Die Bayernwerk Netz GmbH und die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) testen in der Modellregion Altdorf in Niederbayern digitale Lösungen für eine effiziente und sichere Energieversorgung der Zukunft. Wie sich die wachsende dezentrale Stromerzeugung und der zunehmende Energiebedarf künftig über eine Austauschplattform effizienter steuern lassen, haben die Projektverantwortlichen des Altdorfer Flexmarkts am Freitag Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vorgestellt.
Die Zielgruppe des im Oktober 2019 gestarteten Praxistests in Altdorf im Landkreis Landshut sind Besitzer und Betreiber von sogenannten Flex-Optionen, also von steuerbaren Anlagen für Energieerzeugung und -verbrauch. Mit Hilfe intelligenter Messsysteme können Einspeise- und Verbrauchsspitzen reduziert und das Stromnetz optimal ausgelastet werden. Dadurch können künftig mehr erneuerbare Energien und neue Verbraucher ins bestehende Netz integriert und Netzengpässe vermieden werden.
Schnell und bürgernah
„Erneuerbare Energien werden eine immer wichtigere Rolle in unserer Stromversorgung spielen. Wir müssen unsere Stromnetze so ertüchtigen, dass sie mit dem schwankenden Stromaufkommen zurechtkommen und ausbalanciert bleiben“, erklärte Aiwanger. "Der Altdorfer Flexmarkt zeigt, wie erneuerbare Energien in den Strommarkt integriert werden können. Hier werden wissenschaftliche Erkenntnisse vor Ort schnell und bürgernah in die Praxis umgesetzt.“
„In einer erneuerbaren und dezentralen Energiewelt spielt die Einbindung von flexiblen Anlagen für einen effizienten Netzbetrieb eine entscheidende Rolle. Durch die voranschreitende Digitalisierung in der Energiewirtschaft werden zugleich innovative Lösungskonzepte ermöglicht“, erklärte Egon Westphal. Der Technik-Vorstand des Bayernwerks sprach in Bezug auf die Digitalisierung des Energiesystems von einem Paradigmenwechsel.
Flexumer statt Verbraucher
Westphal begründet das wie folgt: „Die Energiewende ist nicht nur durch Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung geprägt. Der Kunde rückt durch seine zunehmend aktive Rolle in den Fokus, wodurch die Energiewende auch Demokratisierung bedeutet.“ Er verwies auf die Wandlung vom Verbraucher zum sogenannten Flexumern. Bereits heute finden sich mehr als 175.000 Wärmepumpen, Direkt- und Speicherheizungen, 285.000 PV-Anlagen mit 6600 MW Leistung, 21.500 Kleinspeicher und 1600 Ladepunkte im Bayernwerk-Netz.
„Diese Flexibilität wollen wir mit dem Altdorfer Flexmarkt erschließen und für den Netzbetreiber nutzbar machen. Zum Messen und Steuern verwenden wir die Infrastruktur der intelligenten Messsysteme, damit die Kommunikation zwischen den Flex-Optionen und dem Flexmarkt sicher und zuverlässig abläuft“, erläutert Prof. Wolfgang Mauch, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft, und resümiert: „Mit der erfolgreichen Schaltung konnten wir den Proof-of-Concept unseres Ansatzes zur Behebung von Netzengpässen nachweisen.“ (sig)



