„Wir machen keine Werbung. Trotzdem haben wir jede Menge Anfragen“, so fasst Christoph Hofmann, Projektleiter Elektromobilität bei der Stadtwerke Radolfzell GmbH den Erfolg des Projekts zusammen. Offensichtlich hat der Service einen Nerv getroffen. Die Hausverwaltungen größerer Objekte sind demnach ziemlich glücklich über das Angebot.
Denn eine einzelne Wallbox zu installieren, ist zwar kein Problem, aber irgendwann kommt die Infrastruktur an ihre Grenzen. Der Netzbetreiber genehmigt die Installation weiterer Ladepunkte nur, wenn auch ein Lastmanagement eingerichtet wird. Das bedeutet aber auch, die Ladevorgänge können nicht mehr über die Wohnungszähler abgerechnet werden, sondern sie müssen separat abgerechnet werden. Das können Verwalter gar nicht leisten.
Der E-Mobility-Check: Kapazitäten ermitteln, Lastmanagement konzipieren
Hier setzen die Stadtwerke Radolfzell an. Der erste Baustein ihres Serviceangebots ist der sogenannte E-Mobility-Check. Dabei wird erstmal grundsätzlich analysiert, wie viele Ladepunkte in einer Tiefgarage überhaupt möglich sind und welche Infrastruktur dafür aufgebaut werden müsste. Hier kommt den Stadtwerken ihre Expertise als Versorger sehr zugute. Denn mit zunehmender Zahl der Stellplätze steigt die Komplexität eines Komplettsystems.
Die örtlichen Elektrobetriebe haben dafür meist weder die Kapazitäten noch die entsprechenden Strukturen, um beispielsweise die Abrechnung oder die IT-Implementierung zu gewährleisten. Für die Stadtwerke ist das hingegen Routine. Für viele Hausverwaltungen in der Region ist genau das der wichtigste Punkt: Ihnen geht es darum, jetzt die Infrastruktur für eine effiziente Versorgung von Elektrofahrzeugen zu schaffen, damit sie bereit sind, wenn die Elektromobilität zum neuen Standard wird.
Mehr Auswahl: Zusammenarbeit mit mehreren Clearing Houses
Da die Stadtwerke Radolfzell mit mehreren Clearing Houses (also IT-Dienstleistern für Betreiber von Ladepunkten) zusammenarbeiten, können sie ihren Kunden auch eine gewisse Auswahl von Wallboxen anbieten. Denn nicht jede Wallbox ist mit dem Backend jedes Clearing Houses, das die Ladevorgänge erfasst und in Form des Charge Data Reports (CDR) zur Abrechnung weiterreicht, kompatibel.
Derzeit arbeitet man in Radolfzell unter anderem mit Flotteladen, The Mobility House oder ladenetz.de zusammen. Um die Installation der Wallboxen müssen sich die Hausverwaltungen ebenfalls nicht kümmern, denn die Stadtwerke arbeiten mit einem Kreis lokaler Elektrofirmen zusammen, die alle anfallenden Arbeiten zuverlässig übernehmen.
Abrechnung über das Lade-Billing von Schleupen.CS
Die Stadtwerke Radolfzell sind ebenfalls Stromlieferant und Betreiber der Ladepunkte. Deshalb sind sie auch zuständig für die Abrechnung. Hier kommt das Schleupen.CS Lade-Billing zum Einsatz. Die Implementierung gestaltete sich bei diesem Projekt unkompliziert. „Ich musste die Prozesse beschreiben. Die eigentliche Abrechnung erledigt die Fachabteilung“, erläutert Christoph Hofmann zufrieden.
Da die Ladevorgänge in größeren Objekten nicht über den Wohnungszähler laufen, erhält jeder Nutzer eine Ladekarte. Die Abrechnung läuft wie jede gewöhnliche Ladekartenabrechnung. Das bedeutet: Der Nutzer wird über die Ladekarte identifiziert. Ein Zähler in der Wallbox misst die Mengen, die im Backend der Clearingstelle registriert werden. Die Daten werden monatlich als CDR aus dem Backend heruntergeladen.
In Schleupen.CS werden die Mengen entsprechenden Tarifen und Preisen zugeordnet und dann monatlich abgerechnet. Einziger Wehrmutstropfen ist für Christoph Hofmann, dass es im Moment noch nicht möglich ist, Ladevorgänge an öffentlichen und privaten Ladepunkten mit einer Karte abzurechnen. Aber auch das wird in naher Zukunft möglich sein, sodass seine Kunden bald nur noch eine Ladekarte für alles brauchen.
Glatter Projektverlauf
Das Projekt selbst lief laut den Stadtwerken sehr glatt. Das Unternehmen hat sich mehr oder weniger vier Jahre darauf vorbereitet, indem es Erfahrungen mit dem Thema E-Mobilität gesammelt hat. Noch viel wichtiger als die technische Umsetzung sei jedoch die interne Organisation.
„Entscheidend ist zu wissen, wer was macht“, ist sich Hofmann sicher. Die Kompetenzen müssen gebündelt werden und die Abläufe müssen klar sein. Bis jetzt stehen die Stadtwerke Radolfzell mit ihrem Angebot in der Region ziemlich allein da. In vielen Ausschreibungen sind sie beispielsweise der einzige Bieter. Die Nachfrage zeigt aber, dass derartige Serviceleistungen wichtig sind und im Markt nachgefragt werden.
Den nächsten Änderungsschub auf dem Gebiet sieht Hofmann erst, wenn sich das Netz zum wirklichen Smart Grid entwickelt. Wenn E-Fahrzeuge ins Netz einspeisen, muss sich auch die Technologie verändern. Preisdruck sieht er eher nicht als Änderungstreiber.
Regionalität bringt weiter
Auch wenn die Stadtwerke dieses Produkt über die Grenzen ihres Versorgungsgebiets hinaus anbieten, ist Regionalität Trumpf. „Wenn wir weiter als 50 km fahren müssen, können wir nicht mehr rentabel anbieten“ erklärt Hofmann den regionalen Bezug. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern wird geschätzt. Bei der Auswahl der Wallboxen wird sogar häufig das teurere Produkt gewählt, weil es in der Region hergestellt wird. Selbst eines der Clearing Houses kommt aus der Region. (sg)



