Europa braucht keine neuen Erdgaspipelines wie Nord Stream 2 oder Turkstream. Eine neue Infrastruktur wie diese, sei „eigentlich überflüssig“, heißt es dazu in einer Analyse des DIW Berlin. Es sei kein Problem, die weiter sinkende einheimische Produktion durch vermehrte Importe aus Nordafrika und von Flüssiggas auszugleichen.
Hinzu komme, dass das Pariser Klimaschutzabkommen eine stabile Erdgasnachfrage in den kommenden Jahrzehnten in Frage stelle. Der „Gas Exit“ werde neue Pipelines zusätzlich überflüssig machen, sind die DIW-Forscherinnen überzeugt.
LNG-Importkapazitäten reichen aus
Zum Thema LNG heißt es in der Analyse, dass Flüssiggas aus den USA nicht nur zu einer höheren Diversifizierung des Erdgasangebots in Europa führe, sondern mit seinem flexiblen und preissensitiven Angebot auch als „Ausfallversicherung“ dienen könne. Allerdings, so die beiden Autorinnen der Studie, würden auch bei einem Komplettausfall der Lieferungen von Erdgas aus Russland die bestehenden LNG-Importkapazitäten in Europa ausreichen. „Die Pläne einiger europäischer Länder, darunter auch Deutschland, zusätzliche LNG-Terminals zu bauen, wären also genauso überflüssig, wie neue Pipelines zu bauen“, stellen die DIW-Forscherinnen unmissverständlich klar.
Generell spricht sich das DIW in der Kurzstudie für einen schnellen Ausstieg aus dem Erdgas aus. Die Erdgaserzeugung sei weitaus klimaschädlicher als vielfach angenommen. Sowohl in der Stromerzeugung als auch in anderen Anwendungsbereichen gebe es erneuerbare Alternativen, bei denen man nur noch die Kosten senken müsse.
Dezentral und verbrauchernah
Gas auf Basis erneuerbarer Quellen habe den Vorteil, dass es zum Großteil dezentral und verbrauchernah hergestellt werden könne. „Dies bedeutet, dass die bestehende großzügig dimensionierte Importinfrastruktur für Erdgas in Form von Pipelines und Flüssiggashäfen im klimaneutralen Energiesystem nicht mehr gebraucht wird. Auch in der Übergangsphase ist die bestehende Infrastruktur ausreichend“, so die Forscherinnen. Beim Wasserstoff werde man allerdings wohl auch auf Importe setzen müssen.
Konkret spricht sich das DIW dafür aus, die Planungen neuer LNG-Terminals umgehend zu stoppen. Es sollte geprüft werden, ob die geplanten Terminals statt für Flüssiggas auch für Wasserstoff geeignet sind. Deutschland und auch Europa wären gut beraten, die Energiewende weg von jeglichen fossilen Energien hin zu einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien mit allen Kräften zu unterstützen, so das Fazit der Analyse. "Jegliche neue Energieinfrastruktur sollte sich an den Zielen der Vollversorgung mit erneuerbaren Energien ausrichten." (amo)



