Wie wirkt sich ein Scheitern der Verhandlungen bei den Gaslieferungen für die Verbraucher in Europa aus? Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) beantwortet dies in seiner Studie "The Trilateral Gas Talks: What would an interruption of Russian gas exports via Ukraine mean for EU consumers?". Als Maßstab nahmen die Wissenschaftler das Jahr 2009, wie das Institut mitteilte.
Eine zentrale Erkenntnis ist: Verbraucher in Europa müssen im Winter nicht frieren. Die Versorgung mit Gas ist für diesen Winter gesichert. Auch wenn die aktuellen Verhandlungen zwischen der EU-Kommission, dem russischen Unternehmen Gazprom und dem ukrainischen Unternehmen Naftogaz über die Gaslieferungen aus Russland über die Ukraine nach Europa scheitern sollten. Zehn Jahre nach dem russisch-ukrainischen Gaskonflikt läuft der derzeitige Vertrag über die Gaslieferungen zum Jahresende aus.
Die Versorgungssicherheit ist nicht bedroht
Eine dreimonatige Unterbrechung der russischen Gaslieferungen durch die Ukraine im ersten Quartal 2020 würde beispielsweise im Januar 2020 zu einer Reduktion von russischen Gasexporten in die EU um etwa 6,3 Mrd. Kubikmeter führen. "Die Versorgungssicherheit wäre aber in keinem der EU-Staaten bedroht, das gilt für alle betrachteten Szenarien", sagt EWI-Manager Simon Schulte.
So würden Gasspeicher etwa 83 Prozent (+5,2 Mrd. Kubikmeter) und zusätzliche Flüssiggasimporte etwa 14 Prozent (+0,9 Mrd. Kubikmeter) der Versorgungslücke schließen. "Die Gaspreise würden zwar steigen, in den meisten Mitgliedsländern jedoch relativ moderat, zumindest in Nordwesteuropa", sagt Schulte.
"Es käme aber zu höheren Preisanstiegen"
So ergebe sich für Finnland ein Anstieg um null Prozent, für Deutschland um fünf Prozent und für Griechenland um 45 Prozent. "Auch im Extremszenario, bei einem Kälteeinbruch zusätzlich zum dreimonatigen Stopp der Gaslieferungen, wäre die Gasversorgung in der EU im betrachteten Zeitraum weiterhin gesichert", sagt Schulte. "Es käme aber zu höheren Preisanstiegen", fuhr er fort. In Deutschland könnte das Gas um sieben Prozent und Griechenland sogar um 56 Prozent teurer werden.
Dass die Gasversorgung in Europa auch bei einem Kälteeinbruch nicht gefährdet ist, hat mehrere Gründe. "Die Gasspeicher sind immer noch nahezu maximal gefüllt, die Gaspreise befinden sich auf einem mehrjährigen saisonalen Tiefstand", so Schulte. Außerdem sei das europäische Gasverbundsystem deutlich besser aufgestellt als im Jahr 2009. Denn durch die Krise ausgelöst, wurden viele Investitionen getätigt. (ab)
