Der promovierte Elektrotechniker arbeitet seit 2012 bei Thüga. Seit Juni 2021 ist Urs Wehmhörner Bereichsleiter Produktmanagement & Innovationen bei der Tochtergesellschaft Thüga SmartService.

Der promovierte Elektrotechniker arbeitet seit 2012 bei Thüga. Seit Juni 2021 ist Urs Wehmhörner Bereichsleiter Produktmanagement & Innovationen bei der Tochtergesellschaft Thüga SmartService.

Bild: © Thüga SmartService

Herr Wehmhörner, Sie sagen, es ist wichtig beim Thema Smart City, dass jede Kommune und jedes Stadtwerk nicht allein für sich startet. Gleichzeitig gibt es viele Kommen und Stadtwerke, die sich nicht ausreichend ausgetauscht haben und zeitgleich Digitalisierungsstrategien erarbeitet haben. Wie kann man das am besten verhindern?
Urs Wehmhörner, Bereichsleiter Produktmanagement & Innovationen: Kommune und Stadtwerk leben seit Jahrzenten einen intensiven Austausch zur Daseinsvorsorge. Dieser Austausch ist besonders beim Aufbau von Infrastrukturen wichtig. Beispielhaft sei hierzu der Ausbau der Gas- oder Breitbandinfrastruktur zu nennen, welcher bestenfalls mit dem Straßenbau der Kommune synchronisiert ist. Um eine Smart City zu werden, steht am Anfang ebenfalls der Infrastrukturaufbau. Jetzt ist jedoch kein Tiefbau gefragt, sondern es werden Standorte für den Aufbau eines Funknetzes für das Internet der Dinge benötigt. Kombiniert man dafür die Liegenschaften von Stadt und Stadtwerk, lässt sich in der Regel schnell und günstig ein flächendeckendes IoT-Funknetz aufbauen. Das bildet das technische Fundament für ein IoT-Ökosystem, dass Stadt und Stadtwerk vor Ort gemeinsam nutzen können. Teamwork und frühzeitige Kommunikation zwischen allen Beteiligten sind hier also entscheidend, um ‚Digitale Daseinsvorsorge‘ zu ermöglichen, Parallelentwicklungen zu verhindern und schnell eine kritische Masse zu erreichen.
 
 


Sollte es doch zu Silo-Denken kommen, wo liegen aus Ihrer praktischen Erfahrung meist die Gründe?
Natürlich hat jede handelnde Einheit zu allererst die eigenen Anwendungsfälle im Blick. Smart City und IoT sind breite Felder und umfassen die Optimierung der energiewirtschaftlichen Prozesse beim Stadtwerk sowie die Digitalisierung der städtischen Aufgaben und Strukturen. Für viele kommunale Anforderungen existieren fertige Lösungen, die Ende-zu-Ende genau das liefern, was Stadt oder Stadtwerk im jeweiligen Einzelfall benötigen. Ein kurzer Blick über den Tellerrand führt jedoch schnell zu der Erkenntnis, dass das Internet der Dinge eigentlich eine Plattform für eine Vielzahl von Anwendungen ist. Die Zukunft liegt in der intelligenten Kombination, dem Zusammenführen aller relevanten Daten aus unterschiedlichen Quellen. Hier unterstützen wir mit einer Plattform, die genau das möglich macht und ein digitales Ökosystem für Stadt und Stadtwerk schafft.
 
Wo gibt es zum Beispiel Vorbehalte bei der Stadt, mit dem hiesigen Stadtwerk im Bereich Smart City zusammenzuarbeiten? Wo sind hier allgemein die Herausforderungen?
Die Sicherheit der Daten steht für Kommunen an allererster Stelle. Sehr ähnlich verhält es sich bei den energiewirtschaftlichen Daten des Stadtwerks. Digitalisierung erzeugt Daten und die der Smart City Anwendungen sind nicht reguliert. Im Kern aus einem gutem Grund, um mit den erhobenen Daten einen maximalen Kundennutzen zu erzeugen. Um dieses Dilemma aus Datenschutz und Datennutzung zu lösen, haben wir unsere IoT-Lösung ganz nah an unserer Smart-Meter-Gateway-Administration entwickelt. Auf diese Weise wird unser IoT-Ökosystem den höchsten datenschutzrechtlichen Ansprüchen genügen und erlaubt gleichzeitig die nötige Freiheit für Smart City Anwendungen.    
 
