Wie es der Zufall will, hat die ASUE (Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V.) und der DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.) den Termin für den Effizienzdialog, eine wiederkehrende Veranstaltung, um Politik und Wirtschaft zusammenzubringen, auf den 25. September gelegt – also genau ein Jahr und ein Tag nach der letzten Bundestagswahl. Zeit also, Bilanz zu ziehen und noch besser, neue Ziele ins Visier zu nehmen. Und genau dies war die zentrale Frage der Veranstaltung: Wie geht es weiter mit der Energiewende?
Hans-Joachim Polk, Präsident der ASUE und technisches Vorstandsmitglied der VNG, begrüßte es, dass es nun in der Branche eine Abkehr von dem „all-electric-Szenario“ gegeben habe. Sein Unternehmen, die VNG, und der Eigner, die EnBW, hätten viel diskutiert und rational festgestellt, dass solch ein Szenario einfach „physikalisch“ nicht umsetzbar sei. Nun habe die Branche erkannt, dass beide Systeme, Strom und Gas, für die Zukunft gebraucht werden. Und selbst im Jahr 2050, also bei einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 80 Prozent, werde noch immer eine bedeutende Menge an Gas von rund 600 Mrd. kWh gebraucht. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 wurden 975 Mrd. kWh Gas in Deutschland genutzt.
Faire Behandlung von Gas! – gerade beim Primärenergiefaktor
Er forderte, nach den Erfahrungen der Branche in den vergangene Jahren: „Wir plädieren für einen fairen Umgang mit Gas.“ Sicherlich werde sich das Gas im Laufe der Zeit ändern: Von fossilem Gas werde es in Richtung Biomethan, Wasserstoff oder anderen synthetischen Gasen gehen. Wichtig sei aber eine faire Behandlung – gerade beim Primärenergiefaktor. Eine wichtige Rolle werde in Zukunft sicherlich die Power-to-Gas-Technologie spielen. Und für die Erreichung der Klimaziele sei auch die CCS-Technologie notwendig.
Damit sich nun „grünes Gas“ mehr etabliere, müssten zunehmend „Reallabore“ umgesetzt werden, also Pilotprojekte wie beispielsweise innovative Gas-Anwendungen im Wärmesektor oder auch das angestrebte Projekt einer Groß-PtG-Anlage von OGE und Amprion. Und schließlich: „Wir brauchen dringend Entscheidungen“, so Polk. Damit endlich Planungssicherheit für die Unternehmen herrsche und investiert werden könne.
Die Erneuerbaren seien bereit, Verantwortung zu übernehmen
Peter Röttgen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) betonte, dass die Klimaziele für 2020 nicht erreicht werden und deshalb die systemische Transformation dringend beginnen müsse. Die Erneuerbaren seien bereit, Verantwortung zu übernehmen, so Röttgen. Es müsse aber ein Rahmen geschaffen werden, in dem sich die Erneuerbaren mit anderen Erzeugern ideal ergänzen. Die Erneuerbaren wollen nicht zunehmend Objekt von Redispatch und Abregelung sein. Deshalb müsste man alle Formen der Transformationstechniken wie Speicher, Power to Heat und Power to Gas nutzen.
PtG müsse dringend weiter entwickelt werden, so Röttgen. Dabei muss beachtet werden, dass die Größenordnungen der gebrauchten PtG-Elemente immens seien. Zudem muss es einen Business Case geben für die Anlagen. Damit solch eine PtG-Anlage wirtschaftlich sei, müsse sie im Baseload arbeiten, etwa 4000 bis 4500 Stunden pro Jahr. Für solche Fälle brauche es einen Rahmen, also eine liquiden Markt. Anwendungen für den Wasserstoff geben es genug, sei es nun in der Industrie oder in der Mobilität.
20 000 Normkubikmeter Wasserstoff pro Stunde
Welche Wasserstoffmengen in Zukunft gebraucht werden, zeigte VNG-Vorstand Polk auf: Eine 100-MW-PtG-Anlage werde etwa 20 000 Normkubikmeter Wasserstoff pro Stunde produzieren. Zum Vergleich: Ein Stahlwerk benötige etwa 270 000 Normkubikmeter pro Stunde, sollte die Produktion auf Wasserstoff umgestellt werden.
Als Vertreter des BMWi war kurzfristig Referatsleiter Frank Bonaldo, zuständig für „Deutsche und europäische Mineralölmärkte; Krisenvorsorge“ für Ulrich Benterbusch, Unterabteilungsleiter, eingesprungen. Er musste eingestehen, dass die Regierung derzeit andere Themen priorisiere als Effizienzgewinn und Fortschritt bei der Energie- und Wärmewende. Anzustreben sei grundsätzlich ein fairer Wettbewerb der Technologien. Er versicherte aber, dass in den Ministerien bestimmte Projekte, wie die Umsetzung des Klimagesetzes oder die Einbeziehung des Non-ETS-Sektors in den CO2-Handel, stark im Fokus stehen. (al)
