Ziel ist es, eine neuartige höherdimensionale Optimierung aller Komponenten in Nah-Echtzeit – sprich unter einer Minute – zu entwickeln.

Ziel ist es, eine neuartige höherdimensionale Optimierung aller Komponenten in Nah-Echtzeit – sprich unter einer Minute – zu entwickeln.

Bild: © Dmitri/AdobeStock

Im Februar endete das dreijährige Forschungsprojekt AktMel – Online-Zugriff auf aktuelle Daten der Einwohnermeldeämter.

Das Projekt, an dem die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof, der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge und zeitweise die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) sowie die RIWA GmbH beteiligt waren, stellte sich der Herausforderung Meldedaten rechtssicher für die Verkehrs- und Infrastrukturplanung bereitzustellen.

Es wurde mit knapp einer Million Euro im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert.

Keine Rückschlüsse auf einzelne Personen

Anfang März trafen sich die Beteiligten des Forschungsprojektes in Hof an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, um ddie Erkenntnisse des Projektes in einer Abschlussveranstaltung vorzustellen.

Im AktMel-Projekt wurde eine technische Lösung erarbeitet, die vor allem Adress- und Geburtsdaten dynamisch verallgemeinert, so dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen im Sinne einer datenschutzrechtlichen Identifizierbarkeit gezogen werden können.

Rechtliche Anforderungen integriert

Dabei hat sich die Forschungsgruppe „Recht in Nachhaltigkeit, Compliance und IT“ der Hochschule Hof mit den datenschutzrechtlichen Aspekten des Projektes auseinandergesetzt.

Die rechtlichen Anforderungen der Pseudonymisierung wurden als Zusicherungen bzw. Bedingungen (assertions) in die technische Lösung zur Bereitstellung von Meldedaten integriert.

Formale Sprache wurde entwickelt

Damit nicht jedes Mal die Software angepasst werden muss, um die Meldedaten auf eine andere Art und Weise zu verallgemeinern, wurde eine formale, für das System verständliche, Sprache von der Forschungsgruppe „Multimediale Informationssysteme“ der Hochschule entwickelt.

Diese ermöglicht es dem System nicht nur mitzuteilen, ob zum Beispiel die Meldedaten zu bestimmten Gruppengrößen, etwa von mindestens sieben Personen oder einer anderen Personenanzahl zusammengefasst werden müssen.

Das System gib auch Hinweise, was mit Auszügen aus den Meldedaten passieren soll, die mit einfacheren Mitteln der Verallgemeinerung nicht den rechtlichen Anforderungen wie bestimmte räumliche Assertions oder einer guten Benutzbarkeit (convenience) entsprechen.

Praxisanwendungen

Als Projektpartner ist der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge in erster Linie an der Verwendung der Meldedaten für die Erfüllung der ihm obliegenden öffentlichen Aufgaben interessiert.

Die im Projekt betrachteten Anwendungsbeispiele kommen aus dem Umfeld des Landkreises. So spielt der Transport von Schulkindern bei der Verkehrsplanung im ländlichen Raum eine Hauptrolle.

Landrat Peter Berek: „Mit dem Wissen um die räumliche Verteilung von Schulkindern in der Region, ist eine langfristigere Planung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) möglich, da nicht nur bekannt wäre, wie viele in welcher Region derzeit schulpflichtig sind, sondern auch wie die Situation wahrscheinlich nächstes oder übernächstes Jahr aussehen wird. Notwendige Änderungen des ÖPNVs erhalten dadurch mehr Zeit zur Umsetzung.“

Visualsierung auf einer Karte

Die auf Geoinformationssysteme spezialisierte RIWA GmbH ermöglichte im Projekt den Zugriff auf die verallgemeinerten Meldedaten, die von der AKDB zur Verfügung gestellt wurden. Der Fokus lag also in der Integration der Daten in ein Geoinformationssystem, um diese anzufragen, die Daten auf einer Karte zu visualisieren wie auch den Zugriff zu reglementieren und zu protokollieren basierend auf dem Sicherheitskonzept der AKDB. (sg)

Projekt AktMel

Erstmals können Kommunen ihre Meldedaten garantiert datenschutzkonform automatisiert abfragen. Der Nutzen ist die bessere und effizientere Planung der Infrastruktur.

  • Kommunen könnten ihre Bürger und Bürgerinnen besser bedienen, wenn sie mehr über sie wüssten. Beispielsweise die Altersstruktur in den Stadtteilen für die Planung von Schulbussen, ÖPNV oder medizinischen Versorgungszentren. Die Daten der Einwohnermeldeämter enthalten solche Informationen, aber sie dürfen aus Datenschutzgründen nicht abgefragt werden.

Was wurde geforscht?

  • Das Projekt hat eine juristisch nachprüfbare automatisierte Abfrage entwickelt, mit der Kommunen ihre Meldedaten für Planungen nutzen und dabei garantiert Datenschutzrichtlinien einhalten können. Bisher gibt es eine solche Lösung nicht. Der Praxisbezug ist durch die Projektpartner (Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern; RIWA GmbH; Landkreis Wunsiedel) sichergestellt.

Was wurde konkret gemacht:

  • Die Meldedaten werden auf geographische Koordinaten abgebildet. Daraus ergeben sich räumliche Zellen, für die man die Anzahl und Struktur der darin lebenden Personen ableiten kann.
  • Die wichtigsten Herausforderungen für eine rechtssichere, automatisierte Meldedaten-Abfrage sind:
  • Die Lösung wurde mit einem künstlich erzeugten Datensatz entwickelt und optimiert. Nur der Landkreis Wunsiedel durfte per Sondergenehmigung die Lösung an den eigenen Meldedaten ausprobieren.
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