Madjid Kübler ist Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Team Consult.

Madjid Kübler ist Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Team Consult.

Bild: © Team Consult

In dem vergangenen Corona-Energiemarktradar prognostizierte das Beratungsunternehmen Team Consult, dass der Gasverbrauch in diesem Jahr um bis zehn Prozent und die Stromnachfrage um bis zu fünf Prozent zurückgehen könnten. Nun erörtert das Unternehmen in einer tiefer gehenden Analyse, inwiefern der beobachtete Rückgang auch durch andere Effekte als den Corona-Lockdown erklärbar ist. Außerdem zeigt es auf, inwieweit es an einzelnen Stellen auch gegenläufige Effekte gibt.

Hierbei wird einmal von einem optimistischen Szenario ausgegangen, wo nach Lockerungen im zweiten Quartal eine Normalisierung innerhalb von zwei bis drei Monaten eintritt. Zum anderen gibt es auch ein pessimistisches Szenario. Hierbei wird vorausgesetzt, dass nach den anfänglichen Lockerungen im vierten Quartal wieder deutliche Einschränkungen erfolgen – etwa durch eine zweite Covid-19 Welle.

Gasverbräuche der Industrie und Kraftwerke konträr zueinander

Für den Gasverbrauch sind die Momentaufnahmen in den Schlüsselbranchen Industrie und Kraftwerke interessant: So liegt der Gasverbrauch der Industrie seit der 10. Kalenderwoche (KW) unterhalb des Verbrauchs der Jahre 2017-2019. Er schwankt zwischen 0,5 und 1,5 TWh Minderverbrauch pro Woche, was einer Reduktion von rund zehn Prozent entspricht.

Seit der 10. KW hat sich der industrielle Minderverbrauch auf 10 TWh hochsummiert. Aber parallel dazu zeigen die gasbefeuerten Kraftwerke im gleichen Zeitraum einen Mehrverbrauch von knapp 6 TWh, verglichen zum Vorjahr. Grund hierfür seien die historisch niedrigen Gaspreise, die zu einer Belebung der Nachfrage führen würden, so das Beratungsunternehmen.

Deutschlandweite Gasverbräuche – kein Corona-Effekt erkennbar

Der grundsätzliche Minderverbrauch bei Heizwärmekunden (SLP) ist temperaturbedingt, kommt Team Consult zum Schluss. Denn die Temperaturen lagen in diesem Jahr bisher zumeist höher als die Temperaturmittelwerte aus den Vergleichszeiträumen der Jahre 2017–2019. Es ist kein Covid-19-Effekt nachweisbar.

Unter den Prämissen der Temperaturbereinigung und wenn ein unerwarteter Mehrverbrauch von Kraftwerken berücksichtigt wird, könnten diese beiden Aspekte zu deutlich optimistischeren Szenarien für das Gesamtjahr führen. In einem positiv verlaufenden Szenario würde der Gasverbrauch um rund 25 TWh zurückgehen. Im pessimistischen Szenario liege dieser bei 40 TWh, was bis zu fünf Prozent entspricht.

Stromverbrauch schwankt weniger

Der bisherige Minderverbrauch beim Strom in Deutschland liegt bei rund fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im optimistischen Szenario normalisiert er sich bis Jahresmitte. Die Minderverbräuche lägen dann bei 20 TWh p.a., was rund vier Prozent entspreche. In einem ungünstig verlaufenden Rahmen beliefen sich die Minderverbräuche bis Jahresende auf circa 25 TWh p.a.. Dies entspricht weiterhin fünf Prozent.

Madjid Kübler, Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Team Consult, ergänzt zudem: "Die Großhandelspreise für Energieträger am Spotmarkt scheinen mittlerweile den Tiefstand erreicht zu haben oder verzeichnen bereits wieder einen Anstieg." Trotzdem lägen sie im Einzelfall immer noch mehr als 50 Prozent unter den durchschnittlichen Preisen, die im Vorjahr für eine Lieferung 2020 bezahlt wurden. "Diese Entwicklung ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn nicht benötigte Mengen kurzfristig am Spotmarkt verkauft werden müssen", so Kübler.

Nachfragerückgänge im verarbeitenden Gewerbe

Team Consult zeigt in der Analyse auch den aktuellen Nachfragerückgang einiger Schlüsselbranchen des verarbeitenden Gewerbes auf. Die Schätzungen basieren auf der Erhebung des aktuellen Ifo-Index. In der Metallindustrie bleibt dieser unverändert bei 18 Prozent sowohl beim Strom als auch beim Gas. Bei der Chemischen Industrie beträgt das Minus unverändert beim Strom neun Prozent  und vier Prozent beim Gas.

In der Papierindustrie liegt der Gasrückgang nun bei fünf statt sechs Prozent. Lediglich in der Glas- und Keramikindustrie gehen die Verbräuche deutlich zurück: Strom liegt nun bei einem Minus von sieben Prozent (vorher drei) und Gas bei acht Prozent (vorher vier). Die Fahrzeugindustrie erholt sich. Hier liegen die Rückgänge nun beim Strom bei elf Prozent (vorher 14) und beim Gas bei zwölf Prozent (vorher 15). (gun)

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