Bis 2028 soll der Vorsteuergewinn des Unternehmens auf etwa 120 Millionen Euro wachsen.

Bis 2028 soll der Vorsteuergewinn des Unternehmens auf etwa 120 Millionen Euro wachsen.

Bild: © fotograf-halle.com/AdobeStock

Rund eine Million von Solaranlagen werden vom Pflichtrollout betroffen sein. Fabian Zuber, Geschüftsführer von Com-Metering, nennt es in einem Interview mit dem Konferenzveranstalter für Erneuerbare Energien Conexio pikant, "dass der Gesetzgeber die Mehrkosten von eben diesen Betreibern bezahlen lässt." Com-Metering unterstützt als Solarbetreibergemeinschaf Solar-Anlagenbetreiber beim Messstellenbetrieb.

Das Smart-Meter-Produkt verspreche zum Anfang kaum Nutzen für Anlagenbetreiber, so Zuber. Ihm zufolge könne es sich lohnen, sich noch vor Rolloutstart eine moderne Messeinrichtung mit Kommunikationseinheit zu beschaffen, schließlich gelte hier der achtjährige Bestandsschutz. Dies koste zwar auch mehr als die alten, analogen Zähler. "Aber diese Geräte können teilweise mehr und sind günstiger als jene, die nach Rolloutstart von den meisten Netzbetreibern verbaut werden", wirbt Zuber für nicht zertifizierte Geräte.

Offene Punkte bei Anlagensteuerung per Smart Meter

Zuber beklagt zudem, dass im neuen Messwesen die alte Energiewelt weiter das Ruder in der Hand halte. "Im Austausch mit den Behörden geben sich die Netzbetreiber und Großindustrieen die Klinke in die Hand, was nicht immer im Interesse der Betreiber ist. Hier bringen wir uns ein", zitiert Conexio ihn. Offen sei zum Beispiel, welche Optionen die Netzbetreiber bekommen, um extern zu steuern, oder ob das Energiemanagement-System des Wechselrichters oder des Speicherherstellers in Zukunft noch genutzt werden kann. Zuber plädiert dafür, dass die Smart Meter hier in einem fairen Wettbewerb mit anderen Anwendungen stehen sollten.

Vorteile der intelligenten Messsysteme

Wichtig werden die neuen Zähler in naher Zukunft, wenn PV-Betreiber ihren Überschussstrom außerhalb des EEG vermarkten wollen. "Verknüpft mit den Smart Metern können neue Vermarktungsmodelle dafür sorgen, dass die PV-Anlagen weiterbetrieben werden", so Zuber. Noch mehr Sinn würden energiewirtschaftlich gesehen Gemeinschaftsspeicher vor Ort und Stromgemeinschaften machen, über die der Überschussstrom aus der PV-Anlage direkt beim Nachbarn zum Laden des Elektroautos genutzt werden könne. "Wofür wir uns einsetzen, ist dass die Betreiber diese Geschäftsmodelle selbstbestimmt und gemeinschaftlich umsetzen können", bekräftigt Zuber.

Datenmonitoring

Denn viele PV-Anlagen würden nicht rund laufen und die Ursachen dafür seien vielfältig. Durchaus problematisch sei dass viele Betreiber kein Monitoring der Anlage mehr haben, da die Hersteller entweder nicht mehr da sind oder die Angebote kostenpflichtig geworden sind. Hier könne die Verfügbarkeit von Messwerten helfen, etwaige Fehler zu entdecken.

"Und je granularer die Daten, desto besser erkennbar wird auch ein schleichender Ertragsverlust", zählt Zuber einen zweiten Vorteil auf. Aus seiner Sicht sollte jeder Betreiber seine PV-Anlage überwachen. "Und wenn die Smart Meter dabei helfen, ist das ein positiver Nebeneffekt aus dem Rollout".

Eon-Innogy-Fusion begünstigt Messstellen-Monopol

Die Fusion von Eon mit Innogy sieht Com-Metering skeptisch. Hier entstehe mit rund 20 Millionen Zählern ein Messstellenbetriebs-Riese – "wenn nicht sogar ein Monopolist", so Zuber. Dies sei besorgniserregend, gehe es im Messstellenbetrieb schließlich  sehr stark um Skalierung. "Uns fehlt einfach ein stückweit der Glaube, dass Eon Geschäftsmodelle im Sinne der Prosumer und echter Dezentralität verfolgt.", befürchtet Zuber.

Er bewertet die Situation als paradox: "Einerseits können die Smart Meter den Prosumer stärken und Dezentralität fördern, andererseits deuten sich Marktstrukturen an, die genau das verhindern könnten". Glücklicherweise könne man den Messstellenbetreiber aber selbst wählen. "Die Digitalisierung und das neue Eon-Monopol werden den Wechselwillen aber sicherlich beflügeln. Gerade auch bei vielen Solarbetreibern, die seit Jahren für eine echte, dezentrale Energiewende stehen", vermutet der Com-Metering-Geschäftsführer. (sg)

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