90 Prozent der Befragten der Detecon-Umfrage "5G in der Energiewirtschaft" halten die neue Mobilfunkgeneration aus allgemeiner Marktsicht für bedeutend oder sehr bedeutend. Zudem: Fast die Hälfte der Teilnehmer sieht mit 45 Prozent ein hohes Potenzial für das eigene Unternehmen. 63 Prozent der EVU und City Carrier in Deutschland befassen sich laut Studie mit Überlegungen zur Strategie und Positionierung für das Thema 5G. Eine strategische Entscheidung getroffen oder sogar eine Umsetzung gestartet hat aber erst weniger als ein Drittel.
Gefragt nach 5G-Anwendungen, die künftig den größten Erfolg versprechen, gaben 84 Prozent den Bereich Industrie 4.0 (Campus-Vernetzung) an. Jeweils 63 Prozent nannten zudem Mobilität & Logistik (Autonomes Fahren) sowie stadtwerkenahe Themen wie Smart Grid, ÖPNV und Smart City, die von 53 Prozent als potenziell erfolgreiche Anwendungen erachtet werden. Für die Umfrage wurden 25 Vertreter von Energieversorgungsunternehmen und City Carriern aus Deutschland befragt. Mehr als die Hälfte der Befragten waren Vorstände oder stammten aus vorstandsnahen Bereichen. Die Umfrage erfolgte online im Mai 2019.
Rolle im 5G-Markt
"Energieversorger sehen durchaus hohes Potenzial darin, 5G für eigene, betriebliche Zwecke zu nutzen, etwa die Energienetze besser zu steuern oder komplexe Abläufe im Personennahverkehr intelligent zu gestalten", erklärt Volker Rieger, Managing Partner im Bereich Business Ecosystems bei Detecon. "Auch die Beteiligung beim Aufbau von Smart Cities für Kommunen der eigenen Versorgungsregion wird als attraktiv angesehen."
"Gefragt nach der angestrebten Rolle im 5G-Markt will jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) Infrastrukturleistungen wie etwa Glasfaser, Strom oder Standorte für die großen Mobilfunknetzbetreiber anbieten und somit den nationalen Rollout unterstützen. "Die Bereitschaft, vorhandene Infrastrukturen wie etwa Grundstücke, Leitungen, Antennen und Anschlüsse als Vorleistung zur Verfügung zu stellen, ist definitiv vorhanden", konstatiert Jörg Borowski, Managing Partner und Telekommunikationsexperte bei Detecon.
Größte Hürde: unklare regulatorische Hürden
Laut Umfrage können sich 37 Prozent der Befragten auch vorstellen, eine Rolle als Anbieter von Diensten mit eigener Infrastruktur einzunehmen. Handlungsoptionen könnten etwa das Angebot von IoT-Dienste für eine Smart City, wie das Tracking von ÖPNV-Verkehr sein.
Die Umfrage zeigt aber auch, dass Energieunternehmen und City Carrier 5G-Vorhaben mit Herausforderungen verbunden sehen. Als größte Hürden wurden unklare regulatorische Vorgaben sowie ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis und fehlende interne Kompetenzen zum Aufbau und Betrieb der komplexen Infrastruktur genannt.
Bestehende Assets nutzen
Fragen, die sich Unternehmen laut Detecon dabei stellen sollten, sind folgende: Welche Rolle kann das Stadtwerk oder der City Carrier aus kommunaler Sicht hinsichtlich des Digitalisierungszeitalters einnehmen? Welche Assets sind jetzt schon nutzbar und welche Kompetenzen sind neu aufzubauen? Welchen Wert bieten Partnerschaften mit den nationalen Betreibern? "Die Bandbreite der Positionierungsmöglichkeiten im zukünftigen 5G-Ökosystem für Energieversorgungsunternehmen ist groß, und die richtige Entscheidung bedarf einer sorgfältigen Diskussion mit allen Stakeholdern", berichtet Volker Rieger aus Projekterfahrungen.
"Eines hat sich aber schon jetzt herauskristallisiert", betont Marc-Andreas Schultze, Managing Partner bei Detecon im Bereich Global NetWorks, "die Möglichkeiten für 5G sind weitreichend, der Weg zum Netz für alle Beteiligten nicht einfach. Bestehende Assets wie Glasfaser, Standorte für Tower/Small Cells oder Strom, die Stadtwerke und City Carrier im Infrastrukturumfeld einbringen können, sollten aber auf jeden Fall genutzt bzw. intelligent ausgebaut werden, um sowohl betriebswirtschaftlichen wie volkswirtschaftlichen Nutzen einzufahren", so Schultze. Inwiefern es dann sinnvoll ist, verstärkt in Industrie 4.0 (Campus-Vernetzung) oder stadtwerkenahe Themen wie etwa Smart Grid, Smart Mobility und Smart City zu investieren, sei abhängig von den Rahmenbedingungen wie Regulierung oder Kompetenzen und nach entsprechenden Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zu entscheiden.
Was jetzt zu tun ist
Detecon rät Energieversorgern und City Carriern, sich jetzt aktiv mit dem Thema und dessen strategischer Bedeutung für das eigene Unternehmen zu beschäftigen. Die Bandbreite an möglichen Positionierungen im 5G-Umfeld sei groß.
Auch der Start in den 5G-Markt sollte jetzt erfolgen, um erste Erfahrungen zu sammeln. Für EVU und City Carrier bieten sich nach Einschätzungen von Detecon neue Chancen für Umsätze und Effizienzen. Es gelte dabei, die richtigen Partner zu finden und die eigene Rolle im Ökosystem zu definieren. (sg)



