Im Rahmen eines Projekts mit einem Verteilnetzbetreiber betreibt Sonnen ein virtuelles Kraftwerk aus vernetzten sonnenBatterien, welches überschüssige Windenergie lokal speichert, statt sie wegzuwerfen. Gemanagt wird das Ganze per Blockchain, die Vergütung erfolgt über eine Kryptowährung.
2018 gingen laut Sonnen durch das Abschalten von erneuerbaren Produktionsanlagen allein in Deutschland rund 5,4 Terawattstunden (5.400.000.000 Kilowattstunden) Strom aus erneuerbaren Energien verloren. Das entspreche in etwa dem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch aller Einwohner Berlins. Gemessen an den durchschnittlichen Emissionen des Strommix in Deutschland bedeute dies 2,6 Millionen Tonnen CO2, die mit diesem sauberen Strom hätten eingespart werden können.
Wie es funktioniert:
Bisher greift der Netzbetreiber in solchen Fällen gezielt ein, um eine Überlastung an bestimmten Punkten im Stromnetz zu vermeiden. In der Regel wurden bislang Windräder abgeregelt, um den Engpass zu vermeiden und so die Energiemenge im Netz zu senken. Drängt zu viel überschüssige Windenergie in das Netz, soll sie künftig in einer Vielzahl von Sonnen-Batterien in der Region gespeichert werden.
Zum einen werden die Speicher dabei in privaten Haushalten für die eigene, saubere Solarstromversorgung genutzt. Darüber hinaus vernetzt das Unternehmen aus dem bayerischen Wilpoldsried die Batterien aber auch miteinander zu einem virtuellen Kraftwerk, sodass ein virtueller Großspeicher entsteht. Wird mehr Windenergie produziert als gerade nötig, kann das Virtuelle Kraftwerk von Sonnen den überschüssigen Windstrom aus dem Netz aufnehmen, indem es ihn auf die Batterien verteilt.
Vermarktung an digitaler Börse
Vermarktet wird die gerade freie Speicherkapazität an der digitalen Börse „EW Origin“ der Energy Web Foundation (EWF). Wird etwa vor einem Sturm ein Überschuss an Windstrom und damit ein möglicher Engpass im Stromnetz vorhergesagt, meldet der Netzbetreiber seinen Bedarf an. Auf der anderen Seite bietet Sonnen freie Speicherkapazität des virtuellen Kraftwerks für einen bestimmten Zeitpunkt an. Die Origin-Software registriert die Anfrage des Netzbetreibers und bringt sie automatisch mit dem Angebot von Sonnen zusammen. Nimmt der Netzbetreiber dieses Angebot an, berechnet die Software für das Virtuelle Kraftwerk automatisch die jeweiligen Zeitpunkte für die Aufnahme des überschüssigen Windstroms.
„Mit diesem Projekt machen wir den nächsten Schritt hin zu einem intelligenten Stromnetz, das viel flexibler mit Schwankungen aus erneuerbaren Energie umgehen kann“, sagt Jean-Baptiste Cornefert, Managing Director von Sonnen eServices. „Die Abstimmung des Angebots an erneuerbaren Energien mit der verfügbaren Nachfrage ist das Kernstück von EW Origin“, erklärte Micha Roon, CTO der Energy Web Foundation. Sonnens Projekt sei eine Vision für die Zukunft, indem die Blockchain-Technologie als Basis-Lösung, zum Einsatz kommt, um das Abregeln von Windkraftanlagen zu reduzieren.
Vergütung per Blockchain
Die einzelnen Transaktionen zwischenSsonnen und dem Netzbetreiber werden über einen sogenannten „Smart Contract“ in eine Blockchain geschrieben. Smart Contracts sind digitale Verträge, die automatisch die vereinbarten Bedingungen zwischen zwei Parteien hinterlegen. Sie bieten ein maximales Maß an Sicherheit und Transparenz für alle Beteiligten. Die Vergütung an Sonnen für eine erfolgreiche Transaktion erledigt die Blockchain automatisch über die Kryptowährung „DAI“.
Das virtuelle Speicherkraftwerk im Nordosten Deutschlands ist bereits die dritte Netzdienstleistung, die das VPP von Sonnen in Deutschland erbringen kann. 2018 hat Sonnen vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet die Präqualifikation für den Primärregelleistungsmarkt erhalten. Daneben hatte das bayerische Unternehmen in einem Projekt mit Tennet den deutschlandweiten Redispatch umgesetzt. Weltweit ist das Unternehmen neben Deutschland auch in den USA, Australien, Italien und Großbritannien mit virtuellen Speicherkraftwerken für verschiedene Anwendungen aktiv. (sg)



