Die Stadt Brunsbüttel an der Elbmündung richtet sich auf ein unruhiges Wochenende ein. Das geplante Terminal für Flüssigerdgas (LNG) ruft den Protest eines Bündnisses von Klimaschützern hervor. Rund 2000 überwiegend junge Leute bereiteten sich am Freitag in einem Zeltcamp des Bündnisses «Ende Gelände» auf Protestaktionen und eine Demonstration am Sonnabend vor. Die Polizei zog mehrere Hundert Beamte zusammen.
Unterstützung erhielt «Ende Gelände» von örtlichen «Klimabündnis gegen LNG» und der Deutschen Umwelthilfe. Die Organisationen lehnen den Import von LNG angesichts des Klimawandels ab. Es widerspreche den Klimazielen und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz, sagte Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe. Er kündigte an, seine Organisation werde alle rechtlichen Mittel nutzen, um das Projekt zu stoppen. Es wäre angesichts eines zurückgehenden Erdgasbedarfs auch nicht wirtschaftlich zu betreiben. «Da kreist der Pleitegeier schon ganz tief.»
Raus aus Kohle und Gas als Forderung der Aktivisten
«Ende Gelände» fordert einen sofortigen Kohle- und Gasausstieg. Die Organisatoren luden sich internationale Unterstützung ein. Christopher Basaldú aus Texas berichtete von großen Umweltschäden, die die Frackingtechnik bei der Förderung von Gas anrichte. Der Export von Frackinggas nach Europa sei «die Fortsetzung von 500 Jahren Kolonialismus».
Der Aktivist Esteban Servat aus Argentinien prangerte deutsche und europäische Energieunternehmen an, die mit Fracking, das in den Heimatländern nicht erlaubt sei, Umwelt und Klima zerstörten. «Das kommt wie ein Boomerang zurück, wenn ihr es nicht stoppt.»
Unterstützung von Albrecht
Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) begrüßte es, dass zahlreiche Menschen die Abkehr von fossilen Energieträgern einfordern. «Der schnelle Übergang hin zu emissionsfreien Energien und Technologien ist zwingend notwendig, um die Ziele beim Klimaschutz zu erreichen und dadurch eine weitere Gefährdung von Freiheit, Wohlstand und Sicherheit zu verhindern», teilte er mit.
Die Kieler Koalition aus CDU, Grünen und FDP hatte das Projekt im Koalitionsvertrag verankert, ein Parteitag der Grünen rückte jedoch später davon ab. Albrecht sagte, er wünsche sich, dass das Terminal möglichst von vornherein auf grüne Gase wie Wasserstoff ausgerichtet werde. Er hoffe, dass die Demonstranten sich bei ihren Aktionen der notwendigen Sicherheit besonders der chemischen Industrieanlagen bewusst seien.
Ingrid Nestle forderte für die Bundestagsfraktion der Grünen, dass es an der Zeit sei, dass auch die GLNG GmbH endlich konkrete Pläne vorlegte wie in Brunsbüttel eine Nachnutzung durch Wasserstoff funktionieren kann. "Denn bislang beschränkt sie sich dabei auf schönklingende aber inhaltsleere Versprechungen. Dort wo es ernst wird und es tatsächliche Planungen betrifft, wird Wasserstoff mit keinem Wort erwähnt: Der Antrag auf Ausnahmen bei der EU Kommission und die kürzlich eingereichten Planfeststellungsunterlagen beziehen sich ausschließlich und abschließend auf den Import von LNG", kritisiert sie.
Chemieunternehmen vor Ort
In Brunsbüttel ist der Bau eines Terminals zum Umschlag von verflüssigtem Erdgas geplant. Die Stadt liegt auf der schleswig-holsteinischen Seite der Elbmündung. Das südliche Ufer gehört zu Niedersachsen. In Brunsbüttel erreicht der Nord-Ostsee-Kanal die Elbe. In der Stadt gibt es mehrere Chemieunternehmen.
Fracking zur Erdgasgewinnung wird unter anderem in den USA eingesetzt. Dabei wird Wasser - zum Teil mit Chemikalien versetzt - unter hohem Druck in gashaltige Gesteinsschichten gepresst, um Risse zu erzeugen und so das Gas freizusetzen. Fracking steht wegen seiner Auswirkungen auf die Umwelt in der Kritik. (dpa/amo)

