Die neue Kommunalstudie 2019 des Bundeswirtschaftsministeriums – „Update Digitalisierung: Wie smart sind Deutschlands Kommunen?“ gibt einen bundesweiten Überblick zur Digitalisierung in Kommunen.
„Der Anteil der Kommunen, die an der Konzeption oder Umsetzung von Digitalstrategien arbeiten, ist auf beinahe 80 Prozent gestiegen", fasst Thomas Jarzombek, Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für die digitale Wirtschaft und Start-ups, zusammen. Erste Kommunen würden bereits Daten-Plattformen aufbauen. Die Ergebnisse im Überblick:
Kein Zweifel an Digitalisierungsstrategie
So habe nahezu jede zweite Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern bereits eine fertige Strategie, unter den Kommunen mit weniger Einwohnern dagegen noch nicht einmal jede fünfte. Auch an der Notwendigkeit einer Digitalisierungsstrategie gibt es kaum noch Zweifel: Neun von zehn Kommunen halten sie für sinnvoll.
Bei der Umsetzung zeigen sich allerdings Defizite. So befänden sich weniger als 20 Prozent der Städte und Gemeinden in der Umsetzungsphase, nur in jeder zehnten Kommune ist sie schon weit fortgeschritten. Sechs von zehn Kommunen arbeiten erst an einer Strategie oder planen, dies zu tun.
Sektorübergreifende digitale Infrastrukturen im Fokus
Die große Mehrheit steht bei der Transformation also noch ganz am Anfang. Zwar haben von den Kommunen in der Konzeptions- oder Umsetzungsphase fast alle bereits erste Projekte auf den Weg gebracht, jedoch liegt der Schwerpunkt bisher auf sektorenübergreifenden digitalen Infrastrukturen.
Anwendungsfelder wie Energie, Umwelt oder Gesundheit spielen allenfalls eine untergeordnete Rolle. Projekte in diesen Bereichen würden von weniger als jeder dritten Kommune realisiert.
Nur wenige nutzen Datenplattformen
Außerdem sei eine große Diskrepanz zwischen der strategischen Relevanz und dem Grad der Umsetzung von technisch anspruchsvollen Themen festzustellen, etwa bei Datenplattformen. Zwar hat die Mehrheit der Städte und Gemeinden erkannt, dass Datenplattformen und Cloud-Infrastrukturen zu den kritischen Erfolgsfaktoren der Digitalisierung zählen, weil sie die Chance bieten, Daten zu bündeln und neue Lösungen zu entwickeln.
Trotzdem würden diese bislang erst von jeweils weniger als einem Drittel der Kommunen genutzt. Die Zuständigkeit für den Aufbau von Datenplattformen wird vor allem bei den Bundesländern oder regionalen Zusammenschlüssen gesehen. Wichtigste Kriterien für die Nutzung öffentlich initiierter Cloud-Lösungen sind einfache Handhabung und zeitnahe Verfügbarkeit. In beiden Punkten gebe es noch Optimierungspotenzial.
Für eine erfolgreiche Digitalisierung benötigen Städte und Gemeinden nach eigenen Angaben vor allem mehr Hilfestellung. Dabei erwarten sie in erster Linie Unterstützung vom Bund, den Bundesländern und den kommunalen Spitzenverbänden.
Fünf-Punkte-Plan gefordert
Um die Umsetzung der digitalen Transformation in die Fläche zu bringen und zu beschleunigen, bedarf es der Studie zufolge eines am digitalen Reifegrad der Kommunen orientierten Fünf-Punkte-Plans. So sollten Städte und Gemeinden, die sich derzeit in der Konzeption ihrer Digitalisierungsstrategie befinden – das ist die Mehrheit –, durch Angebote wie Leitfäden und Checklisten besser unterstützt werden.
Die führenden 20 Prozent der Kommunen, die bereits in der Umsetzung sind, benötigen dagegen Hilfe in Form beispiel-hafter Umsetzungslösungen sowie bei der Planung und Finan zierung ihrer Projekte. „Nachzügler“-Kommunen, die bei der Digitalisierung noch ganz am Anfang stehen, sollten durch anschauliche „best cases“ aktiviert werden
Aktuelle Situation zeigt Notwendigkeit von Digitalisierung
Viele Kommunen sind Jarzombek zufolge auf dem Weg zur smarten Stadt oder zur smarten Region. Gerade in der aktuellen Situation zeige sich, wie wichtig digitale Angebote der Kommunen sind. "Hier muss das Angebot dringend ausgeweitet werden. Wir wollen den digitalen Wandel in Städten und Gemeinden weiter voranbringen und die Lebensqualität in Stadt und Land durch digitale Lösungen angleichen und verbessern. Hieran müssen Kommunen, Länder und Bund weiter gemeinsam arbeiten!“, so seine Forderung
Die Initiative Stadt.Land.Digital des Bundeswirtschaftsministeriums steht neben allen relevanten Akteuren und Interessengruppen aus Bund, Ländern und Kommunen auch Unternehmen, Verbänden und der Zivilgesellschaft zum Informationsaustausch offen. Die komplette Studie finden Sie hier (externer Link). (sg)



