Der Elbehafen Brunsbüttel soll nach Plänen von Gasunie, Oiltanking und Vopak einmal ein LNG-Terminal beherbergen.

Der Elbehafen Brunsbüttel soll nach Plänen von Gasunie, Oiltanking und Vopak einmal ein LNG-Terminal beherbergen.

Bild: © Port Brunsbüttel

Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, hatte am 25. Juli im Zuge seines Besuchs bei US-Präsident Donald Trump in Washington einer höheren Belieferung von US-LNG-Mengen nach Europa zugestimmt. In Rahmen einer besseren Zusammenarbeit werde die Europäische Union mehr Flüssigerdgas aus den Vereinigten Staaten importieren, um ihre Energieversorgung zu diversifizieren, hieß es.

Derzeit arbeiten Unterhändler an einer besseren Zusammenarbeit: Es wurde eine hochrangige Arbeitsgruppe eingesetzt. Seither gab es mehrere Kontakte zwischen Juncker und Trump, zwischen der EU-Handelskommissarin Malmström und dem US-Handelsbeauftragten Lighthizer sowie zwischen hochrangigen Beratern wie beispielsweise dem Generalsekretär der Kommission, Martin Selmayr, und dem wirtschaftlichen Hauptberater im Weißen Haus, Larry Kudlow, teilte die Kommission mit. Am 20. August wird nun der Handelsberater von Präsident Juncker und ein hochrangiger, für Handelsfragen zuständiger EU-Beamter nach Washington zu weiteren Gesprächen reisen, um die Arbeiten fortzusetzen.

"Nur zu wettbewerbsfähigen Preisen"

Jean-Claude Juncker hob hervor, dass die steigenden Flüssigerdgasexporte aus den USA, „sofern die Preise wettbewerbsfähig sind“, eine wachsende und strategisch wichtige Rolle in der Erdgasversorgung der EU spielen könnten. Die USA müssten aber bürokratische Hemmnisse für den Export von Flüssigerdgas beseitigen. Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie, betonte, dass Diversifizierung ein wichtiger Faktor für eine sichere Erdgasversorgung in der EU sei. „Steigende Flüssigerdgasimporte aus den USA – zu wettbewerbsfähigen Preisen – sind daher zu begrüßen.“

Derzeit ist nach den Rechtsvorschriften der Vereinigten Staaten nach wie vor eine vorherige Genehmigung für Ausfuhren von Flüssigerdgas nach Europa erforderlich. Für diese Beschränkungen müssen Lösungen gefunden werden, und die US-Vorschriften müssen vereinfacht werden, damit Flüssigerdgas aus den USA in die EU exportiert werden kann, betont die Kommission.

Spanien nimmt am meisten LNG ab

Der erste US-amerikanische LNG-Tanker kam im April 2016 nach Europa. Inzwischen wurden 2,8 Mrd. Kubikmeter importiert, berichtet die Europäische Kommission. 2017 wurden in 13 Mitgliedsstaaten 55 Mrd. Kubikmeter LNG importiert, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Spanien ist größer Importeur (31 Prozent), gefolgt von Frankreich (20 Prozent), Italien (15 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (zwölf Prozent).

Rund 70 Prozent des europäischen Gasbedarfs werden derzeit durch Importe gedeckt, und dieser Anteil dürfte in den kommenden Jahren steigen, teilt die Kommission mit. Hauptimporteure sind derzeit Russland (39 Prozent), Norwegen (30 Prozent) und Algerien (13 Prozent). Der LNG-Anteil ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Zuletzt lag er bei 14 Prozent. Hauptimporteure von LNG waren 2017 Katar (41 Prozent), Nigeria (19 Prozent), Algerien (17 Prozent), Peru (sieben Prozent), Norwegen (sieben Prozent), die USA (vier Prozent) und Trinidad & Tobago (drei Prozent).

Große LNG-Importkapazitäten in Europa

Europa hat bereits eine große LNG-Importkapazität aufgebaut. Laut Kommission könnten 43 Prozent des europäischen Gasbedarfs (2015) über LNG-Import-Terminals abgewickelt werden. Die EU hat LNG-Infrastrukturprojekte im Wert von mehr als 638 Mio. Euro kofinanziert oder eine Kofinanzierung zugesagt. Zusätzlich zu den vorhandenen 150 Mrd. Kubikmeter an Reservekapazität in der EU fördert die EU 14 Flüssiggasinfrastrukturprojekte, die bis 2021 die Kapazität um weitere 15 Mrd. Kubikmeter erhöhen sollen und die Importe von Flüssigerdgas aus den USA aufnehmen könnten, „wenn die Marktbedingungen stimmen und die Preise wettbewerbsfähig sind“. (al)

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