Mit der sicheren Lieferkette, beziehungsweise sicheren Logistikkette, kurz Silke, kommt auf die Messstellenbetreiber eine zusätzliche Komplexität im Smart-Metering-Gesamtprozess zu. Derzeit gibt es mit dem ersten, im Dezember 2018 zertifizierten Smart-Meter-Gateway hier eine vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) anerkannte Lieferkette. Dabei kommt eine feste, gesicherte Lieferbox zur Anwendung.
Bislang wird der neue Prozess mit viel Skepsis aufgenommen. So sagt etwa Eon-Metering-Geschäftsführer Paul-Vincent Abs im ZfK-Interview (in der aktuellen gedruckte Ausgabe): "Ich weiß nicht, ob wir als Messstellenbetreiber das, was tatsächlich gefordert wird, in allen Facetten so umsetzen können."
Große Herausforderung für Zählermonteure
So arbeite man in vielen Bereichen des Smart-Meter-Rollouts mit den Zähler-Montagedienstleistern zusammen. Mit den künftigen Auflagen müssen diese – das sind normale kleine oder mittelständische Handwerksbetriebe – plötzlich auf ganz andere Dinge achten, verdeutlicht Abs. "Sie müssen ihren Zähler in vorgeschriebener Zeit nach BSI-Vorschriften ordnungsgemäß einbauen, ihr Auto richtig abschließen und parken. Ich halte das für eine große Herausforderung. Für uns als Messstellenbetreiber wird es herausfordernd sein, unter der Preisobergrenze bleiben", konkretisiert Abs.
Herausforderungen für Stadtwerke
Marcus Hörhammer, Leiter Produktentwicklung und Vertrieb vom Messstellendienstleister Voltaris, konkretisiert was auf Stadtwerke mit Silke zukommt:
- Sie müssen die neuen Prozesse BSI-konform implementieren.
- Die Anforderungen erstrecken sich von der Lagerhaltung – hier muss das Sicherheitsniveau der Lagerbestandsgebäude eingehalten werden – bis hin zum Dokumentantionsaufwand für die Logistik der Gateways – dies gilt auch beim Servicetechniker bis zum Einbau der Kundenanlage.
- Das Personal, Servicetechniker und Logistiker, das zum berechtigten Personenkreis zählt, ist auszuwählen und zu schulen.
- Im Umfeld der Lagerlogistik- und Montageprozesse muss der Sicherheitsgedanke zudem von den beteiligten Fachkräften "gelebt" und akzeptiert werden.
- Die Flexibilität wird durch die starren Prozesse und Sicherheitsanforderungen eingeschränkt
- Die "konventionelle Lieferkette", etwa von Zählern und Zubehör, ist darüber hinaus von der Sicheren Logistikkette für die intelligenten Messsysteme nach BSI-Vorgabe zu trennen
Finanzieller Aufwand
Welche Kosten mit der sicheren Logistikkette auf die Stadtwerke zukommt, listet Hörhammer ebenfalls: auf
- Grundzuständige Messstellenbetreiber müssen demnach das benötigte Zubehör wie Sichere Transportbox, Schlüsselmaterial und die Systemintegration sowie Schulungsaufwände im Rahmen der Preisobergrenze unterbringen. "Ein nicht unerheblicher Kostenfaktor", so Hörhammer.
- Hinzu kommen zusätzliche Aufwände für Personal, beispielsweise im Rahmen eines Prozessverantwortlichen und geschultem Personal für den berichtigten Personenkreis, sowie die Anforderungen an das Lager, die geprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen.
Kosten lassen sich Hörhammer von Voltaris zufolge mit der Hilfe von Experten, die bereits möglichst schlanke Prozesse für die unterschiedlichen Prozessschritte entwickelt haben, senken.
Neun unterschiedliche Prozesse sollen vereinheitlicht werden
In Deutschland sind insgesamt neun Unternehmen im Zertifizierungsprozess oder haben eine Zertifizierung des Smart-Meter-Gateways beim BSI angezeigt. Damit wären bis zu neun unterschiedliche Lieferketten möglich, zu der auch eine versiegelte Tüte gehören könnte. Ob diese zertifiziert wird, ist derzeit offen, erklärte der Verband VDE der ZfK auf Nachfrage.
Der VDE|FNN arbeite bereits mit allen neun Herstellern und zusammen mit dem BSI daran, die Lieferkette zu standardisieren und auf Basis der in der Praxis etablierten Lieferprozesse sicher zu gestalten, so der Verband. Standardisiert werden sollen Behälter, Prozesse und Abläufe sowie Anforderungen an Personal und Schulung. Ziel ist es, bis Ende 2019 eine standardisierte sichere Lieferkette zu definieren, die als Grundlage für die Anforderungen des BSI dienen soll.
Kongress ZMP gibt Antworten auf viele Fragen zum Rollout
Weitere Antworten auf Fragen: "Wie geht es weiter mit dem Rollout der Kommunikationsplattform für die Energiewende? Wie lassen sich damit Lasten steuern? Wo stehen wir bei der Digitalisierung der Energiewende? stehen im Fokus des diesjährigen FNN-Fachkongresses ZMP – Zählen, Messen, Prüfen in Leipzig. Unter dem dem Motto „Tschüss Labor, hallo Welt!“ sprechen kleinere und größere Netzbetreiber vom 15. bis 16 Mai über ihre Rollout-Erfahrungen.
Eine Ergänzung dazu bietet das Ausstellerforum mit aktuellen Produkten und Technologien. Neben etablierten Unternehmen präsentieren sich auch Jungunternehmen: Dazu hat VDE|FNN zum Start-up-Wettbewerb „FNN-InnovationHub“ aufgerufen, der unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums steht. Die fünf besten Lösungen zu Energiewende, intelligentes Messsystem und Digitalisierung werden auf dem Kongress präsentiert und ausgezeichnet. (sg)
Welchen modernen Zähler Eon entwickelt hat und welche Mehrwerte dieser verspricht lesen Sie in der aktuellen Print-Ausgabe der ZfK (Das Abo finden Sie hier). Das Unternehmen schreitet beim Rollout inzwischen stark voran und hat intelligente Messsysteme im dreistelligen Bereich installiert.



