Viele private Cargounternehmen und Betreiber von Schienenpersonenverkehr beziehen Bahnstrom von den Stadtwerken Tübingen.

Viele private Cargounternehmen und Betreiber von Schienenpersonenverkehr beziehen Bahnstrom von den Stadtwerken Tübingen.

Bild: © Stadtwerke Tübingen

Von Hans-Peter Hoeren

Das Hauptzollamt Ulm hat ein Bußgeldverfahren gegen die Stadtwerke Tübingen eingeleitet. Konkret geht es um Unstimmigkeiten bei der Abrechnung von Bahnstrom. Es besteht der Verdacht, dass für einen Teil des gelieferten Stroms gar keine Steuer bezahlt wurde, hieß es am Freitag in einer Pressemitteilung. In dieser war von einem Stromanbieter aus der Region Neckar-Alb die Rede.

Die Stadtwerke Tübingen waren am Freitagnachmittag für eine ZfK-Anfrage nicht mehr erreichbar, der Kommunalversorger bestätigte aber am Montag, dass es sich bei dem fraglichen Unternehmen um die Stadtwerke Tübingen handle.

Stadtwerke Tübingen: "Keine relevanten Ergebniseffekte"

Die Schwaben sind einer der größeren Lieferanten von Bahnstrom in Deutschland. Seit 2014 beziehen viele private Cargo- und Unternehmen aus dem Schienenpersonenverkehr (SPNV) Fahrstrom von den Stadtwerken. Laut der Homepage des Versorgers sind es aktuell mehr als 1000 Gigawattstunden (GWh) plus diverse Dienstleistungen. Für diese Lieferungen werden entsprechende Stromsteuern der Kunden abgeführt.

"Aufgrund der Besonderheiten in der Belieferung und Abrechnung der Bahnstromkunden ist die zeitliche Zuordnung der Umsätze und damit der Stromsteuern komplex. Derzeit sind wir im Austausch mit dem Hauptzollamt Ulm, ob es möglicherweise zu einer fehlerhaften Zuordnung in der Vergangenheit gekommen ist", teilte ein Unternehmenssprecher mit. Man arbeite mit dem Hauptzollamt Ulm vollumfänglich zusammen, um den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären. "Relevante Auswirkungen auf das Ergebnis der Stadtwerke Tübingen sind nicht zu erwarten", heißt es weiter.

Nach Berechnungen des Hauptzollamtes Ulm soll die nicht gezahlte Stromsteuer im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen.

Deutsche Bahn erzeugt Großteil des Bahnstroms selber

Das Bahnstromnetz wird mit Wechselstrom mit einer Frequenz von 16,7 Hertz versorgt. Zum Vergleich: das öffentliche Stromnetz wird mit 50 Hertz betrieben.

Rund zwei Drittel des Bahnstroms erzeugt die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben selbst respektive lässt diesen in besonderen Bahnstrom-Kraftwerken erzeugen: beispielsweise in bayerischen Wasserkraftwerken an der Donau, der Isar und am Walchensee. Zu den größeren kommunalen Erzeugern von Bahnstrom gehört auch die Bremer EWE-Tochter SWB.

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