Eigenversorgung und Mieterstromkonzepte sieht man bei der EU-Kommission in Brüssel weitaus progressiver als bei der Bundesregierung in Berlin, sagt der Vorstand von Bündnis Bürgerenergie, Rene Mono.

Eigenversorgung und Mieterstromkonzepte sieht man bei der EU-Kommission in Brüssel weitaus progressiver als bei der Bundesregierung in Berlin, sagt der Vorstand von Bündnis Bürgerenergie, Rene Mono.

Bild: © Wolfgang Cibura/AdobeStock

Der Gebäudesektor trägt mit einem Anteil von rund 35 Prozent zum Energieverbrauch in Deutschland bei. Im Kampf gegen den Klimawandel kommt ihm daher eine wesentliche Rolle zu. Entsprechend klar sind die politischen Ziele für den Sektor definiert: Klimaneutralität bis 2045. Eine große Aufgabe für die neue Bundesregierung, die allein mit den aktuellen Maßnahmen zu scheitern droht.

Damit die Energiewende im Gebäude gelingen kann, müssen sich alle Beteiligten ihres Einflusses bewusst werden. Eine aktuelle Umfrage von Techem, einem führenden Serviceanbieter für smarte und nachhaltige Gebäude, zeigt: Privatvermietende sehen sich in der Verantwortung, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. So halten es mehr als zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) für notwendig, den CO2-Ausstoß ihrer Immobilien zu reduzieren. Sie sehen darin sowohl Vorteile für die Umwelt (52 Prozent) als auch für den Werterhalt ihrer Liegenschaft (45 Prozent). Aber auch die CO2-Bepreisung (41 Prozent) sowie die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen (37 Prozent) sind für Privatvermietende relevante Gründe, auf mehr Energieeffizienz zu setzen.

Hoher Modernisierungsbedarf, fehlendes Wissen zu geringinvestiven Lösungen

Bei der Diskussion um die CO2-Reduzierung im Immobilienbestand stehen häufig Modernisierungsmaßnahmen im Fokus. Dabei sind diese nur Teil der Lösung für einen energieeffizienten Gebäudebetrieb – so machen etwa Dämmungen nur 20 bis 30 Prozent des Einsparpotenzials aus. Laut Umfrage hat sich die Mehrheit der Privatvermietenden in den letzten Monaten zu Modernisierungsmaßnahmen informiert (64 Prozent).

Zudem schätzen 59 Prozent der Befragten den Handlungsbedarf für diese in ihren Liegenschaften als hoch bis sehr hoch ein. Wenngleich der Bedarf besteht, sind die Maßnahmen für zwei Drittel der Befragten mit hohem Zusatzaufwand verbunden (66 Prozent), der zunächst abschrecken kann. Zugleich bemängelt die Mehrheit, dass es an geringinvestiven Lösungen für Energieeinsparungen fehlt (56 Prozent).

Vorteile: Digitalisierung in Gebäuden
 
Hier scheint noch Informationsbedarf zu bestehen: Digitale Lösungen stellen bereits heute einen einfachen und geringinvestiven Schritt dar, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu optimieren. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie keine oder nur geringe bauliche Eingriffe erfordern und dadurch zeitnah umsetzbar sind. So lassen sich mit der digitalen und intelligenten Steuerung von Heizungsanlagen bereits 10 bis 15 Prozent CO2 einsparen.

Digitalisierung bringen Privatvermietende bis dato allerdings vor allem mit mehr Wohnkomfort für Mietende sowie dem Werterhalt ihrer Immobilie in Verbindung (67 Prozent). Für 63 Prozent der Befragten ergibt sich daraus ein erhöhter Handlungsbedarf zur Digitalisierung im Gebäudebestand – Energieeinsparungen sind eher ein unbewusster Nebeneffekt.

Verlässliche Rahmenbedingungen nötig

„Die Digitalisierung im Gebäudesektor ist ein wichtiger Hebel für die Energiewende. Sie unterstützt nicht nur bei der Optimierung von Anlagen, sondern schafft als Grundlage für regelmäßige Verbrauchsmessungen Bewusstsein für den eigenen Energieverbrauch. Dafür braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, für die die neue Bundesregierung hoffentlich die Weichen in die richtige Richtung stellt. Wir dürfen uns nicht nur auf die CO2-Vermeidung bei der Energieerzeugung konzentrieren, sondern müssen auch die Energieeffizienz mitdenken, um den Hebel in Richtung Klimaneutralität umlegen zu können“, fordert Matthias Hartmann, CEO bei Techem.

Vermietende sorgen sich um rechtliche Anforderungen

Die Umfrage verdeutlicht zudem, dass Privatvermietende zwar handlungswillig sind, Zusatzaufwand und rechtliche Regelungen allerdings große Hürden für sie darstellen. Die Hälfte der Befragten hat sich in den vergangenen Monaten bereits zu Rechtsthemen wie den Änderungen im Gebäudeenergiegesetz (53 Prozent) und der EU-Gebäuderichtlinie (51 Prozent) informiert. Dennoch fühlen sich die meisten von den steigenden Anforderungen und rechtlichen Regelungen überfordert (52 Prozent).

Häufig bringen diese einen erheblichen Mehraufwand mit sich: So sieht die Heizkostenverordnung (HKVO) nach Umsetzung der EU-Energieeffizienz-Richtlinie (EED) in nationales Recht vor, Mietenden eine vierteljährliche und ab 2022 eine monatliche Auskunft über ihren Verbrauch zur Verfügung zu stellen. (sg)

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