Obwohl bei bestehenden Geschäftskunden aus kleinen und mittelständischen Unternehmen ein hohes Interesse bestehe, würden Energieversorger es versäumen, digitale Angebote und die gewünschte Produktauswahl anzubieten. Dies folgert die aktuelle Studie "New Energy Consumer Research" des Beratungsunternehmens Accenture. Dadurch verspielen Versorger nicht nur die Möglichkeit zur Kosteneinsparung, sondern lassen auch neue Einnahmequellen sowie positive Abstrahleffekte auf das Privatkundengeschäft liegen, heißt es weiter.
Mehr gängige Standardprodukte erwartet
Innerhalb der kommenden fünf Jahre erwarten demnach kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im deutschen Markt mehr als die gängigen Standardprodukte von ihren Energieversorgern. Mehr als jeder Dritte der befragten Entscheider aus diesem Segment (37 Prozent) erhofft sich künftig Produkte und Dienstleistungen, die bei der Optimierung des Energieverbrauches helfen und Schnittstellen zu weiteren Energieversorgern bieten.
Weitere 35 Prozent der Befragten wünschen sich sogar einen Full-Service-Energieanbieter mit einem Produktportfolio entlang der gesamten Wertschöpfungskette inklusive eines passenden Produkt- und Dienstleistungsangebots.
Produkte, die auf Geschäftsbedürfnisse angepasst sind
Daher würden kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland eine stärkere Ausrichtung der Energieanbieter auf die individuellen Anforderungen dieses Geschäftskundensegments erwarten. Ihnen sei es vor allem wichtig, Produkte und Services zu erhalten, die auf die eigenen Geschäftsbedürfnisse angepasst sind (46 Prozent), eine nahtlose Customer Experience im Kontakt mit ihren Energieversorgern (43 Prozent) bieten und eine einfache Steuerung des eigenen Energieverbrauchs über digitale Tools ermöglichen (33 Prozent).
KMU nicht vernachlässigen
"Die Veränderungen im Energiemarkt sind enorm, eine zunehmende Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Kunden essenziell", sagt Tobias Gehlhaar, Leiter des Bereichs Energieversorgung bei Accenture. "Das KMU-Segment neigt dazu, bei Energieversorgern gegenüber den Privatkunden zurückgesetzt zu werden, wenn es um Digitalisierung geht. Es bietet diesen aber einen erheblichen Mehrwert, um digitale Kanäle in einem neuen Energieökosystem zu realisieren. Im Wettlauf um die Zufriedenheit der Kunden spielen digitale Lösungen im sich ändernden Produktportfolio der Energieversorger auch hier eine entscheidende Rolle."
Suche nach passenden Partnern
Würden Energieanbieter versäumen, ihr Portfolio in dieser Hinsicht zu erneuern, wäre das für 94 Prozent der befragten KMU in Deutschland Grund genug, vom jetzigen Energieversorger zu einem zu wechseln, der ihnen maßgeschneiderte Stromangebote und damit verbundene Produkte anbieten könnte.
"Kleine und mittelständische Unternehmen verstehen zunehmend, welchen Stellenwert die Digitalisierung für die eigenen Geschäftsprozesse hat", fasst Gehlhaar zusammen. "In der Folge suchen sie nach passenden Partnern, die in der Zusammenarbeit einen Mehrwert bieten."
International: Von Solar-Sharing bis Cross-Selling
Tatsächlich können aus einer starken digitalen Basis heraus für Energieversorger und deren Geschäftskunden weitere Kooperationsmöglichkeiten entstehen. So gaben weltweit 43 Prozent der KMU an, an Solarstrom-Sharing-Programmen interessiert zu sein, bei denen sie mit dem Energieversorger zusammenarbeiten würden, um Solarmodule auf ihren Geschäftsräumen im Austausch für einen kommerziellen Anreiz zu installieren.
Fast ebenso viele (42 Prozent) wären daran interessiert, durch eine Zusammenarbeit neue energiebezogene Produkte und Dienstleistungen über ihr Geschäft anzubieten, um neue Umsatzmöglichkeiten zu generieren.
Bei erfolgreicher Zusammenarbeit winkt Weiterempfehlung
Insgesamt befragte das Beratungsunternehmen im Rahmen der Studie fast 3800 kleine und mittlere Unternehmen in 14 Ländern und der Metropolregion Hongkong. Die Umfrage wurde im März 2018 online durchgeführt.
Die Mehrheit (84 Prozent) der befragten KMU, die den Wunsch geäußert hatten, mit ihren Energieversorgern im Rahmen digitaler Programme zusammenarbeiten, würden diesen weiterempfehlen. 82 Prozent auch an potenzielle Energiekonsumenten aus dem Privatkundenumfeld. (sg)
