Die Energiekrise hat bereits einige Versorger zur Aufgabe gezwungen.

Die Energiekrise hat bereits einige Versorger zur Aufgabe gezwungen.

Bild: © Federico Gambarini/dpa

In den vergangenen Monaten haben mehrere Dutzend Energieversorger bei der Bundesnetzagentur die Beendigung ihrer Strom- und Gasbelieferung angezeigt, wie die ZfK nach Anfrage erfuhr.

Die Bundesbehörde zählte für das abgelaufene Jahr insgesamt 39 Lieferanten. 29 von ihnen stellten die Stromversorgung ein, vier die Gasversorgung. Die restlichen sechs Unternehmen beendeten sowohl die Strom- als auch die Gaslieferung.

Enyway insolvent

Die Zahl dürfte seitdem weiter gestiegen sein. Nach ZfK-Informationen musste auch Anbieter Enyway die Stromlieferung einstellen. Die Bilanzkreisverträge des Unternehmens mit den Übertragungsnetzbetreibern Transnet BW, Amprion, Tennet und 50 Hertz wurden am 3. Januar um 24 Uhr beendet.

Enyway hat zudem Insolvenz angemeldet, wie aus einer öffentlichen Bekanntmachung des Amtsgerichts Hamburg hervorgeht. Er ist nach ZfK-Zählung der mindestens achte Energieanbieter, der seit vergangenem Herbst diesen Weg geht.

Stark gestiegene Energiepreise

In Deutschland sind Unternehmen, die Haushaltskunden über das öffentliche Netz mit Energie versorgen, in der Regel anzeigepflichtig. Sie müssen folglich bei der Bundesnetzagentur die Aufnahme oder auch die Beendigung der Energielieferung angeben. Tun sie dies nicht, droht ihnen eine Geldbuße.

Stark gestiegene Großhandelspreise für Strom und Gas setzen seit Herbst insbesondere kleinen Energieversorgern mit eher kurzfristig orientierten Beschaffungsstrategien zu. Ende September war die Deutsche Energiepool GmbH der erste größere Anbieter, der einen bundesweiten Lieferstopp vornahm. (Die ZfK berichtete.)

Grundversorger gibt auf

Mit dem Unternehmen Ziegler gab auch ein Strom-Grundversorger Ende 2021 auf. (Die ZfK berichtete.) In der betroffenen Gemeinde Kappelrodeck (Baden-Württemberg) ist nun das Energiewerk Ortenau neuer Grundversorger.

Vor der Insolvenz standen Ende des vergangenen Jahres überdies die Stadtwerke Bad Belzig in Brandenburg. Sie streben eine Sanierung in Eigenverantwortung an. (Die ZfK berichtete.)

Bilanzkreisverträge gekündigt

Kurz vor Silvester wurden ferner die Bilanzkreisverträge mit dem in Hamburg ansässigen Ökostromanbieter LWD Lüchtwelle Deutschland beendet. Zudem stellte der in Würselen (Nordrhein-Westfalen) ansässige Versorger LCG Energy nach dem Gas- auch den Stromvertrieb ein.

Die bislang größten Verwerfungen dürften die Lieferstopps der Billiganbieter Gas.de und Stromio verursacht haben. Branchenschätzungen zufolge kamen beide Unternehmen auf insgesamt viele hunderttausend Kunden.

Separate Grundversorgungstarife

In der Folge führten etliche Grundversorger separate und teils deutlich teurere Grundversorgungstarife für Neukunden ein. Die ostdeutschen Versorger EnviaM und Mitgas verweigerten sogar die Aufnahme früherer Stromio- und Gas.de-Kunden in die Ersatzversorgung wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit. (Die ZfK berichtete.)

In den Jahren 2016 bis 2020 hatten insgesamt 97 Energielieferanten bei der Bundesnetzagentur die Beendigung der Belieferung angezeigt. Die meisten Anzeigen kamen im Jahr 2017 (74). In den den anderen Jahren waren es jeweils fünf.

533 neue Energielieferanten seit 2016

Im Vergleich dazu zeigten von 2016 bis 2021 insgesamt 533 Energielieferanten die Aufnahme der Belieferung an, wie die Bundesnetzagentur mitteilt. (aba)

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