Der kommunale Ferngasnetzbetreiber Bayernets hat am Freitag die Eröffnung der Ferngasröhre "Monaco" an dem Leitungsknotenpunkt in Finsing östlich von München gefeiert. "Monaco" ist faktisch schon seit Dezember in Betrieb.
Die Röhre bringt pro Stunde bis zu 2 Mio. cbm überwiegend russisches Gas aus den grenznahen österreichischen Speichern 7Fields und Haidach bis vor die Tore von München. Die Maximalmenge entspräche dem Bedarf aller Einfamilienhäuser Bayerns. "Monaco" kann auch umgekehrt von Finsing aus Gas Richtung Südosten pumpen (reverse flow).
Einig war man sich daher bei der Feier über deren Beitrag zur sicheren Energieversorgung Süddeutschlands nach dem Atomausstieg Ende 2022. Der Süden ist noch stark von seinen letzten Atommeilern abhängig. Ein Viertel der Transportkapazität von "Monaco" ist für die Reserve-Gaskraftwerke vorgesehen, die den Süden nach Ausschreibungen der jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) abseits des Marktes sicher mit Strom versorgen sollen.
"Russland dreht Gashahn nicht zu"
Bayerns Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gab in einer frei gehaltenen Rede ein Bekenntnis zu Erdgas ab: "Gas ist die Antwort auf den Atom- und Kohleausstieg." Aiwanger nannte Gas einen "Schutzschirm" für die weitere industrielle Entwicklung Süddeutschlands und rief den Bund auf, zum Ausgleich für die Kohleausstiegs-Hilfen an den Osten auch dem Süden zu helfen, eben bei der sicheren Energieversorgung. Die Gasinfrastruktur eigne sich auch für die klimaneutrale Power-to-Gas-Technologie.
Dass das Erdgas der "Monaco" "überwiegend" aus Russland kommt, damit hat Aiwanger kein Problem: Er habe ein "Grundvertrauen" in Russland und "keine Angst, dass der Gashahn zugedreht wird": "Die Russen brauchen das Geld und wir das Gas." Dies sei "Wandel durch Handel".
"Fracking-Gas teurer und politisch unkorrekter"
Amerikanisches "Fracking-Gas", das über Flüssigerdgas(LNG)-Schiffe nach Europa kommt, sei um ein Viertel teurer und wegen seiner Herstellungsweise "politisch unkorrekter". Aiwanger bekannte sich auch ausdrücklich zu der in Bau befindlichen Ostseepipeline "Nord Stream 2". Sie soll weitere 55 Mrd. cbm russisches Gas pro Jahr in Lubmin bei Greifswald anlanden – unter Umgehung der Ukraine und Polens.
Im Gegensatz zu früheren gegnerischen Äußerungen nahm Aiwanger in dieser Rede die geplanten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs(HGÜ)-Leitungen Suedlink und Suedostlink, die norddeutschen Windstrom in den Süden bringen sollen, als gegeben hin. Er zog aber deren Verzögerungen in Kombination mit dem empfohlenen Kohleausstieg als Begründung für Gas heran. Er sagte sinngemäß: "Die Stromtrassen sind noch lange nicht so weit – Zielkorridor sieben Jahre plus X. Bis dahin sind wir mitten im Kohleausstieg."
SWM: Erdgas für Jahrzehnte
Florian Bieberbach, Chef der Stadtwerke München, dem Mehrheitseigentümer des Bauherren Bayernets, ergänzte, ebenso in freier Rede: "Wir glauben an das Erdgas für mehrere Jahrzehnte. Wir investieren daher gerade in vier Gaskraftwerke unterschiedlicher Größe, vom Blockheizkraftwerk bis zum Großkraftwerk."
Der Bau der "Monaco" – die laut Bieberbach korrekt vorne auf dem o betont wird, weil sie das italienische Wort für München ist – hatte ihm zufolge nach den Gasversorgungs-Störungen im Süden im extrem kalten Januar/Februar 2012 neuen politischen Rückenwind erhalten. Die Arbeiten starteten im Mai 2017. Bayernets gab für das größte Leitungsvorhaben in seiner Unternehmensgeschichte 200 Mio. Euro aus. (geo)
