Offizielle Eröffnung der Medienwerkstatt in der Hansestadt Lübeck: (von links) Jens Meier, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Lübeck; Gesa Ramm, Direktorin des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und Jan Lindenau (SPD), Bürgermeister von Lübeck.

Offizielle Eröffnung der Medienwerkstatt in der Hansestadt Lübeck: (von links) Jens Meier, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Lübeck; Gesa Ramm, Direktorin des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und Jan Lindenau (SPD), Bürgermeister von Lübeck.

Bild: © Stadtwerke Lübeck

Datennetze, Beschaffung von Hardware, IT-Support – die Stadtwerke Lübeck haben erfolgreich das neue Geschäftsfeld "Digitale Schule" aufgebaut. Der besondere Fokus liegt dabei darauf, über Schulung das Lehrpersonal zu befähigen, die digitalen Angebote bestmöglich zu nutzen. Die jüngst eröffnete Medienwerkstatt dient hier als Treiber. Im Fokus steht dabei auch die Verwaltung, auch bei kleineren Betrieben ist die Nachfrage hoch.

Herr Meier, die Stadtwerke Lübeck haben den Bereich „Digitale Schule“ als eigenes Geschäftsfeld etabliert. Vor kurzem wurde die Medienwerkstatt der Hansestadt eröffnet. Was hat es damit auf sich?
Meier: Wir haben mit der Medienwerkstatt ein Zentrum geschaffen, in dem wir die Digitalisierung im weitesten Sinne für die Stadt Lübeck und ihre Bewohner greifbar machen wollen. Das beginnt in einem ersten Schritt mit einem Fokus auf Lehrern und Schülern.

Wir haben ein digitales Klassenzimmer eingerichtet, in dem wir Lehrkräfte schulen im Umgang mit der digitalen Tafel und anderen relevanten Medien und in dem auch die Fortbildung des Zentrums für Lehrerfortbildung in Schleswig-Holstein (IQSH)  stattfindet. Das ist aber längst nicht alles.

Wir haben einen Mikrokosmos geschaffen, in dem man die Anwendungsfälle der Digitalisierung nutzbar machen kann.

Was gibt es außerdem?
Wir haben auch einen Raum eingerichtet, in dem man Sensorik selber ausprobieren und anwenden kann. Wir haben zudem agile Arbeitsräume, in denen man digitale Medien weiterentwickeln kann. Wir haben dort einen Mikrokosmos geschaffen, in dem man die Anwendungsfälle der Digitalisierung nutzbar machen kann. Im Fokus stehen dabei primär Lehrer und dann Mitarbeiter der städtischen Verwaltung. Der dritte Bereich umfasst Bürger und Betriebe, die bei uns jetzt auch schon massiv anfragen.

Es gibt online einen Zugang zu dem Angebot, es gibt aber auch Präsenzveranstaltungen. Wie sieht das Konzept genau aus?
Es gibt einen haptischen Raum und einen digitalen Raum. Wir wollen diese Räume mit unterschiedlichsten Lehr- und Fortbildungsangeboten füllen. In beiden Räumen soll es verschiedenste Themen geben von Softwareentwicklung, Sensorik bis hin zu Pädagogikangeboten. Das soll durchaus parallel laufen.

Es hat auch mehrerer Erfindungen und einiger Zeit bedurft, bis sich die Elektrifizierung wirklich durchgesetzt hat.

Welche Bedeutung hat dieses Angebot für die Entwicklung Lübecks hin zu einer Smart City?
Eine sehr große Bedeutung. Wir haben das Thema Digitalisierung ein Stück weit mit dem verglichen, was wir in Lübeck vor 150 Jahren mit der Elektrifizierung hatten. Es gab einige Unternehmen und Haushalte in Lübeck, die hatten relativ früh schon Ende des 19. Jahrhunderts Strom. Das hat aber nicht dazu geführt, dass die Themen sich geändert haben.

Es gab weiter Licht über Gas und die Straßenlaternen wurden so betrieben. Es wurde nahezu nicht genutzt über Jahre und es hat dann mehrerer Erfindungen und einiger Zeit bedurft, bis sich irgendwann das Thema Elektrifizierung wirklich durchgesetzt hat. Ein Stück weit erleben wir aktuell etwas Ähnliches mit der Digitalisierung.

Wo sehen Sie genau die Parallelen?
Wir verlegen Glasfaser, hören aber oftmals die Aussage, was soll ich denn mit so vielen Daten. Fürs Fernsehen und eine Internetrecherche reicht mir doch Kupfer. Wir haben aber keine 20, 30 Jahre Zeit bis die Menschen merken, was man mit der Digitalisierung anfangen kann.

Wir wollen über die Medienwerkstatt einen Treiber bauen, in dem wir dem Bürger sehr schnell und klar aufzeigen, was Digitalisierung ist, wo sie konkret im Alltag hilft und warum sie für die Stadt enorm wichtig ist. Dies wollen wir damit ein stückweit beschleunigen. Das ist auch mit Blick auf das abstrakte Buzzword Smart City hilfreich, weil wir damit konkrete Anwendungsfälle schaffen für die Bürger.

