Smarte Lampen werden nicht nur als einfache Lichtquellen genutzt, 18 Prozent der Anwender lassen sich auch per SMS, E-Mail oder über ein Dashboard benachrichtigen, sobald eine ihrer Lampen an- oder ausgeht.

Smarte Lampen werden nicht nur als einfache Lichtquellen genutzt, 18 Prozent der Anwender lassen sich auch per SMS, E-Mail oder über ein Dashboard benachrichtigen, sobald eine ihrer Lampen an- oder ausgeht.

Bild: © AndSus/AdobeStock

Der vom Bundeswirtschaftsministerium im Sommer letzten Jahres initiierte Aufbau von zwölf "Digital Hubs" hatte für Leipzig das Thema "Smart Infrastructure" erbracht. Die hier ansässigen großen Unternehmen der Branche – wie etwa die Leipziger Gruppe, EEX, VNG, Arvato oder der Regionalversorger Envia M – sollen dazu Netzwerke mit Start-ups und Forschungseinrichtungen bilden. Diese Cluster, unterstützt mit staatlichen Fördergeldern, sollten dann nach dem Vorbild von Silicon Valley besonders auf ihren Spezialgebieten die Digitalisierung voranbringen – im Beispiel Leipzig also die Daseinsvorsorge, speziell aber die Energiewende.

Eric Weber, Geschäftsführer von Spinlab, einem durch die private Handelshochschule geförderten Inkubator für Start-up-Unternehmen, sieht in Deutschland einen enormen Nachholbedarf bei solchen Themen: "Während in den USA und inzwischen auch in China für Start-up-Firmen mindestens 40 Mrd. jährlich an privatem Risikokapital bereitstehen, sind es in Deutschland gerade ein Zehntel der Summe, davon drei Milliarden, die allein nach Berlin fließen", sagt Weber.

Neues Gründerzentrum mit bis zu 10 000 Quadratmetern

Mit dem Smart City Digital Hub für Leipzig soll nun ein größeres Rad gedreht werden: "Das Thema Digitalisierung der Energiewende bringt uns einen neuen Schub. Wir werden bereits im nächsten Sommer ein neues Gründerzentrum mit bis zu
10 000 Quadratmeter Fläche in Betrieb nehmen können und haben dann auch den ersten privaten Fonds für Risikokapital in Leipzig", versichert Weber. Bisher verfügt das Spinlab lediglich über 1700 Quadratmeter Fläche, auf denen jeweils für sechs Monate zehn neu gegründete Firmen praktisch kostenfrei ihre Gründungsphase zur Entwicklung des Geschäftsmodells durchmachen können.

Laut Weber gibt es in Leipzig etwa 250 junge Unternehmen, die sich der Start-up-Szene zurechnen lassen, dazu einige Gründerzentren und etwa 25 Co-Working-Spaces. Das ist im Vergleich zu Berlin sehr wenig, doch das Interesse sei inzwischen enorm gewachsen. "Wir haben inzwischen den zweiten Auswahlprozess von Start-ups im Rahmen des Digital-Hub-Programms durchlaufen, wobei sich jedes Mal rund 200 Unternehmen für die zehn Plätze beworben haben", berichtet Christoph Friedrich, der bei der Leipziger Gruppe für das Thema verantwortlich ist.

Künftig soll es leichter sein, an Kapital zu gelangen

Der Stadtwerke-Konzern will unter anderem ein Projekt der "EmTechEngineering" zur Nutzung von Bioabfällen als Feinstaubfiltern begleiten. Außerdem ist hier im Fokus eine App, die Erschütterung in Bahnen und Bussen zur Detektierung von Gleis- und Straßenschäden einsetzt. Weber ergänzt, dass es allenfalls drei Jahre dauern werde, bis auch die neuen Flächen durch junge Unternehmen gefüllt seien. Zumal nun auch einfacher an Kapital zu kommen sein werde: Zu den bislang sechs institutionellen Investoren – allesamt aus dem öffentlichen Bereich – komme nun auch erstmals ein privater Fonds. Weber hofft, dass das Kapital für Start-ups ausgereicht werden kann, auf bis zu 15 Mio. Euro jährlich fast verdoppelt werden könne.

Mehr als 25 für den Hub in Frage kommende Projekte gibt es laut Weber heute schon in der Stadt. Dazu gehört zum Beispiel das Software-Unternehmen "SQLnet company". Geschäftsführer Alexander Uhlig arbeitet dort zusammen mit seinem Mitgründer an einer Lösung, mit der Datenanalysen automatisiert werden können. Das bereits von VW genutzte Programm sei universell auch für Energieunternehmen interessant, wenn Verbrauchs-Prognosen aus den Daten der intelligenten Messsysteme abgeleitet oder die Kundenansprache optimiert werden sollen.

Schub für die Sektorkopplung

Andreas Auerbach, Vorstand Vertrieb von Envia M, verspricht sich durch die Vernetzung der strategischen Partner mit der Start-up-Szene vor allem einen Schub bei der Sektorkopplung, die ohne eine datengetriebene dezentrale Steuerung von Erzeugung, Verteilnetz und Verbrauch nicht zu bewältigen sei. Zugleich stünde auch der bislang "eher für sich allein aufgestellten Energiebranche" mit dem Eintritt globaler Internetkonzerne eine völlig neue Wettbewerbssituation bevor.

"Amazon, Google und Co. treten jetzt schon mit innovativen Dienstleistungsmodellen in den Markt ein, auch in Deutschland", sagte Auerbach. Envia M hat ebenfalls bereits konkrete Entwicklungsthemen und Start-ups auf der Liste, mit denen man eng zusammenarbeite. Laut Auerbach gehören dazu Unternehmen wie Kiwigrid (Software für Energiemanagement) und künftig auch Flynex, das eine drohnengestützte Trassenüberwachung anbietet. (masch)         

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper