Bild: © Volker Werner/AdobeStock

Nach einem jahrelangen Hickhack um die Konzession für das Stromnetz in Weil am Rhein haben Badenova Netze, die EnBW-Tochter Naturenergie Netze und die Stadt Weil am Rhein einen Kompromiss gefunden. Dieser sieht eine Kooperation der beiden Netzbetreiber und der Stadt vor.  

Den Zuschlag für das Weiler Stromnetz hatte im November nach einem laut Pressemitteilung "langjährigen, komplexen Vergabe- und Bewerbungsverfahren" die Stromnetzgesellschaft Weil am Rhein GmbH & Co. KG erhalten. Die bisherigen Gesellschafter der Stromnetzgesellschaft – die Stadtwerke Weil am Rhein und Badenova Netze – haben sich nun mit dem aktuellen Stromnetzeigentümer und -betreiber Naturenergie Netze geeinigt.

Der Kompromiss lautet: Die Stadt Weil am Rhein wird nun künftig 40 Prozent der Anteile an der Stromnetzgesellschaft halten und Badenova Netze sowie Naturenergie Netze jeweils 30 Prozent.

Badenova und die Stadt geben Anteile an Naturenergie Netze ab

Bisher haben die Stadtwerke Weil am Rhein 51 Prozent und die Badenova 49 Prozent Anteile an der Stromnetzgesellschaft gehalten. Beide Gesellschaften werden Anteile an die Naturenergie Netze abgeben.

Die Gesellschafterverträge werden aktuell entsprechend überarbeitet und dann dem Regierungspräsidium als Rechtsaufsicht vorgelegt, heißt es. Eine Beschlussfassung wird Anfang 2026 erfolgen.

Der Konzessionsvertrag zwischen der Stadt und Naturenergie Netze war 2018 ausgelaufen, die Stadt will das Netz selber übernehmen. Badenova sollte dabei bisher als alleiniger technischer Partner unterstützen.

"Im Konsens ist der tatsächliche Zugriff auf das Netz schneller und kostengünstiger zu erreichen als über jahrelange und in ihrem Ausgang unsichere Gerichtsverfahren."


Diana Stöcker, Oberbürgermeisterin von Weil am Rhein

Bereits beschlossen hat der Gemeinderat in der Sitzung vom 16. Dezember den Netzkaufvertrag und den Pachtvertrag. Das bedeutet, dass das Netz zum 1. Januar 2026 von der Naturenergie Netze auf die Stromnetzgesellschaft Weil am Rhein übergeht.

Das Netz wird jedoch unmittelbar für die Dauer von drei Jahren an die Naturenergie Netze verpachtet. Das Pachtverhältnis wird anschließend an die Badenova Netze übergehen.

 "Mit der Entscheidung zur neuen Gesellschafterstruktur kommen wir zügig und maßgeblich ins Handeln. Im Konsens ist der tatsächliche Zugriff auf das Netz schneller und kostengünstiger zu erreichen als über jahrelange und in ihrem Ausgang unsichere Gerichtsverfahren", betonte Oberbürgermeisterin Diana Stöcker.

Wir fordern die Politik auf, die Vergabeverfahren
deutlich zu vereinfachen, gerade für kleinere Kommunen.

Klaus Müller, Mitglied der Geschäftsführung von Naturenergie

"Zuverlässige und digitale Stromverteilnetze sind ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Kommunen", ergänzte Dirk Sattur, Vorstand der Badenova. Gerade vor dem Hintergrund anspruchsvoller Rahmenbedingungen sei es gelungen, das Vergabeverfahren hier zielgerichtet und kosteneffizient zu einem guten Abschluss zu führen. 

"Weil am Rhein ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner, und wir schätzen das uns entgegengebrachte Vertrauen. Wir sind erfreut, ein komplexes Vergabeverfahren schnell und unkompliziert beenden zu können und fordern die Politik auf, die Vergabeverfahren deutlich zu vereinfachen, gerade für kleinere Kommunen“, erklärte Klaus Müller, Mitglied der Naturenergie-Geschäftsführung.

Kooperationsmodell als Lösung für Rechtsstreit in anderen südbadischen Kommunen?

Kooperationen zwischen Badenova und Naturenergie sind nichts Neues, die beiden Verteilnetzbetreiber sind vielerorts aber auch direkte Konkurrenten im Wettbewerb um kommunale Netzkonzessionen. Teils wird dieser Wettstreit relativ erbittert und mit der gesamten Klaviatur an juristischen Optionen geführt. Das führt auch andernorts zu langjährigen Vergabeverfahren und nachhaltigen Pattsituationen.

In Südbaden etwa tobt seit Jahren ein Konzessionsstreit in zehn Gemeinden, den ursprünglich Badenova gewonnen hatte. Weil Naturenergie Netze die Entscheidung gerügt hat, ist der Netzübergang bis heute nicht vollzogen.

Ende April hatte Badenova auf Netzübertragung geklagt. Ob das jetzt in Weil am Rhein gefundene Kooperationsmodell hier eine Alternative sein kann, um die Situation nach vorne zu entwickeln, scheint eher fraglich. Die Ausgangslage dort ist mit der in Weil am Rhein nur schwerlich zu vergleichen.

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