Um Wasserknappheit müssen sich die Technischen Werke Schussental (TWS) keine Gedanken machen. Das kühle Nass gibt es in der Bodenseeregion reichlich. Dennoch kalkuliert das Versorgungsunternehmen den Bedarf für die Trinkwasserversorgung gewissenhaft und geht mit der Ressource verantwortungsvoll um. „Die TWS setzt sich aus Überzeugung für Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit ein“, erklärt Simon Scholz, Abteilungsleiter Netze beim TWS Tochterunternehmen TWS Netz GmbH.
Und weiter: „Dazu gehört selbstverständlich auch, die lokal vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen und zu schützen. Deshalb arbeiten wir systematisch daran, Wasserverluste zu vermeiden und Lecks so schnell es geht zu schließen“.
Ziel: Weniger als fünf Prozent Wasserverlust
Durchschnittlich kommen neun Prozent des in Deutschland geförderten Trinkwassers nicht beim Verbraucher an. Unterteilt wird dieser Wasserverlust in tatsächliche Verluste (wie Rohrbrüche) und in statistische Verluste durch Messfehler. Die TWS Netz hat es sich zum Ziel gesetzt, den Verlust in ihrem Rohrleitungsnetz konstant auf weniger als fünf Prozent zu halten.
Dafür hat das Unternehmen in Weingarten 2018 erstmals eine automatisierte Rohrnetzüberwachung mit acht Ultraschallsensoren in Betrieb genommen. Das System hat sich schnell bewährt – mittlerweile senden insgesamt 41 Messtellen im rund 380 Kilometer langen Trinkwassernetz relevante Informationen verschlüsselt an einen Server der TWS Netz.
Sensoren senken Verluste
Als Basis dient das bei der EnBW-Tochter RBS Wave entwickelte und bundesweit bei vielen Versorgern bereits eingesetzte System „LeakControl“. Dieses erfasst mit Ultraschalltechnik den Durchfluss in der Leitung, die Analyse-Software LeakFinder gleicht die Werte mit historischen Daten ab und meldet die Veränderungen an die diensthabenden Mitarbeiter. So können Ursachen für veränderten Wasserdurchfluss schnell erkannt werden. „Mithilfe der Sensoren im Leitungsnetz und einer täglichen Auswertung der Messdaten erkennen wir Wasserverluste und ihre Ursachen frühzeitig und halten sie so möglichst gering“, erklärt Simon Scholz.
Voraussetzungen für ein effizientes Schadensmanagement sind demnach eine Rohrnetzkalibrierung und ein hydraulisches Rechennetzmodell. Dieses zeigt das Versorgungsnetz, die betriebsnotwendigen Verbrauchsflüsse sowie den Trinkwasserzufluss. Die Informationen, welche die im Netz verbauten Messstellen liefern, werden mit dem hydraulischen Rechennetzmodell verlinkt, um Veränderungen und Auffälligkeiten festzustellen. Vor der Installation der Messstellen hatte RBS Wave das Rohrleitungsnetz der TWS analysiert, die Zahl der benötigten Sensoren ermittelt und geeignete Orte für die Installation vorgeschlagen. Die Schaltschränke und die Messtechnik konnte TWS in Eigenregie verbauen.
Effizienz im Netzbetrieb steigt
Im Falle eines Verlusts im Versorgungsnetz können die Mitarbeiter der TWS Netz mit dem System deutlich schneller reagieren. Die Sensoren sind so platziert, dass undichte Stellen in LeakFinder virtuellen Zonen zugewiesen und schnell geortet werden können. Der Betreiber des Trinkwassernetzes ist so stets über den Zustand der Rohrleitungen informiert und kann die erforderlichen Maßnahmen wie Reparaturen schnell priorisieren und umsetzen.
„Im Falle einer Leckage mussten wir bislang das Rohrnetz aufwändig überprüfen. Die automatisierte Überwachung stellt eine immense Erleichterung im Betrieb dar“, sagt Ralf Braith, Vorarbeiter im Rohrnetzbetrieb bei TWS Netz. „Das führt auch zu einer personellen Entlastung und wir können Mitarbeiter für andere Aufgaben einsetzen.“
Investition rechnet sich für Gemeinden
Mit ihrem Trinkwassernetz in Ravensburg, Weingarten und Eschach versorgt TWS rund 70.000 Menschen. Zusätzlich unterstützt das Unternehmen acht weitere Kommunen in der Region im Bereich der örtlichen Trinkwassernetze bei der technischen Betriebsführung. „Anfangs wussten wir noch nicht so recht, wie wir die angeschlossenen Gemeinden am besten von der Investition in das neue Wasserverlustmanagement überzeugen sollten, das war für uns Neuland“, berichtet Simon Scholz von den Erstterminen mit den Entscheidern bei den Kommunen.
Mit fortschreitendem Projektverlauf konnten wir immer besser belegen, dass die Gemeinden mit einer Investition finanziell besser fahren als mit einer Dauerbetreuung durch TWS. In manchen Gemeinden amortisiert sich die Installation schon nach zwei Jahren.“
Das System lernt dazu
Nicht nur die Mitarbeiter bei TWS, auch LeakFinder lernt ständig dazu. Das KI-gestützte System wird von Datensatz zu Datensatz schlauer und lernt sogar von seinen Anwendern. So kann ein Mitarbeiter bei TWS Netz LeakFinder beispielsweise beibringen, dass eine vom System angezeigte Anomalie kein Leck, sondern ein regelmäßig hoher Nachtverbrauch bei einem Großkunden ist. Je länger die Datenreihen werden und je mehr Feedback das System von den Anwendern erhält, umso exakter werden auch die Vorhersagen von LeakFinder.
Weiterer Ausbau geplant
Nach den Erfahrungen aus den ersten drei Betriebsjahren mit 41 Messstationen steht für die TWS Netz fest: Das System soll auf das Gesamtnetz ausgeweitet werden. Insgesamt 70 Stationen könnten dann das Wasserverlustmanagement unterstützen. Die TWS Netz prüft derzeit sogar, ob sie künftig eine eigene Stelle für die Arbeit mit LeakControl und LeakFinder schafft. (sg)



