Jörg Bergmann, Geschäftsführer der Open Grid Europe GmbH, fungierte auf dem 5. Energiepolitischen Dialog als Gastgeber. Er zeigte sich unzufrieden mit den Vorgaben, die die Energiewirtschaft derzeit aus der Politik erreichen. „Die Debatte in unserem Land ist zum Erliegen gekommen“, stellt er kurz und bündig fest. „Es ist an der Zeit, die Puzzlesteine der Energiewende ganzheitlich zu betrachten.“ Bergmann nannte dabei als Beispiele Kraft-Wärme-Kopplung, Power to Gas und die Verknüpfung von Gas- und Strommarkt, immer unter dem Aspekt der CO2-Reduzierung.
Nordrhein-Westfalens Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, Andreas Pinkwart, hatte eine Videobotschaft gesandt, die eine Antwort darauf war: „Die Energiewende hat kein Bekenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem!“ Diese Umsetzung müsse gelingen, „damit die Energiewende in sich rund wird“. Die Systeme der Zukunft müssten die Sektoren miteinander vernetzen. Die „Volatilität der erneuerbaren Energien“ könne mithilfe „riesiger Chancen“ auf dem Gebiet der Digitalisierung gemeistert werden.
VKU fordert Große Koalition zum Handeln auf
Michael Wübbels, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) sowie Leiter der Abteilung Energiewirtschaft, sagte, dass der Strukturwandel in den Regionen besonders im Fokus stehe. Er forderte: „Die Politik muß im nächsten Jahr tätig werden! Es geht darum, die energiewirtschaftliche Transformationsschritte für den Strukturwandel festzulegen. Dabei darf die Versorgungssicherheit nicht aus dem Blick geraten.“ Die notwenigen Kapazitäten könnten aber, so hofft er, durch die verstärkte Nutzung von Erdgas oder grünem Gas erhalten werden: „Hier setzen wir vor allem auf die Kraft-Wärme-Kopplung.“
Michael Gessner aus dem Wirtschaftsministerium, der anstelle von Minister Pinkwart erschienen war, gab zu bedenken: „Der Netzausbau ist die Basis von allem, was wir hier besprechen.“ Wübbels ergänzte, dass eine netzoptimierte Sektorenkopplung ein weiterer Schlüsselbaustein zum Gelingen der Energiewende sei: „Mit dem Energiesicherheitsgesetz wird im kommenden Jahr hoffentlich die Voraussetzung dafür geschaffen, dass in der kommenden Legislaturperiode das dringende Problem der Gesamtfinanzierung der Energiewende angepackt werden kann.“
Der Aspekt der Ökologie im Blick
In einer munteren Diskussion schrieb Thomas Jorberg von der GLS-Bank der Düsseldorfer Landesregierung ins Stammbuch, NRW sei Schlusslicht in Sachen erneuerbaren Energien, und er sehe dies als Folge einer „rückwärtsgerichteten Politik“ in puncto Förderung fossiler Energien. Die Landesregierung starre wie das Kaninchen auf die Schlange, wenn es um die 20 000 Arbeitsplätze im Braunkohlebergbau gehe. Jorberg empfahl, die Erneuerbare-Energien-Gesetz-(EEG)-Umlage zugunsten einer CO2-Abgabe von rund 40 Euro pro Tonne abzuschaffen. Das wäre eine glatte Verdopplung dieser Abgabe.
Michael Gessner wies in seiner Replik darauf hin, dass eine verdoppelte CO2-Abgabe zwar zur alsbaldigen Abschaltung der Braunkohlekraftwerke am Niederrhein führen werde. Gleichzeitg stiege dann aber die jährlich Versorgungslücke in Deutschland – die Abschaltung der Kernkraft inklusive – auf 50 Mrd. kWh: „Dann kann von einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht mehr die Rede sein.“ Eine moderatere Erhöhung der CO2-Abgabe schloss er trotzdem nicht aus.
Wasserstoff als Zukunftsenergie
Doch es geht nicht nur um das kommende Jahr. Der stellvertretende VKU-Hauptgeschäftsführer blickt einige Jahre weiter in eine Zukunft, in der nicht mehr Batterien, die viele rare Metalle enthalten, die Basis eines sich wandelnden Energiemarktes sind. Wübbels sagte: „Wir brauchen eine Wasserstoffstrategie. Und dabei geht es vor allem darum, ein Reglement und die Kapazitäten für die Speicherung des Wasserstoffs zu finden.“
Ein funktionierender Kreislauf dieses regenerativen Rohstoffs sei nur im Rahmen einer intelligenten Verzahnung von Wasserstoff und anderen Energiequellen und mittels intelligenter Netze denkbar, so Wübbels weiter. Gastgeber Bergmann ließ erkennen, dass der VKU hier Unterstützung aus der Energiewirtschaft erhalten werde. Es sei sogar möglich, dass Teile des Gasleitungssystems in Zukunft zu einem Wasserstoffsystem umgewidmet würden. (sig)
