Die intelligenten Messsysteme müssen sicher transportiert werden – dazu wurde eigens eine sichere Lieferkette (SiLKe) definiert.

Die intelligenten Messsysteme müssen sicher transportiert werden – dazu wurde eigens eine sichere Lieferkette (SiLKe) definiert.

Bild: © PPC

Am Freitag wird das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) turnusgemäß seine Marktanalyse veröffentlichen. Damit wird auch allen Anzeichen nach der offizielle Smart-Meter-Rollout beginnen. Für grundzuständige Messstellenbetreiber heißt dies, dass sie in den nächsten drei Jahren zehn Prozent der gesamten intelligenten Messsysteme ausbringen müssen.

Die Gateways ermöglichen eine besonders gesicherte Kommunikation und stellen einen hohen Datenschutzstandard sicher. Verpflichtend ist der Einbau allerdings nur bei denjenigen, mit einem Jahresstromverbrauch von mehr als 6000 kWh oder wenn steuerbare Verbrauchseinrichtungen und Anlagen nach dem EEG oder KWKG mit mehr als 7 kW Leistung eingesetzt werden.

Die intelligenten Messsysteme können nicht nur den Stromverbrauch übermitteln, auch der der Verbrauch von Erdgas, Wasser oder Wärme lässt sich so weitergeben. Zudem können Haushalte mit Hilfe der Smart Meter Stromfresser  erkennen und sich basierend auf den Daten konkrete Tipps zum Energiesparen liefern lassen. Darüber hinaus soll die digitale Infrastruktur das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen ermöglichen und so erhebliche Kosten für einen sonst benötigten Netzausbau in Wohngebieten vermeiden.

Insgesamt gibt es derzeit knapp 40 Smart-Meter-Gateway-Administratoren, die beim BSI gelistet sind. In der nächsten Zeit werden voraussichtlich noch einige dazu kommen, schätzt etwa Frank Manigold, Geschäftsführer bei TWL-Metering. Drei Gateway-Hersteller sind zertifiziert, der vierte Hersteller Theben steht kurz vor der Zulassung. 

Schleswig-Holstein Netz rollt aus

In Schleswig-Holstein fiel derweil schon am 30. Januar der Startschuss für den Einbau intelligenter digitaler Strom-Messsysteme. An der Grundschule Ulzburg in Henstedt-Ulzburg nahm Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) symbolisch den ersten intelligenten Zähler im Netzgebiet der Schleswig-Holstein Netz AG in Betrieb. Bis 2032 will der Netzbetreiber bei rund 145 000 Kunden ein intelligentes Messsystem einbauen.

Schon weit vor der Markterklärung haben schon Eon Metering, EnBW, MVV Energie oder Innogy mit dem Einbau intelligenter Messysteme begonnen. Zuletzt hatte EnBW als erster Messstellenbetreiber offiziell den Einbau eines Gateways von Sagemcom Dr. Neuhaus – dem zweiten zertifizierten Hersteller – vermeldet. Der Konzern will bis März 1000 Messsysteme verbaut haben. Bis zum Jahresende 2019 waren es 250 Stück an eigenen Standorten, in ersten Betrieben und Privathaushalten.

Berater gehen eher von langsamen Rollout aus

Das Beratungsunternehmen PWC geht von einem eher schleppendem Rollout-Prozess aus, "da viele Werke aktuell die geforderten Prozesse nicht bedienen können. Sei es, das man sich zu spät mit der Thematik befasst hat, der IT-Dienstleister diese noch nicht umsetzen kann – oder eine Kombination aus beidem". Auch die Vereinheitlichung werde noch eine Weile dauern, erklärte PWC auf ZfK-Nachfrage. Dadurch könne es passieren, dass man seine Einbauten nicht mehr in der geforderten Zeit durchführen könne.

Beratungsunternehmen BTU EVU glaubt ebenfalls, dass zunächst in vielen Netzgebieten lediglich die Pflichteinbauten umgesetzt werden und der Rollout erst mit Verfügbarkeit der Gateways der neueren Generation an Fahrt aufnehmen wird. Derzeit steht Gateway-Hersteller PPC kurz vor der Rezertifizierung seiner Geräte, die dann auch die Tarifanwendungsfälle (TAF) 9 und 10, sowie 14 – für netzdienliches Steuern und die Disaggregation von Daten – bedienen können. Die beiden zertifizierten Hersteller Sagemcom Dr. Neuhaus und EMH Metering sind hier ebenfalls schon in der Entwicklung. Allerdings wird es hierzu keine neuen Geräte geben, sondern die TAFs werden per Update auf das bestehende Gateway gespielt.

