Der Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes erfordert hohe Investitionen.

Der Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes erfordert hohe Investitionen.

Bild: © Yingyaipumi / Adobe Stock

Die Planungen zum Wasserstoff-Kernnetz befinden sich zwar vor dem Abschluss. Beim Hochlauf des Energieträgers, der als wichtige Dekarbonisierungsoption gilt, sind aber noch Fragen offen. Das wurde auf einer Veranstaltung der Rheinenergie in Köln deutlich.

Dort plädierte etwa der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers, Andreas Feicht, dafür, den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft nicht zu stark einzuschränken. Als Beispiel nannte Feicht blauen, also aus Erdgas gewonnenen Wasserstoff. Er sei dankbar, dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) diesem die Tür geöffnet habe.

Bestehende Infrastruktur nutzen

Allerdings mahnte der Rheinenergie-Chef, dass die Dekarbonisierung auch in Hinblick auf die Bevölkerung "möglichst kostengünstig" ablaufen müsse. In diesem Zusammenhang unterstrich Feicht, dass bereits bestehende Infrastruktur und Gaskraftwerke weiter zu nutzen seien.

Christian Maaß, Abteilungsleiter Wärme, Wasserstoff und Effizienz beim Bundeswirtschaftsministerium, signalisierte, ein "möglichst kosteneffizientes System" aufbauen und auch "mit dem Bestand arbeiten" zu wollen. An neuen Gaskraftwerken, die bis 2040 vollständig auf Wasserstoff umgestellt (H2-ready) sein sollen, will der Bund bekanntlich zehn Gigawatt Gesamtleistung ausschreiben.

Entschließung zur Kraftwerksstrategie

Michael Gessner, Abteilungsleiter Energie, Kerntechnik, Bergbau beim Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, kündigte an, dass sich sein Haus für "mindestens zehn Gigawatt" mehr einsetzen werde. Das Land werde eine entsprechende Entschließung im Bundesrat einbringen.

Das Wasserstoff-Kernnetz stehe darüber hinaus "kurz vor der Zielgrenze". Sowohl Gessner als auch Feicht sprachen sich dafür aus, die Versorgung der von dem Netz entfernteren Regionen stärker zu berücksichtigen. Viele, gerade mittelständische Unternehmen seien "wegen der letzten Meile" besorgt, so der Vorstandsvorsitzende des Versorgers.

Elektrolyseure außerhalb von Überschussregionen

Bis das Kernnetz planmäßig bis 2032 errichtet sein soll, wird dem Vertreter des Landeswirtschaftsministeriums zufolge neben Importen auch hierzulande produzierter Wasserstoff eine große Rolle spielen. Gessner erklärte, dass Elektrolyseure "nicht nur in Überschussregionen" – mit viel grünem Strom – zu unterstützen seien.

Potenzielle Abnehmer von Wasserstoff in Köln brauchen sich im Vergleich dazu weniger Sorgen zu machen. Die Stadt wird einen direkten Zugang zum Wasserstoff-Kernnetz erhalten – aus Sicht von Oberbürgermeisterin Henriette Reker "ein wichtiger Punkt zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Köln und ein großer Standortvorteil für die Unternehmen".

Zu der Fachkonferenz der Rheinenergie kamen nach Unternehmensangaben rund 400 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kommunen, Verbänden sowie Industrie- und Energieversorgungsunternehmen zusammen. (dz)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper