Die Entwicklung von Smart Citys und Regions stand im Mittelpunkt eines Talks beim VKU-Stadtwerkekongress in Kassel.

Die Entwicklung von Smart Citys und Regions stand im Mittelpunkt eines Talks beim VKU-Stadtwerkekongress in Kassel.

Bild: Jonathan Goepfert/VKU Service

Stadtwerke haben ein „enormes Potenzial, sich bei der Transformation der Gesellschaft aktiv einzubringen" und neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Viele Ansätze seien aber noch nicht ausgereift, deswegen müssten Städte und Gemeinden Geduld mit ihren kommunalen Versorgern aufbringen und ihnen entsprechend Zeit einräumen. So lautete das Plädoyer von Thomas Fehling, dem Bürgermeister der Kreisstadt Bad Hersfeld, im Rahmen eines Talks zum Thema „Vernetzte Städte und Regionen“ beim Stadtwerkekongress in Kassel.

"Agile Herangehensweise eignet sich besser"

Für Fehling ist Smart City ein Instrument, um eine städtische Infrastruktur intelligenter zu machen und um digitale Lösungen zu finden. Der Bürgermeister hat in seiner Stadt umfangreiche digitale Neuerungen im Bereich E-Government umgesetzt, setzt aber gleichzeitig weitere digitale Anwendungen ein, die konkret dem Bürger nutzen. Sein Credo dabei: „Die agile Herangehensweise eignet sich hier besser. Man sollte den Mut haben, einfach mal den nächsten Schritt zu machen und beim Laufen lernen und dann wenn nötig nachjustieren.“

Klare Aufgabenteilung in Lübeck

Die Weiterentwicklung einer Stadt hin zu einer Smart City ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die eine klare Aufgabenteilung und enge Kooperation von Verwaltung und Stadtwerk erfordert, verdeutlichte Jens Meier, Co-Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck. „Es ist wichtig, dass dieser Prozess vom Rathaus gesteuert und in die Stadt getragen wird“, so Meier. Das Bereitstellen der dazu notwendigen technischen Kapazitäten und Infrastrukturen könne ein Stadtwerk indes naturgemäß besser bewerkstelligen.

In Lübeck können Bürger die Digitalisierung der Stadt über einen Verein aktiv mitgestalten. Hierzu wurde vor rund einem Jahr eine Plattform ins Leben gerufen, die alle relevanten Unternehmen, aber auch die Bürger zusammenbringt und Ideen und Projekte koordiniert. Statt überregionalen Digitalfirmen mit Profitorientierung das Feld zu überlassen, sollen Daten, die in Lübeck erzeugt auch in Lübeck gespeichert werden und zum Wohle der Bürger der Stadt eingesetzt werden.

Großes Vertrauen in Stadtwerke

„Das Grundvertrauen in die sichere Dateninfrastruktur und Datenhandhabung ist hier eine große Stärke von Stadtwerken. Wir nehmen das Thema sehr positiv wahr“, sagt Meier. Er sieht für die Stadtwerke Lübeck in dem Projekt künftig vor allem die Rolle als Infrastrukturmanager (Lorawan, Glasfaser) sowie als Datenmanager – sowie für eine gewisse Zeit auch als Netzwerkmanager, der den Bürgern zeigt, was man in solchen Netzwerken alles machen kann.

Digitalisierungsagentur für Haldensleben

Den Zuschlag für eine eigene Digitalisierungsagentur hat die Kleinstadt Haldensleben in Sachsen-Anhalt erhalten. Ziel sei es, die Zukunftsfähigkeit der Kommune, des Wirtschaftsstandorts und des Umfelds (hier insbesondere über den ÖPNV und Carsharing) zu starken, erklärt Detlef Koch, Geschäftsführer der Stadtwerke Haldensleben. Der Kommunalversorger ist für die Ausgestaltung der Agentur zuständig. Die Stadtwerke Haldensleben bieten seit 2012 kostenloses Carsharing an. Detlef Koch geht davon aus, dass dieses Thema spätestens in zehn Jahren richtig Fahrt aufnehmen wird.

Wien erhöht die Resilienz der Infrastruktur

In Wien nutzt man die Digitalisierung auch dazu, um die Widerstandsfähigkeit der städtischen Infrastruktur zu erhöhen und diese resilienter zu machen, führte Wolfgang Hribernik, Head of Center for Energy, AIT Austrian Institute of Technology, aus. „Die Digitalisierung einer Stadt ist kein Selbstzweck, sondern dient dazu, digitale Prozesse zu verändern und einfacher zu gestalten“, führte er aus. Wichtig sei es dabei, digitale Fleckenteppiche zu schließen.(hoe)

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