelte mit Zusatzkosten "von mehr als drei Cent pro Kilowattstunde" (kWh). In der Gasgrundversorgung haben sie den Arbeitspreis zwar zum Jahreswechsel wie geplant auf 11,8 Cent pro kWh gesenkt. Doch dürfte das nicht von Dauer sein. Denn: "Dieser Effekt wird durch die staatlichen Belastungen und durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer zunichtegemacht."

Die kWh Fernwärme kostet zum 1. Januar 17,66 Cent – und damit fast doppelt so viel wie noch 2023. Über weitere Preiserhöhungen sollen Kundinnen und Kunden innerhalb der gesetzlichen Frist von sechs Wochen informiert werden.

Birnbaum pessimistisch

Die Preisspirale dreht sich und noch mehr Versorger könnten bald nachziehen, erwartet auch der Eon-Vorstandsvorsitzende Leonhard Birnbaum. "Das sind politisch bedingte Aufschläge, diese werden alle Versorger an die Gas- und Stromkunden weitergeben müssen", sagte Birnbaum in einem Interview mit der "Rheinischen Post", das der "Deutschen Presseagentur" (DPA) vorab vorliegt. "Vielleicht nicht sofort, aber wohl in den kommenden Monaten", so der Eon-Chef.

Er erwarte außerdem nicht, dass die Preise mittelfristig wieder auf das Niveau von vor der Krise fallen werden. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts fehlen der Regierung Milliarden. Ein Haushaltskompromiss soll die größten Löcher stopfen.

Auch das Vergleichsportal "Check24" rechnet damit, dass die Energiekosten "wieder deutlich steigen". Im Durchschnitt wird Strom in diesem Jahr demnach neun Prozent teurer, Gas sogar 17 Prozent.

Von den Sparmaßnahmen des Bundes betroffen sind auch staatliche Förderprogramme für Energieprojekte, betonen die Stadtwerke Duisburg weiter. Und zwar "in unterschiedlichen Formen". Sein Beratungsangebot für Kundinnen und Kunden muss der Versorger jetzt anpassen.

Einige halten Kurs

Ob tatsächlich alle Unternehmen die Zusatzkosten weitergeben werden, ist offen. Die Stadtwerke Bamberg beispielsweise wollen diese gar auffangen. Den Kundinnen und Kunden versprach Geschäftsführer Michael Fiedeldey: "Sie können sich darauf verlassen, dass die Strompreise im neuen Jahr massiv sinken." Die Gaspreise sollen zumindest nicht steigen.

Die Stadtwerke Augsburg haben den Strompreis in ihrem Grundtarif zum Jahreswechsel um rund 11 Cent auf 35,60 Cent pro kWh – und in vergleichbarer Höhe auch in anderen Tarifen ohne Preisbindung – gesenkt. Der Versorger will die Gaspreise vorerst ebenfalls nicht anheben.

Ähnlich hält es die Energieversorgung Mittelrhein (EVM), die weder ihre Strom- noch Gastarife anpassen will. "Im Sinne unserer Kundinnen und Kunden haben wir uns dazu entschlossen, die Mehrkosten aufzufangen und die Preise nicht zu erhöhen“, stellte der EVM-Vorstandsvorsitzende Josef Rönz klar. Zugleich kritisiert Rönz, dass getroffene Beschlüsse von der Politik kurzfristig zurückgenommen wurden.

Rheinenergie senkt Gaspreis

Nachdem darüber hinaus die Rheinenergie zum Jahreswechsel bereits den Strompreis gesenkt hat, kündigte das Unternehmen nun niedrigere Gaspreise zum 1. März an. Dann könnte die Mehrwertsteuer für Gas wieder auf 19 Prozent steigen, spätestens aber zum 1. April. Noch steht die Entscheidung der Regierung darüber aus.

Zuvor kündigten zum Beispiel Sachsenenergie, die Stadtwerke Trier und die Leipziger Stadtwerke an, ihre Preise nicht anheben zu wollen. Dabei handelt es sich in der Regel nicht um Gewerbe-, sondern um Privatkundentarife. Die Netzentgelte sind zum Jahreswechsel gestiegen, weil milliardenschwere Subventionen des Bundes weggefallen sind. (DPA/dz)

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