Senioren halten Kaffeeklatsch via Bildschirm, der Supermarkt um die Ecke liefert per Mausklick und ein autonom fahrender Bus mit Wasserstoffantrieb sammelt seine Fahrgäste flexibel ein: "Das sind keine Hirngespinste", versicherte Thomas Edelmann vom Landratsamt Wunsiedel im Fichtelgebirge. Über die Realisierung genau solcher Ideen diskutierte der Kreistag Ende vergangener Woche.
Das digitale Leben der Zukunft erproben
Denn das "Smarte Fichtelgebirge" soll zur Modellregion für Digitalisierung werden, genauso wie die unterfränkische Stadt Haßfurt. Beide zählen zu den 13 Regionen, die das Bundesinnenministerium im Juli für das Projekt "Smart Cities" ausgewählt hat. Für mehr als zehn Millionen Euro sollen sie ein Konzept zum digitalen Leben der Zukunft entwickeln und erproben. "Ganz Deutschland schaut auf uns und will von uns lernen, wie ein Landkreis digital wird", sagte Edelmann.
KI-Netzwerk in ganz Bayern
Bayern soll Vorreiter im Bereich Digitalisierung werden – das strebt auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an. Zwei Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren in eine Forschungs- und Hightech-Offensive fließen, wie Söder in einer Regierungserklärung am vergangenen Donnerstag (10. Oktober) erläuterte. In ganz Bayern soll so ein Netzwerk für künstliche Intelligenz entstehen.
Haßfurt plant LoRaWAN-Netz
Auch Haßfurt will nun ein digitales Netzwerk über die Stadt spannen. Ein sogenanntes "LoRaWAN" soll bald Daten über die Temperatur, freie Parkplätze oder Einkaufsmöglichkeiten senden. Ein solches System biete viel mehr als eine Suchmaschine wie Google, versicherte Diethard Sahlender vom Rechenzentrum Haßfurt. "Wenn ich als Tourist nach einem Hotel in der Stadt suche, bekomme ich gleich noch freie Parkplätze und Restaurants in der Umgebung angezeigt", erklärte Sahlender. "Und wenn ich will, hilft mir das System dann gleich noch bei der Buchung." Eben ein echter Rundum-Service.
Erste Stellenausschreibungen
Bis 2021 läuft aber erst mal die Planungsphase. Gerade schreiben Haßfurt und der Landkreis Wunsiedel erste Stellen aus. Dann sollen die Bürger eigene Ideen einbringen, in Bürgersprechstunden und Veranstaltungen, aber natürlich auch über ein Onlineportal und per App. "Wir wollen wissen: Wo drückt der Schuh?", sagte eine Sprecherin vom Landratsamt Wunsiedel. Fünf Jahre haben die Regionen anschließend Zeit, um aus den Visionen Realität werden zu lassen. (dpa/hoe)



