Nachdem sich bisher zwei Bieter aus den Reihen der Energie- und Wasserwirtschaft auf das Vergabeverfahren der 450-MHz-Frequenz vorbereitet hatten – der aktuelle Frequenzinhaber 450connect und dessen Ankerkunden sowie die Versorger-Allianz 450, hat die Branche jetzt den Schulterschluss vollzogen, um die 450-MHz-Funkfrequenzen mit der größtmöglichen Geschlossenheit und einem möglichst breit getragenen Betreibermodell zu erwerben.
Man habe sich auf einen Zusammenschluss und eine gemeinsame Vorgehensweise verständigt, heißt es dazu in einer Pressemitteilung: Dazu wird die Alliander-Deutschland-Tochter 450connect zu je 25 Prozent unter den vier gleichberechtigten Gesellschaftern aufgeteilt; diese sind:
- der bisherige Eigentümer 450connect, die Alliander AG. Das nach eigenen Angaben kommunal geprägte Technologie-Unternehmen hat bisher in enger Kooperation mit deutschen Energieunternehmen (siehe unten) schon heute regionale 450-MHz-Funknetze in Vorbereitung eines bundesweiten 450-MHz-Funknetzes für Unternehmen und Organisationen mit kritischen Kommunikationsanforderungen realisiert.
- ein Konsortium kommunaler Regionalversorger, die aktuell in Kooperation mit der aktuellen 450connect GmbH in etwa 20 Prozent der Fläche Deutschlands regionale 450-MHz-Funknetze errichtet haben und betreiben. Die mehrheitlich kommunalen Unternehmen – EWE Netz, EAM-Beteiligung, Entega, Harz Energie, NetCologne, Stadtwerke Düsseldorf, TEAG Thüringer Energie, Wemag sowie Westfalen Weser Energie – haben dazu außerdem in eine Kommunikationsplattform zur Digitalisierung ihrer Verteilnetze investiert.
- die Regionalversorger der Eon/Innogy setzen sich seit 2010 für die Vergabe der 450-MHz-Frequenz an die Energiewirtschaft ein. Unter dem Dach von Eon und Innogy sind folgende Netzbetreiber zusammengefasst: Avacon, Bayernwerk, Edis, HanseWerk, Envia Mitteldeutsche Energie, Innogy Westenergie, Lechwerke, Süwag und VSE. Sie sind in nahezu allen Bundesländern vertreten und integrieren über 60 Prozent der bundesweit installierten erneuerbaren Energien in ihre Netze.
- die Versorger-Allianz 450 repräsentiert eine Gruppe von 180 Unternehmen der Energie- und Wasserversorgungsbranche. Seit über zwei Jahren wirbt die Initiative für die Frequenzzuweisung und hat dazu ein diskriminierungsfreies und nationales Umsetzungsmodell für die gesamte Branche entwickelt und vorangetrieben. Aktuell wird die Gruppe vertreten durch Bad Honnef, Bonn-Netz, DB Energie, MVV Netze, Netze BW, Netze Duisburg, Oberhessische Versorgungsbetriebe und die Stadtwerke Schwäbisch Hall. Die Initiative sei weiterhin für Partner offen und man werde neue Gesellschafter aufnehmen, heißt es dort.
Stimmen zum Zusammenschluss
„Wir haben uns auf ein echtes Branchenmodell geeinigt und sind vorbereitet, den nationalen Funknetzausbau sofort zu beginnen. Das Modell vereint Versorger aller Größen von Stadtwerken, über namhafte Regionalversorger sowie den Eon-Konzern und ist wegweisend für die Zukunftsfähigkeit der Energieversorgung in Deutschland. Es vereinigt die Interessen der Versorger mit den Kompetenzen der Alliander als 450-MHz-Netzbetreiber in Deutschland und den Niederlanden“, betont Alexander Montebaur, Vorsitzender des Vorstands der Edis AG für Eon.
Die neue 450connect soll sich um die Frequenzen in dem von der Bundesnetzagentur derzeit vorbereiteten Vergabeverfahren bewerben sowie das Funknetz aufbauen und betreiben. „Dieses Frequenzspektrum ist für die Energieversorgung in Deutschland und die sie tragenden Unternehmen von überragender Bedeutung. Nur ein 450-MHz-Funknetz erfüllt die hohen und spezifischen Anforderungen der Energiewirtschaft an eine zuverlässige Versorgungssicherheit, ermöglicht die digitale Vernetzung von Stromerzeugern und -verbrauchern und ist dabei rechtzeitig realisierbar und wirtschaftlich tragfähig. Wir haben ein solches Netz bereits erfolgreich in den Niederlanden umgesetzt. Dort wird es seit mehreren Jahren für die Kommunikation dezentralisierter und digitalisierter Stromnetze eingesetzt. Inzwischen sind über zwei Millionen Geräte angeschlossen und wir sind froh, dieses Know-how zusammen mit unseren Partnern auch hier in Deutschland einbringen zu können“, sagt Frank Zeeb, Vorsitzender des Vorstands der Alliander AG.
Branchenmodell mit diskriminierungsfreien Nutzungsbedingungen gefordert
Die vier künftigen Partner als Gesellschafter der 450connect und ihre Mitgliedsunternehmen decken 90 Prozent der Fläche Deutschlands bei der Energie- und Wasserversorgung ab. Die Unternehmen verbinde der dringende Bedarf an schwarzfallfester, sicherer und breitbandiger Kommunikation, aber auch der Wunsch nach diskriminierungsfreien Nutzungsbedingungen für die 450-MHz-Mobilfunkdienste.
