Photovoltaik und Windkraft: viele Milliarden gespart?

Photovoltaik und Windkraft: viele Milliarden gespart?

Bild: © RainerSturm/Pixelio.de

Sechs bis zehn Millionen dezentrale Solar- und Windkraftanlagen, Blockheizkraftwerke und Speicher werden im Jahr 2030 voraussichtlich in Deutschland am Netz sein. „Wenn man sich dies vor Augen führt, wird klar, dass es nicht ohne digitale Technik und ohne Datenvernetzung geht, um die System- und Versorgungssicherheit sowie einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten“, unterstrich Hans-Martin Henning, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

Auch für moderne Prognosemethoden für eine fluktuierende Erzeugung seien eine verbesserte Sensorik, Big Data und künstliche Intelligenz unverzichtbar, so seine Botschaft. Erfordert doch die wetterbedingte Energiebereitstellung an vielen Orten eine immer bessere Kenntnis der aktuellen lokalen Gegebenheiten von Wind und Sonne. Auch kann die Informations- und Kommunikationstechnik dabei helfen die Sektorenkopplung voranzutreiben und Brücken zwischen Strom, Wärme und Mobilität zu schlagen. Notwendig ist sie auch für eine Verbrauchssteuerung.

„Künftig muss der Verbrauch stärker der Erzeugung volatiler Anlagen folgen“

„Vor allem im elektrischen Energiesektor erleben wir derzeit einen Paradigmenwechsel. Künftig muss der Verbrauch stärker der Erzeugung volatiler Anlagen folgen“, betonte Veit Hagenmeyer, Direktor des Instituts für angewandte Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er wies darauf hin, dass künftig die „Balancehaltung auch stärker dezentral erfolgen muss“, beispielsweise über eine intelligente Kopplung von Photovoltaikanlagen und Speichern, auf Haus-, Quartiers- oder Gemeindeebene.

Doch wehrte sich Henning gegen Forderungen nach einer rein dezentralen erneuerbaren Energiewelt, die zum Auftakt der FVEE-Jahrestagung am Mittwoch in Berlin erhoben wurden. „Es geht nur in Kombination dezentral-zentral“, so Henning im Gespräch mit der ZfK. Als Messlatte sieht er hier die Subsidiarität. „Man kann viele Fragen der Versorgung vor Ort handhaben, doch man braucht auch einen übergeordneten Rahmen“, unterstrich er. Offen ist aus seiner Sicht allerdings noch, ob Netzbetreiber in einzelne Anlagen steuernd eingreifen oder eher in aggregierte Anlage.

Digitalisierung sicher gestalten - doch auch offenes Dilemma

Eine große Bedeutung misst der FVEE der Cybersecurity und dem Datenschutz bei der Digitalisierung der Energiewelt zu. „Ein unabhängiges Informations- und Datennetz für die Energieversorgung kann die Digitalisierung im Energiesystem sicherer und wirtschaftlicher machen“, betonte Tagungsleiter Kurt Rohrig, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE). Wie dies und eine Balance zwischen Datenschutz und Datennutzung, als Grundlage der Digitalisierung, umgesetzt werden kann, blieb bei dem Tagungsauftakt allerdings weitgehend offen. „Wir kommen hier schon in ein Dilemma rein“, räumte Hagenmeyer ein. Als ein Beispiel für eine Berücksichtigung beider Anforderungen nannte er das Auslesen aggregierter Daten von Smart Metern durch die Verteilnetzbetreiber und nicht von Einzelgeräten.

Einig sind sich die Energieforscher jedoch in ihrer Forderung, dass die Rahmenbedingungen angepasst werden müssen, um Flexibilisierungspotenziale, beispielsweise durch einen verstärkten Speichereinsatz, voll ausschöpfen zu können. Eine doppelte Belastung der Speicher mit der EEG-Umlage sei hierbei kontraproduktiv, hieß es bei der Veranstaltung. (hcn)

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