Am 2. September 2016 traten in Deutschland das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende sowie das Messstellenbetriebsgesetz in Kraft. Sie regeln den Messstellenbetrieb und den Rollout von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen.
Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur (Stand Mai 2019) sollen bis 2032 damit von 41,2 Millionen Zählpunkten bei Haushaltskunden rund 558.500 mit modernen Messeinrichtungen und ungefähr 462.000 mit Messsystemen ausgestattet werden.
"bne" kritisiert Warten auf zertifizierte Systeme
Der Rollout intelligenter Messsysteme lässt allerdings noch auf sich warten, da bislang noch keine drei Geräte vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert worden sind. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) kritisiert dies. "Im Unterschied zu vielen anderen Branchen, in denen die Digitalisierung bereits grundlegende Veränderungsprozesse gebracht hat, steht in der Energiewirtschaft dieser Wandel erst noch bevor. Eine Ursache dafür ist sicherlich der bislang erfolglose Prozess der Smart-Meter-Gateway-Zertifizierung. Er führt zu Attentismus bei Nutzern und Unternehmen", kritisiert Geschäftsführer Robert Busch.
Zwar stünden schon heute freie Messsysteme für Energieprodukte, Laststeuerung, Verbrauchsvisualisierungen oder Smart-Home-Produkte zur Verfügung. "Doch viele warten stattdessen den Rollout der zertifizierten Systeme ab – und das schon seit Jahren", so Busch. Der Gesetzgeber solle daher endlich erkennen, dass der gewählte Weg der BSI-Zertifizierung in die Irre führe und es dringend notwendig sei, dass Messstellenbetriebsgesetz für Innovationen zu öffnen, heißt es bei dem Verband.
"G1-Geräte bieten kaum Mehrwerte"
Die Forderung des Verbandes, der vor allem auch Unternehmen vertritt, die keine zertifizierten Messsysteme vertreiben, ist nicht neu. Auch ist dem Verband zufolge der Anwendungsbereich der zertifizierten Geräte nur sehr begrenzt. Moderne Anwendungen wie variable Stromtarife, Smart-Home-Anwendungen, Ladestromtarife für Elektroautos, systemdienliche Steuerung von Erzeugungsanlagen oder variablen Lasten seien damit weiterhin nicht möglich, so die Kritik.
"Wir hoffen, dass trotz Markterklärung freie Messsysteme für eine Vielzahl von Anwendungsfällen weiterhin verwendet werden können, weil die zertifizierten Geräte der ersten Generation kaum einen Mehrwert zu den alten Ferrariszählern bieten", wirbt Robert Busch für die freien Messysteme. Diese ermöglichen, beschleunigen und automatisieren ihm zufolge die Kommunikation, den Datenaustausch und die Reaktionen zwischen Akteuren, Geräten und Systemen.
Zertifizierungen könnten bald kommen
Das Warten auf den Rollout intelligenter Messsysteme dürfte indes bald ein Ende haben: Die Anzeichen verdichten sich, dass zu den Metering Days in Fulda im Oktober die für die Markterklärung nötigen Geräte zertifiziert sind. (sg)