Das I-Pad soll nicht im Unterricht eins zu eins wie ein Heft benutzt werden.

Sind die Wissenslücken und Berührungsängste beim Thema Digitalisierung wirklich so groß, dass man so ein Angebot heute wirklich noch benötigt?
Nehmen Sie das Beispiel Schule. Es gibt viele Lehrer, die digitalaffin sind und sich in der Freizeit damit beschäftigen. Um Schule ins digitale Zeitalter zu bringen, hilft es aber überhaupt nichts Glasfaser, WLAN, I-Pads oder Tafeln in die Klasse zu stellen. Dann wird der Unterricht, der bisher über der Tafel vermittelt wurde eins zu eins auf das Whiteboard angemalt und das I-Pad wird wie ein Heft benutzt. Digitale Medien werden dann eins zu eins analog eingesetzt.

Wie sollte der Unterricht stattdessen laufen?
Um greifbar zu machen, wie man damit auch Pädagogik ändert und neue Formen der Interaktion schafft, benötigt man eine umfassende Wissensvermittlung. Ich habe mehrere Lehrer selber erlebt, die gesagt haben, ich bin digital affin, aber ich habe jetzt erst verstanden, dass ich mit der Digitialisierung das Unterrichtskonzept und die Interaktion verändern kann, wenn ich dieses Thema anders einsetze.

Die IT muss sich nach der Bildung richten und nicht nach dem täglich Möglichen.

Wir sprechen deshalb immer von pädagogikzentrierter oder bildungsorientierter IT. Die IT muss sich nach der Bildung richten und nicht nach dem täglich Möglichen. Das kann man auch auf die Verwaltung umdeuten. Bei E-Government-Systemen geht es ja auch nicht darum, Papier durch einen Online-Antrag zu ersetzen, sondern es sollen sich auch die Prozesse und das Interagieren mit den Bürgern ein Stück weit verändern.

Was ist die Rolle der Stadtwerke Lübeck in dem Projekt?
Die Medienwerkstatt ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hansestadt Lübeck, der Stadtwerke und das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH). Wir sehen uns hier in der Rolle als Infrastrukturdienstleister, der die Medienwerkstatt inhaltlich aufbaut, die IT baut und die Strukturen.

Die Hansestadt erwartet von uns aber auch, dass wir Ahnung von Pädagogik haben und dieses Thema stärker besetzen. Zudem hat uns die IQSH signalisiert, dass es großes Interesse hat, bestehende Fortbildungsangebote von den Stadtwerken Lübeck zu übernehmen. Am Anfang hatten wir Sorge, wir werden als Konkurrenz zu anderen Bildungsanbietern gesehen. Die Realität sah aber komplett anders aus.

Die Medienwerkstatt wird dem Thema Digitale Schule noch einmal einen ordentlichen Push geben.

Welchen Stellenwert hat das Projekt  für den Geschäftsbereich Digitale Schule?
Für uns ist vor allem der haptische Aspekt der Medienwerkstatt ein Meilenstein. Wir haben hier erstmals auf unserem Betriebsgelände, aber außerhalb des Sicherheitsbereichs, einen zentralen Ort, wo sich Kunden und Gäste anschauen können, was wir da genau machen. Wir glauben, dass das dem Thema noch Mal einen ordentlichen Push geben kann. Die Aufmerksamkeit für das Thema in Lübeck war, von Politik über Verwaltung und Schulen jedenfalls sehr groß.

Gibt es konkrete Überlegungen die Medienwerkstatt weiterzuentwickeln?
Die Auslastung ist aktuell sehr gut. Wenn der Zuspruch noch größer wird, würden wir natürlich darüber nachdenken, ob sich das Thema erweitern lässt Richtung Spezialisten aus Smart City, Bürgermeister etc.. Im Fokus stehen aktuell Lehrer und Verwaltung. Es melden sich aber auch ganz viele kleinere Betriebe mit unter 50 Mitarbeitern bei uns. Das sind oft auch Kunden von uns. Die haben etwa Interesse, Büro- und Verwaltungsmitarbeiter schulen zu lassen. Dort ist der Bedarf deutlich größer als wir gedacht haben. Diese Zielgruppe wird mehr und mehr zu einem dritten Standbein werden.

Ist das eine kostenlose Maßnahme der Träger oder gibt es gewisse Gebühren, die den Aufwand für Lehrkräfte und Technik decken?
Man kann das mit einem normalen Fortbildungszentrum vergleichen. Wir haben zum einen die Räumlichkeiten, wo man sich etwas anschauen und testen kann. Die Fortbildung reicht vom Einstieg in die IT und zu Geräten bis hin zu sehr professionellen Programmierungskursen.  Die müssen dann über die Medienwerkstatt gebucht werden oder über einen der angeschlossenen Partner, etwa die Verwaltung. Die Medienwerkstatt muss sich selber wirtschaftlich tragen und trägt sich auch nach jetzigem Stand selbst.  (Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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