Im Prinzip subventionieren bei vielen Stadtwerken die Stromkunden den Betrieb der kostenintensiven Schwimmbäder. „Das ist ungerecht“, dachte man sich bei der Stadtwerke Jülich GmbH (SWJ), als es nach zehn Jahren an eine Anpassung der Eintrittspreise ging. Mit Integration der Dipko-Plattform in Schleupen.CS können sie jetzt ihre Stromkunden identifizieren und ihnen Sonderpreise gewähren. Außerdem ermöglicht der digitalisierte Eintrittskartenverkauf demnach die Corona-konforme Erhebung der Kontaktdaten und reduziert Kosten.
Zum einen wollten die Jülicher die Preise für Hallen- und Freibäder vereinheitlichen. Zum anderen mussten nach zehn Jahren Preisstabilität die Preise erhöht werden. Dabei wollten sie ihren Stromkunden aber einen Vorteil verschaffen. Um ein neues Preismodell mit Sonderkonditionen für Stromkunden zu realisieren, musste die Dipko-Plattform an das Abrechnungssystem Schleupen.CS angebunden werden. Denn nur so lasse sich überprüfen, ob ein Schwimmbadnutzer überhaupt Stromkunde ist und somit den Rabatt beanspruchen darf.
Single-Sign-On
Die Integration in das ERP-System erfolgte über CS.IT, das Internetportal innerhalb von Schleupen.CS, das eine Single-Sign-On-Funktion mitbringt. User brauchen damit nur noch einen Login und ein Passwort für alle Bereiche der Stadtwerke-Homepage – ganz gleich, ob sie ihren Abschlag ändern wollen, Zählerstände übermitteln oder Eintrittskarten kaufen. Das erhöhe unter anderem auch die Zahl der Kunden, die sich im Self-Service-Bereich anmelden, heißt es.
So läuft der Bestellprozess
Wie funktioniert nun der Bestellprozess im System? Vor der ersten Bestellung muss der Kunde sich im System registrieren. Dabei kann er auch seine Kundennummer der Stadtwerke eingeben. Wenn eine Kundennummer eingegeben wird, wird bei jeder Bestellung abgeglichen, ob zu dieser Kundennummer ein Vertrag vorliegt. Verläuft die Prüfung positiv, wird automatisch der günstigere Stromkundenpreis berechnet. Für den Kunden ist das einfach, denn wenn er sich einmal als Stromverbraucher identifiziert hat, läuft alles automatisch. Und auch für die Stadtwerke entsteht keine Mehrarbeit.
Kleine Hindernisse im Prozess ergaben sich dadurch, dass die Dipko-Plattform in Jülich bereits vor der Systemintegration im Einsatz war. Aus diesem Grunde mussten sich Nutzer erneut registrieren, da sich die Dipko-Logins nicht auf CS.IT übertragen lassen. Denn während man sich auf der einen Plattform mit einem Nutzernamen anmeldet, braucht man für die andere eine E-Mail-Adresse. Kunden, die bereits in CS.IT registriert waren, konnten dagegen problemlos übernommen werden. Die Stadtwerke haben dieses Problem mit einem Erklärvideo aufgefangen. Sie hatten dann zwar noch eine Woche erhöhte Nachfragen im Kundencenter, aber dann sei die Situation auch schon wieder entspannt gewesen.
Eine weitere Hürde auf dem Weg zum digitalen Kaufprozess waren einige ältere Kunden, die nicht online waren. Für diese Sonderfälle, mit denen die Digitalisierung noch eine Zeit zu kämpfen haben wird, wurde ein Kundencenter-Account angelegt. So können die Badbenutzer ihre vergünstigten Schwimmbadtickets im Kundencenter kaufen.
Das System läuft
Insgesamt ist Ibrahim Güler, Bereichsleiter Kundenservice und Verantwortlicher für das Projekt bei den Stadtwerken, höchst zufrieden mit der Lösung. „Ich kenne keine vergleichbare Lösung auf dem Markt. Das System läuft gut und die Projektziele wurden insgesamt erreicht. Auch das sportliche Timing des Projekts wurde eingehalten.“ Das gilt, auch wenn er noch einige Wünsche an das System hat. Dringend wäre aus seiner Sicht die Löschung vorausgefüllter Datumsfelder, die immer wieder zu Stornierungen von Buchungen führen, da es zu Falschbuchungen kommt.
Wünsche und Zukunftsperspektiven
Wenn er gefragt wird, ob er aus der Rückschau etwas anders machen würde, fallen ihm zwei Dinge ein: Er würde kein neues Buchungssystem für Schwimmbad-Ticktes im Sommer einführen, wenn die Freibäder Hochsaison haben. Denn so potenziert sich das Anfrageaufkommen im Kundencenter, das durch den ungewohnten Buchungsprozess naturgemäß entsteht. Und zweitens würde er die CS.IT-Vorbereitung möglichst vor der Dipko-Integration abschließen. Das würde das Projekt entspannen, Fehler vermeiden und auch den Aufwand in der Kundenkommunikation senken.
Güler denkt lieber in die Zukunft, denn geplant ist, das Portal und das Preismodell auf andere Bereiche auszuweiten, beispielsweise Rabatte für Gaskunden. Oder ein Transfer des Preismodells auf das Glasfaserangebot der SWJ. Möglicherweise werden die Stadtwerke auch die Option nutzen, häufige Schwimmbadnutzer, die Strom von anderen Lieferanten beziehen, als Kunden zu werben. (sg)