Mögliche Geschäftsmodelle

Gewinnbringende Geschäftsmodelle sieht die BTU EVU Beratung in Koppelprodukten mit der Belieferung von Strom/Gas und Messstellenbetrieb in Verbindung mit möglichst hochauflösener Visualisierung des Stromverbrauchs sowie Börsenpreiskopplung. Gleichzeitig könnten Einsparpotenziale etwa bei der Abrechnung genutzt werden.

PWC spricht sich hier im ersten Schritt für Sub-Metering aus, also die Sparten Gas und Wasser sollte man mit auslesen. Dazu sei aber ein Update von Wasser- und Gaszählern nötig. Im nächsten Schritt sollten steuerbare Einrichtungen wie Wärmepumpe, PV-Anlage oder Wallboxen das Ziel sein. Mögliche Potenziale stecken auch in Smart-Home-Anwendungen, die über den CLS-Kanal verwirklicht werden können.

Fehlende Standards bei E-Mobilität

Allerdings, so bestätigte die Bundesregierung zuletzt in einer Antwort von Bündnis 90/Die Grünen, Wallboxes können bislang gar nicht mit dem Smart Meter kommunizieren. Der Verband der Immobilienverwalter (VDIV) nennt diese Situation absurd, da die Geräte ja gerade das Laden des Autos steuern sollen – je nach Netzauslastung. Technisch sei bereits mit den aktuell verfügbaren Geräten eine Steuerbarkeit von Anlagen über den sogenannten CLS-Proxy-Kanal in Verbindung mit Steuereinheiten möglich. Es würden allerdings noch technische und rechtliche Aspekte fehlen, die weiterentwickelt werden. Hierzu laufen aktuell zwei umfassende Stakeholder-Prozesse. Laut Bundesregierung sind die handelsüblichen Wallboxen derzeit in der Regel technisch noch nicht dafür ausgelegt, mittels der vom Schutzprofil geforderten Protokolle bzw. Schnittstellen mit Smart-Meter-Gateways zu kommunizieren.

Bitkom-Stellungnahme

Positiver gestimmt ist man beim Digitalverband Bitkom: „Der lang erwartete Smart-Meter-Rollout wird dafür sorgen, dass unsere Energie-Infrastruktur bedeutend smarter wird. Der morgige Startschuss lässt sich vielleicht am besten mit der Einführung der ersten Smartphones vergleichen: Mit der Hardware entwickeln sich völlig neue Anwendungen“, kommentierte deren Energieexperte Robert Spanheimer. „Die Vielfalt der künftigen Dienste, die auf den Smart Metern aufsetzen, lässt sich derzeit nur erahnen. Die besonders abgesicherte Kommunikationsinfrastruktur bietet zudem auch anderen Branchen ganz neue Anwendungsmöglichkeiten, etwa im Gesundheitswesen.“

Rasche Erweiterung der Funktionen und Geschäftsmodelle gefordert

Aus Sicht des Bitkom kommt es nun darauf an, dass in einem agilen Prozess die Funktionen und Geschäftsmodelle basierend auf den Smart Meter Gateways rasch erweitert und kontinuierlich fortentwickelt werden. Neben den Standards für das Laden von E-Autos fehlen hier auch diefjenigen zur Direktvermarktung von Strom aus Blockheizkraftwerken. „Die Digitalisierung im Verteilnetz kommt nicht auf einen Schlag, sie ist ein Prozess. Dienste und Vertriebsangebote können erst entstehen, wenn eine ausreichend große Kundenzahl über das Smart Meter Gateway erreicht werden kann“, so Spanheimer. „Von entscheidender Bedeutung ist, dass die notwendigen Standards schnell weiterentwickelt werden. Nach der langen Anlaufphase bis zum Smart-Meter-Rollout können wir uns jetzt nicht schon wieder eine Pause gönnen.“

In der Bevölkerung gibt es dem Digitalverband zufolge eine große Bereitschaft, Smart Meter zu nutzen. So würden zwei Drittel (66 Prozent) der Bundesbürger Geräte wie elektrische Heizungen oder Kühlgeräte automatisch so steuern lassen, dass das Stromnetz stabilisiert wird und Ressourcen geschont werden. Das  ergab eine repräsentative Umfrage unter 1003 Bundesbürgern ab 16 Jahren. (sg)

Spannende Aspekte zum Rollout gibt es auch in der nächsten ZfK-Ausgabe, die am 5. Februar erscheint. Das Abo erhalten Sie hier.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper