46 Prozent der Energieversorgungsunternehmen (EVU) beschäftigen sich schon mit dem Einsatz von Blockchain-Technologien und knapp 80 Prozent glauben, dass Blockchain die Energiewirtschaft verändern wird. Das ist das Ergebnis einer Detecoin-Studie zur möglichen Bedeutung der Blockchain als disruptive Technologie in der Energiewirtschaft. Das Technologieberatungsunternehmen befragte dazu 65 Vertreter von EVU aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Allerdings wird es laut der Hälfte der Befragten mindestens noch zwei Jahre dauern, bis Blockchain die Marktreife im Energiemarkt erreichen wird. "Blockchain hat das Potenzial, die Beziehungen der Marktteilnehmer auf den Kopf zu stellen. Intermediäre werden auf Dauer vom Markt verschwinden. Dank Blockchain interagieren Erzeuger und Verbraucher direkt miteinander, was den Energiehandel und -vertrieb komplett verändern wird", sagt Rüdiger Schulze, Partner bei Detecon. So werden laut Studie der Handel und der Vertrieb an Bedeutung verlieren.
Neue Geschäftsmodelle
Wesentlicher Treiber der Blockchain-Technologie sind die intelligenten Stromzähler und das Internet der Dinge. Dem haben mehr als 80 Prozent aller Befragten zugestimmt. Zudem wird sie neue Geschäftsmodelle unterstützen – vor allem in den Bereichen E-Mobilität und Nachbarschaftsmodelle, sogenannten Microgrids.
Hier können zum Beispiel Prosumer selbst erzeugten Solarstrom untereinander handeln. Die Transaktionen werden über die Blockchain automatisch zwischen den Teilnehmern ausgeführt und dokumentiert, da sie direkte und sichere Transaktionen zwischen mehreren Parteien ermöglichen. Eine mögliche Anwendungsform bieten große Peer-to-Peer Handelsplattformen, über die EVU Stromgroßhandel ohne Intermediär betreiben. Diese Plattformen verbessern die Effizienz und erhöhen die Geschwindigkeit der Transaktionen.
Automatisiertes Bezahlen an E-Ladesäulen
Die Blockchain kann auch den Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität unterstützen, sind knapp 70 Prozent der Befragten überzeugt. So lassen sich Transaktionen zwischen Ladesäule und Stromabnehmer automatisieren und damit Kosten reduzieren.
Ein bereits eingesetzter Anwendungsfall sind "Smart Contracts", die den Abrechnungs- und Bezahlprozess beim Aufladen und Nutzen von Ladeinfrastruktur revolutionieren und damit die Prozesse des Anbieters zwischen Laden und Bezahlen deutlich effizienter und günstiger gestalten.
Engpassmanagement in den Niederlanden
Die Blockchain trägt auch zur Stabilisierung des Stromnetzbetriebs und damit zur Versorgungssicherheit und -qualität bei. Ein niederländischer Netzbetreiber wendet die Blockchain bereits für sein Engpassmanagement an. Auf Basis vernetzter Heimspeicher und Ladestationen von Elektrofahrzeugen greift er per Blockchain je nach Netzsituation flexibel auf dezentrale Kapazitäten zu – ähnlich wie bei einem virtuellen Kraftwerk.
Experten raten zu Piloten
"Wir empfehlen den EVU Blockchains zunächst in einem geschützten Raum zu pilotieren", sagt Energieexperte Rüdiger Schulze. "Denn die Einführung der Blockchain stellt Unternehmen vor große technische und organisatorische Herausforderungen. Ein Pilot hilft, die Technologie zu verstehen und sorgt innerhalb der Organisation für Akzeptanz." Dafür sei es sinnvoll, ein multifunktionales Team aus IT, Vertrieb, Controlling, Marketing und Technik aufzustellen und Kunden in den Prozess einzubinden. (sg)



