Netze BW möchte statt großen Mehrfamilienhäusern das Mieterstrommodell auch kleinen Mehrfamilienhäusern ermöglichen. Wie sieht hier Ihr Ansatz aus?
Bisher werden Mieterstrommodelle überwiegend in größeren Mehrfamilienhäusern eingesetzt. Grund dafür ist der verhältnismäßig große technische und organisatorische Aufwand für die Anbieter, der sich erst ab einer gewissen Größe lohnt.
Wir wissen aber durch zahlreiche Anfragen, dass auch Vermieter und Eigentümergemeinschaften kleinerer Gebäudeeinheiten gern Strom vom „eigenen“ Dach nutzen wollen. Also haben wir ein einfaches und praktikables Mieterstrom-Modell entwickelt, mit dem sich solche Projekte deutschlandweit auch für kleine Mehrfamilienhäuser mit geringem Aufwand umsetzen lassen. Das Potenzial dafür ist groß: Es gibt derzeit in Deutschland etwa sechs Millionen dieser kleinen, meist zwischen zwei und zwölf Wohneinheiten großen Gebäude, und mehr als die Hälfte davon sind auch für Mieterstrom-Modelle geeignet.
Sie kooperieren dazu mit dem 2020 gegründeten Start-up Metergrid. Welche Aufgaben übernimmt das Unternehmen?
Das Besondere an unserem Mieterstrom-Angebot StromLux ist das umfangreiche Online-Portal, mit dem Anlagenbetreiber bzw. der Vermieter alle notwendigen Abläufe einfach selbst erledigen können. Viele Funktionalitäten haben wir selbst entwickelt, aber wir nutzen auch innovative Software-Lösungen Dritter – wie im Fall von Metergrid.
Jetzt können StromLux-Kunden auch die Stammdaten ihrer Stromkunden pflegen, Dokumente ablegen, Abschläge ändern und Rechnungen erstellen. Dieser Part erleichtert den Vermietern die Bearbeitung enorm und ist die ideale Ergänzung zu den bestehenden Self-Services in unserem Portal. Der Kontakt zu Metergrid kam über die Gründermotor Meisterklasse zustande. Das ist ein landesweites Innovationsprogramm zur Förderung von Start-ups, das die EnBW seit 2019 als Partner und Mentor unterstützt.
Welche Ausstattung müssen Kunden für den Mieterstrom haben?
Alles, was der Anlagenbetreiber mitbringen muss, ist eine Erzeugungsanlage im Mehrfamilienhaus: zum Beispiel eine Photovoltaik-Anlage, ein Blockheizkraftwerk oder eine Brennstoffzellenheizung. Alles weitere liefert die Netze BW Sparte Dienstleistung mit ihrem Mieterstrom-Modell StromLux. Neben der Bereitstellung und dem Betrieb der Mieterstromzähler ist das eine intuitives und benutzerfreundliches Online-Portal, mit der auch die Erzeugung und der Stromverbrauch umfassend kontrolliert, dokumentiert und grafisch aufbereitet werden können.
Wer ist in Ihrem Mieterstrom-Modell Vertragspartner der Mieter?
Bei unserem Mieterstrom-Modell StromLux bleibt der Eigentümer der Immobilie auch der Anlagenbetreiber. Es kommt also alles aus einer Hand – Mietsvertrag und Stromvertrag. Dadurch bleibt der wirtschaftliche Erfolg auch beim Eigentümer der Immobilie und wird nicht durch einen Dritten abgeschöpft. Damit unterscheiden wir uns auch grundsätzlich von bisherigen Mieterstrom-Modellen, bei denen der Eigentümer entweder alles komplett abgibt und nur eine kleine Dachpacht erhält oder aber alles komplett durch einen Dienstleister abwickeln lässt und damit auf einen großen Teil seiner Marge verzichtet.
Die Fragen stellte Stephanie Gust



