Auf den Berliner Energietagen, die vom 7. bis 9. Mai stattfinden, könnte ein Gasheizungs-Hersteller besonderes Interesse wecken: Boostheat. Das inhabergeführte Startup aus Lyon stellt dort sein 20-kW-Heizsystem vor. Das Spannende an dieser "wohl sparsamsten Heizung der Welt", wie sie Boostheat nennt, ist nach eigenem Werbeversprechen:
- volle Anerkennung durch das baden-württembergische Erneuerbare-Wärme-Gesetz, Energieausweis, Energiesparnachweis, KfW und Bafa, indem durch reinen Kesseltausch ein Regenerativen-Anteil von bis zu 50 Prozent erreicht wird
- bis zu 50 Prozent weniger Gasverbrauch als herkömmliche neue reine Brennwertkessel, maximal 65 Prozent gegenüber älteren Geräten
- bis zu 50 Prozent weniger CO2-Ausstoß
- ein Brennstoffausnutzungsgrad von bis zu 200 Prozent des unteren Heizwerts
- eignet sich nicht nur für Erdgas, sondern auch für Flüssiggas (Propan/Butan), Biogas, Schwachgas, Synthesegase und perspektivisch auch Wasserstoff und Methanol
- geringe laufende Kosten durch vorausschauende Fernwartung und minimalistische Jahreswartung
- eine Auswahl an Finanzierungsmöglichkeiten
Wärmepumpe wärmt Kältemittel CO2
Technologisch will Boostheat dies durch zehn Jahre Entwicklung eines Brennwertkessels erreicht haben, dessen Abwärme ohne mechanischen Kompressor einen thermodynamischen Wärmepumpen-Kreislauf mit dem klimatisch relativ schonenden Kältemittel CO2 antreibt. Andere Kältemittel haben einen bis zu 2000 Mal höheren Treibhausgaseffekt als CO2.
Vertrieblich hat Boostheat gerade erst in Nürnberg die deutsche Tochter gegründet. Die hat bereits auf der dortigen Messe Intherm ausgestellt, die bis 24. April lief. Als nächstes sind die Berliner Energietage dran. Verkaufsstart ist in Deutschland und vier anderen Ländern am 5. Juni. Da gibt es die "Boostheat 20 (kW)" noch gar nicht. Die industrielle Massenfertigung soll erst im Herbst in Lyon starten, so dass sich Ende des Jahres die ersten Geräte ausliefern lassen. 2019 folgt ein 50-kW-Modell, das sich bis 250 kW in einer Kaskade einsetzen lässt.
Boostheat wendet sich direkt an Verbraucher
Was haben Stadtwerke und die deutsche Gaswirtschaft von Boostheat?
- Falls die Umweltversprechen von Boostheat der Realität entsprechen, gäbe der Hersteller einer klimaschonenden Gasversorgung im Heizmarkt neue Argumente und Impulse.
- Die Vertriebschancen für Stadtwerke sind erst mal unklar, da Boostheat zunächst auf Direktansprache der Endverbraucher setzt und ein eigenes Partnernetzwerk unter Installateuren und Finanzierern aufbaut.
- Auch bleibt abzuwarten, ob der industrielle Hochlauf, die Auslieferung und die ersten Inbetriebnahmen wirklich pünktlich und technologisch perfekt funktionieren.
- Gleichwohl: Ein Gas-Heizsystem mit einem so enormen Einsparversprechen sollte von der Branche mindestens eingehend beobachtet werden. (geo)