„Unser Zusammenschluss zeigt, dass die zahlreichen Energie- und Wasserversorger auf dem deutschen Markt zu breit getragenen Kooperationen fähig sind. Ein so wichtiges Werkzeug wie ein nationales 450-MHz-Funknetz erfordert eine möglichst breite Basis, denn es wird absehbar zu einem unverzichtbaren Baustein der Versorgungssicherheit werden. Über die Versorger-Allianz 450 besteht für Stadtwerke und Versorgungsunternehmen spartenübergreifend weiterhin die Möglichkeit, sich indirekt an der 450connect zu beteiligen. Denn eine breite Beteiligung stärkt unseren Anspruch eines echten Branchenmodells mit diskriminierungsfreien Nutzungsbedingungen“, sagt Theo Waerder, Vorstandsvorsitzender der Versorger-Allianz 450 und Geschäftsführer der Bonn-Netz GmbH.
Waerder wertet den Zusammenschluss als Supererfolg, da sich so alle Ideen und Forderungen der Versorger Allianz umsetzen ließen: Dazu gehört ein Branchenmodell mit nahezu allen Marktpartnern, eine sparteübergreifende und nationale Lösung, kein Mehrheitseigentümer, Riskominderung und Anlehnung an Regulierungsvorgaben, keine relevanten Sperrrechte, ein Funksystem entsprechend der ISMS-Forderungen, der Zugang für alle energie-, Wasserver- und Abwasserentsorgungsunternehmen unabhängig von ihrer Größe und zudem die direkte Einflussnahme auf das Geschäftsmodell und die daraus resultierenden Produkte. Der Business-Case werde durch die Breite Mehrheit zudem robuster, so Waerder.
Schwarzfallfeste Lösung
„Wir Ankerkunden der 450connect bauen auf die guten Erfahrungen bei 450connect und Alliander auf. Wir teilen in dieser Kooperation schon heute Aufgaben und Risiken, nutzen Standorte und sind somit über die gesamte Fläche Deutschlands schnell umsetzungsfähig. Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen allein in den Netzgebieten der heutigen Ankerkunden über 300 Funkmaste entstehen. Eine der wichtigsten Eigenschaften der 450-MHz-Funknetze ist die sogenannte Schwarzfallfähigkeit. Herkömmliche Telekommunikationsnetze fallen ohne Strom nach wenigen Stunden aus. Unsere Lösung ist mehrfach abgesichert und schwarzfallfest. Sollte es je zu einem flächendeckenden Blackout kommen, können wir die Stromnetze schnell wieder hochfahren. Ohne funktionierende Kommunikationsmöglichkeit wäre das sehr schwer bis unmöglich“, sagt Thomas Murche, technischer Vorstand der Wemag als Vertreter des Konsortiums der kommunalen Regionalversorger.
Antennen- und Infrastrukturstandorte
Die Alliander AG wird demnach 75 Prozent der Anteile an der 450connect GmbH abgeben. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt des Abschlusses der Kauf- und Konsortialverträge, der erforderlichen Gremienbeschlüsse sowie der Genehmigung durch die Kartell- und Aufsichtsbehörden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Die künftigen Partner heben hervor, dass in dieser Zeit die krisensichere Kommunikation für die Betreiber kritischer Infrastrukturen besonders notwendig sei. Die Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmeversorger Deutschlands sind sich einig in ihrem Willen, gemeinsam zügig ein 450-MHz-Netz in Deutschland aufzubauen und damit bundesweit zu einer Härtung unverzichtbarer Leistungen wie der Energie- und Wasserversorgung beizutragen. Neben ihrer Finanzkraft und ihrem Know-how bringen sie dabei auch ihre Antennen- und Infrastrukturstandorte ein.
Signal der Geschlossenheit
„Wir wünschen uns, dass dieses Signal der Geschlossenheit und Entschlossenheit dazu beiträgt, dass die Bundesregierung die ausstehende Entscheidung nunmehr fällt, damit die Bundesnetzagentur das bereits eingeleitete Verfahren zügig abschließen kann. Mit der breiten Beteiligung der Branche ist 450connect als Betreiber des 450-MHz-Funknetzes für Unternehmen und Organisationen mit kritischen Kommunikationsanforderungen bestens aufgestellt“, führt Carsten Ullrich, Geschäftsführer der 450connect, abschließend aus.
Die 450-MHz-Frequenzlösung wird in der Branche bereits angewendet. Als regionaler Netzbetreiber aus dem Nordwesten Deutschlands setzt EWE Netz bereits seit Langem auf die 450-MHz-Frequenz. „Inzwischen ist die 450-MHz-Frequenz Teil unseres neuen Energiedatennetzes, mit dem wir unsere intelligenten Netzkomponenten wie regelbare Ortsnetzstationen oder Einspeiseanlagen steuern und unsere schwarzfallsichere Kommunikation realisieren. An dieses Netz können wir künftig weitere Anwendungen für Smart Grid und Smart Meter anschließen,“ so Torsten Maus, Vorsitzender der Geschäftsführung von EWE Netz. (sg)

