Der kommunale Bayerngas-Konzern hat im vergangenen Jahr seine wichtigsten finanziellen Leistungsindikatoren erneut verbessert. Die Umsatzerlöse stiegen preis- und mengenbedingt deutlich auf rund 3,7 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,8 Mrd. Euro). Der Gasabsatz mit Vertriebs- und Salestradingkunden kletterte auf 132 Mrd. kWh (Vorjahr: 122,5 Mrd.). Aufgrund der Vertriebserfolge konnte das Konzernergebnis weiter gesteigert werden: Unterm Strich resultiert aber immer noch ein Verlust von 6,1 Mio. Euro (Vorjahr: 9,1 Mio. Euro). Hauptgrund ist die anhaltend schwierige Marktsituation bei der Vermarktung von Erdgasspeicherkapazitäten.
Die Konzernmutter Bayerngas GmbH hat im vergangenen Jahr laut Unternehmensangaben ihre Neuausrichtung erfolgreich abgeschlossen. Sowohl die Organisation als auch die Prozesse seien in den vergangenen Jahren sukzessive auf eine Stärkung des Großkundenvertriebs und der OTC-Beschaffung ausgerichtet worden, heißt es. Daneben seien Abhängigkeiten vom Handelsmarkt zunehmend abgebaut worden. Hier stieg der Absatz von 152,7 Mrd. auf 177,4 Mrd. kWh.
Die Holdinggesellschaft weist einen Jahresüberschuss von 8,4 Mio. Euro (Vorjahr: 9,6 Mio. Euro) aus, auch für die kommenden Jahre wird eine positive Ergebnisentwicklung erwartet. 56,3 Prozent an der Bayerngas GmbH hält die SWM Gasbeteiligungs GmbH, weitere Gesellschafter sind die Stadtwerke Augsburg Energie, die Stadtwerke Landshut, die Stadtwerke Ingolstadt Beteiligungen GmbH, die Ingolstädter Kommunalbetriebe AöR, die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm sowie die Tigas-Erdgas Tirol.
"Unkalkulierbare Marktvolatilitäten"
"Die Schaffung neuer, effizienter Strukturen, insbesondere im Vertrieb, sowie die Verbesserung und die Digitalisierung von Prozessen haben eine erhebliche Optimierung der Kostenstruktur ermöglicht", schreibt Geschäftsführer Günter Bauer im Vorwort zum Geschäftsbericht. Der Vertrieb sei stark im Markt. Die Strategie, die dies ermöglicht habe, werde sukzessive auch auf die Beschaffung übertragen. Damit wolle man die Abhängigkeit vom reinen börsengetriebenen Handelsmarkt weiter abbauen. "Spätestens seit Ende Februar bis Anfang März 2018 ist nicht mehr zu übersehen, dass die Marktvolatilitäten nicht nur enorm zunehmen, sie werden immer unkalkulierbarer", betonte Bauer.
Seit dem quasi historischen Peak der Intraday- und Dayahead-Preise seien die Preisschwankungen nach wie vor höher als vor dem März 2018. Als unmittelbare Folge davon sei die Bereitstellung von Flexibilitäten am Markt in eine Preisfindung eingetreten. Hier habe Bayerngas seine Hausausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht und man erkenne, dass die neu eingeschlagenen Wege Früchte tragen. "Wir sehen nach wie vor eine Zukunft für Erdgas im deutschen Energie-Mix", bekräftigte der Bayerngas-Chef. Es gebe gerade in der Industrie eine Reihe von Prozessen, für die Erdgas auf absehbare Zeit alternativlos bleibe.
Noch keine Erträge aus Spirit Energy
Aus dem direkten Explorations- & Produktionsgeschäft hatte sich Bayerngas bereits Ende 2017 zurückgezogen und dadurch die Risiken aus diesem Geschäftsbereich deutlich reduziert. Die Anteile Bayerngas Norge gingen auf die SWM Bayerische E & P Beteiligungsgesellschaft über, Letztere hält die Beteiligung an der Spirit Energy – einem Joint Venture mit der britischen Centrica. Ausschüttungen der Spirit Energy respektive der SWM Bayerische E & P Beteiligungsgesellschaft werden laut Geschäftsbericht erst in den Folgejahren erwartet.
Die Bayerngas-Vertriebs- und Handelstochter Bayerngas Energy konnte die Wachstumsziele in puncto Menge und Marge erreichen. Die gestiegenen Marktrisiken wirkten sich aber negativ auf die Portfoliobewirtschaftung aus. In der Folge wurde das Planergebnis nicht erreicht. Die Netztochter Bayernets hingegen steigerte den Umsatz von 90,5 auf 104,3 Mio. Euro und verzeichnete einen Jahresüberschuss von 30,3 Mio. Euro (Vorjahr: 31,8 Mio.). Insgesamt investierte der Konzern im abgelaufenen Jahr 125,5 Mio. Euro. Das Geld floss im Wesentlichen in den Bau der Erdgasleitung Burghausen-Finsing (Monaco) sowie in die Verdichterstation Wertingen.
