Das Kernkraftwerk Emsland, welches der RWE Konzern betreibt, soll laut der Analyse von Energy Brainpool einen minimalen Beitrag zur Energiesicherheit liefern.

Das Kernkraftwerk Emsland, welches der RWE Konzern betreibt, soll laut der Analyse von Energy Brainpool einen minimalen Beitrag zur Energiesicherheit liefern.

Bild: © RWE AG

Der gesamte deutsche Gasverbrauch belief sich im Jahr 2020 auf 875 Terawattstunden. Das Atomkraftwerk Emsland könnte davon laut Berechnungen von Energy Brainpool maximal drei Terawattstunden kompensieren; auf das Gesamtjahr betrachtet. Damit könnten laut der Pressemitteilung durch das AKW im Nordwesten Deutschlands also 0,4 Prozent des hiesigen Gasverbrauchs eingespart werden.

Selbst dann, wenn der Meiler das gesamte Jahr 2023 über weiterlaufen würde. Bei einem Weiterbetrieb nur bis April 2023 fällt der ersetzte Gasanteil noch deutlich geringer aus. Die Laufzeit wird dabei physikalisch begrenzt, denn der Kernbrennstoff wäre dann voraussichtlich abgebrannt.

Laufzeitverlängerung dämpft Strompreise nicht

Zudem hätte eine Laufzeitverlängerung laut der Analyse "kaum eine dämpfende Wirkung" auf die Strompreise: Laut Hintergrundpapier würde das Strompreisniveau durch ein Weiterlaufen aller drei noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke – also auch Isar 2 und Neckarwestheim – im Gesamtjahr 2023 um rund ein Cent pro Kilowattstunde abgesenkt werden. "Betrachtet man auch hier nur das eine AKW im Emsland auf der Basis von nur drei statt zwölf Monaten Laufzeit, so ist die entlastende Wirkung allenfalls homöopathisch", kritisiert Sönke Tangermann, Vorstand bei Green Planet Energy. Der bundesweit agierende Energieversorger hatte die Analyse bei Energy Brainpool in Auftrag gegeben.

1,7 Prozent der deutschen Stromnachfrage wären gedeckt

Der "geringe Nutzeffekt eines AKW-Weiterbetriebs" zeigt sich laut Analysten auch beim Blick auf die Netzstabilität: „Emsland speist seinen Strom weit entfernt von den innerdeutschen Netzengpässen und weitab von den Grenzkuppelstellen Richtung Frankreich ein“, so Fabian Huneke von Energy Brainpool. Zusätzliche Strommengen werden aktuell vor allem von der Industrie in Süddeutschland sowie im französischen Netz benötigt, nachdem dort zahlreiche Atommeiler nicht zur Verfügung stehen. Bei hoher Stromnachfrage würde das AKW Emsland nur etwa 1,7 Prozent der deutschen Stromnachfrage decken.

Fazit von Green-Planet-Energy-Vorstand Sönke Tangermann: „Der Nutzen des letzten norddeutschen Atomreaktors in der jetzigen Energiekrise ist verschwindend gering und sein Weiterbetrieb energiewirtschaftlich nicht zu rechtfertigen – vor allem angesichts der damit einhergehenden Kosten und Risiken.“ Dazu zählt laut Tangermann auch die gewachsene Gefahr von gezielter Sabotage an Atomanlagen in Deutschland. „Nach den Vorfällen bei der Bahn und den Nord-Stream-Pipelines müssen wir dieses Risiko auch mit Blick auf Atomkraftwerke unbedingt ernst nehmen.“ 

Das Hintergrundpapier kann hier heruntergeladen werden. (gun)

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