Herr Lücking, Techem will künftig in den Messstellenbetrieb einsteigen. Was verstehen Sie unter einem universellen Messstellenbetreiber?
Universeller Messstellenbetrieb ist ein Arbeitstitel. Wir verstehen darunter die Bündelung des Submeterings mit dem Metering der Strom- und Gaszähler. Mit dem klassischem Submetering, also die Erfassung und Abrechnung der Wärmeverbräuche in Mehrfamilienhäusern und der Wohnungswirtschaft, ist Techem vor vielen Jahren gestartet.
Mit der Liberalisierung der Messmärkte in der Strom- und Gaswirtschaft eröffnet sich die Chance, dieses Stammgeschäft mit dem des Strom- und Gas-Meterings zu verbinden. Die Geschäftsbereiche ähneln sich in vielerlei Hinsicht, beispielsweise in Bezug auf Technologie und Technologieentwicklung, die Logistik und Distribution der benötigten Zähler oder die Steuerung eines bundesweit agierenden Montagenetzwerks aus Handwerkern und Technikern, die vor Ort Geräte tauschen und neu installieren. Auch in Bezug auf Datenverarbeitung, Prozesse und IT – die digitale Transformation eröffnet eine Vernetzung von Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten. Dies alles bringt Techem bundesweit mit ein.
Wir denken bei dem Thema auch nicht nur an unsere bisherige Kundengruppe der Wohnungswirtschaft. Wir werden unseren Markteintritt mit einem sehr offenen und weitgehenden Kooperationsangebot an Stadtwerke, die grundzuständigen und wettbewerblichen Messstellenbetreiber, sowie andere Akteure, koppeln.
Der Erfolg dieses neuen Geschäftsfeldes wird sich daran entscheiden, einerseits die genannte Logistik kostengünstig und bundesweit effizient darzustellen und andererseits benötigte Prozess- und IT-Lösungen über die Anzahl der Zählpunkte skalieren zu können. Wir starten mit viel Erfahrung und im digitalen Sinne viel „Masse“, so dass wir überzeugt sind, dass sich über Kooperationen viele Win-Win-Situationen schaffen lassen. Nicht zuletzt wegen der hohen regulatorischen Anforderungen, beispielsweise an die Gateways und IT-Prozesse oder die sicheren Lieferketten, liegen Kooperationen geradezu auf der Hand.
Sie selbst sind nun Head of Smart Metering bei Techem, wie kam es zur Entscheidung von der Energiewirtschaft zu Techem zu wechseln und wie sehen hier Ihre Aufgaben aus?
Ich bleibe mit dieser Entscheidung der Energiewirtschaft und ebenfalls der Energiewende, das ist mir persönlich sehr wichtig, treu. Wir stehen nach der Strommarktliberalisierung 1998 und der Gasmarktliberalisierung 2007 mit dem Messmarkt vor der dritten Stufe der Liberalisierung des Energiesektors. Ein konsequenter und richtiger Schritt, um die Energiewende aktiv und erfolgreich gestalten zu können.
Der Markt des Submetrings war schon immer ein offener Wettbewerbsmarkt. Jetzt eröffnet sich mit der Liberalisierung des Messmarktes im Bereich Strom und Gas die Chance, beide Märkte zusammenzuführen. Zum ersten Mal haben Akteure wie Techem die Möglichkeit, alle energierelevanten Daten der Gebäude zu bündeln. Wir werden aus den Daten neue Erkenntnisse gewinnen, aus denen wir sowohl den Immobilienbesitzern als auch den in den Gebäuden lebenden Menschen Angebote zum Nutzerverhalten, zur Auslegung und dem Betrieb der Heizungsanlage, zu Potentialen im Bereich erneuerbarer Energien sowie der Elektromobilität anbieten können. Wir treiben die Sektorenkopplung voran und wollen so die bisher im Gebäudebestand zu kurz gekommene Energiewende beschleunigen. Der ganzheitliche Messstellenbetrieb ist dabei kein Selbstzweck. Er ist Enabler für digital gestützte Energieeffizienz und Dekarbonisierung in Quartieren, sowohl im Wohn- als auch im Gewerbebereich.
Erwarten Sie mit der Liberalisierung des Messwesens 2021 einen verstärkten Wettbewerb im Messstellenbetrieb? Wie wappnet sich Techem dafür?
Wir bereiten uns auf den neuen Markt und die damit verbunden Chancen systematisch vor. Wir laden jeden ein, diesen Weg mit uns gemeinsam aktiv zu gestalten und erste gemeinsame Projekte umzusetzen.
Die Fragen stellte Stephanie Gust