Können Sie uns konkrete Praxisbeispiele nennen? Wo genau liegen hier die Vorteile einer engen Kooperation?
Wir freuen uns sehr, dass wir immer mehr Kooperationen aus Stadt und Stadtwerk in ihren spannenden Smart City- und IoT-Projekten begleiten dürfen. Gute Beispiele dafür sind die Stadt-und-Versorger-Kooperationen aus Freudenstadt und Pforzheim. In beiden Städten wird ein gemeinsames IoT-Funknetz aufgebaut, um parallel in unserem IoT-Ökosystem eigene Anwendungsfälle auszurollen. Auf diese Weise kommt sehr schnell Traffic auf das System, womit sich die Investition in die Hard- und Software-Infrastruktur sehr schnell trägt.






Etwas anders gelagert, aber nicht minder spannend, ist die Umsetzung in Koblenz. Hier bietet sich der regionale Versorger als Dienstleister für kleinere Kommunen und Stadtwerke an und übernimmt operative Aufgaben. Dies ist gelebte Vernetzung, digital und persönlich!   
 
Wie bewerten Sie derzeit den Smart City Status-Quo in Kommunen?
Das sehr breite Thema Smart City hat in Städten und Kommunen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. In Zusammenarbeit mit Stadtwerken entwickeln wir, als Thüga SmartService, das Internet der Dinge insbesondere im Themengebiet „Energie & Umwelt“ weiter. In unseren Projekten unterstützen wir viele spannende Anwendungsfälle, die vom Parkplatzmanagement, der Luftqualität in Innen- und Außenräumen über die messtechnische Erfassung von Liegenschaften bis hin zur Feuchtigkeitsmessung im Boden reichen. Es ist aber grundsätzlich so, dass sich der Smart City Markt in einem dynamischen Innovationsumfeld befindet. Sowohl die Anwendungsfälle an sich, als auch die Umsetzung in den Städten und Kommunen, entwickeln sich jeden Tag weiter. Durch die großen Fragestellungen unserer Zeit, wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit, kommt die Smart City in den nächsten Jahren mit voller Wucht auf die Städte und Kommunen zu. Wir bauen derzeit das technische Fundament dafür auf.  
                                                                                                                                                                                                                                           
Die Thüga selbst ist auch sehr aktiv im Bereich Smart City. Was bieten Sie hier an? Und wie unterstützen Sie dabei, dass alle Partner von Anfang an miteinander am Tisch sitzen und kooperieren?
Wenn sich eine Stadt oder Kommune auf den Weg zur Smart City begeben möchte, sind zum Start viele Fragen zu klären. Für den allgemeinen Austausch sowie eine strategische Ausrichtung bietet die Kolleg*innen der Thüga AG einen regelmäßigen Austausch in einem Kernteam, der durch individuelle Workshops unterstützt werden kann. Geht es in operative Fragestellungen, bieten wir als Thüga SmartService unser IoT-Ökosystem an, welches aus Software-as-a-Service-Backend und -Frontend, Schnittstellen und einem Hardware-Shop-Partner besteht. Unser IoT-Ökosystem ist das zentrale System, auf dem unsere lokalen Partner ihre Anwendungen ausprägen und ausrollen.
Das dynamische Wachstum dieses zukunftsträchtigen Mehrwertthemas bedeutet für uns eine stetige Weiterentwicklung der Lösungen. Daher erarbeiten wir aktuell gemeinsam mit der Thüga AG und der E-MAKS ein erweitertes Full-Service-IoT-Leistungsangebot.
 
Die Kooperation von Stadtwerk und Kommune ist geschafft, wie sieht es bei der Kooperation von Stadtwerken untereinander beim Thema Smart City aus? Was wären hier Kooperationsmöglichkeiten?
Vernetzung und Austausch ist die DNA der Thüga Gruppe. Halbjährlich finden sogenannte Anwendertreffen statt, sodass unsere Kunden automatisch Mitglied eines deutschlandweiten IoT-Partnernetzwerk werden. In diesen Netzwerktreffen streben wir an, dass sich erfolgreiche Praxisbeispiele aus einzelnen Regionen deutschlandweit vervielfältigen. Und wir denken diesen Ansatz weiter. Zukünftig sollen regionale Partner eigene Anwendungen auf unserem IoT-Ökosystem entwickeln und über einen ‚AppStore‘ im Netzwerk vermarkten können. Sie sehen, im Umfeld IoT und Smart City ist steckt eine sehr hohe Dynamik.









Die Fragen stellte Stephanie Gust

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