Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin geben sich die
Hände nach der Eröffnungszeremonie anlässlich der Fertigstellung
des Offshore-Teils des Erdgasleitungsprojekts Turkish Stream

Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin geben sich die Hände nach der Eröffnungszeremonie anlässlich der Fertigstellung des Offshore-Teils des Erdgasleitungsprojekts Turkish Stream

© Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Die Gaspipeline Turkish Stream von Russland in die Türkei soll voraussichtlich 2019 in Betrieb gehen und auch den europäischen Markt beliefern. "Mindestens die Hälfte" der Gaslieferung werde an Europa gehen, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag auf einer Feier zur Einweihung eines Teilabschnitts der Pipeline in Istanbul.

Der russische Präsident Wladimir Putin, der ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm, nannte die Pipeline einen "wichtigen Faktor der europäischen Energiesicherheit". Die Türkei entwickele sich durch den Abzweig von Turkish Stream nach Südwest-Europa zu einer "bedeutenden europäischen Drehscheibe" im Gasgeschäft. Ein genaues Datum der Inbetriebnahme nannte Erdogan nicht. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu soll das erste Gas Ende des kommenden Jahres durch die neue Leitung fließen.

Putin dankt Erdogan für "Mut zum Gasprojekt"

Der Teil der Leitung, der durchs Schwarze Meer führt, ist laut Erdogan schon abgeschlossen. Baubeginn war im Mai 2017. Der Beschluss zum Turkish Stream war im Oktober 2016 Teil der Wiederannäherung von Russland und der Türkei gewesen. Vorher hatte Moskau die Beziehungen über Monate eingefroren, weil die türkische Luftwaffe Ende 2015 einen russischen Jet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen hatte.

Putin dankte nun Erdogan für den politischen Willen und den Mut zu diesem Gasprojekt. Trotz unterschiedlicher Positionen, die die beiden Länder etwa im Bürgerkriegsland Syrien vertreten, haben sich Moskau und Ankara seit 2015 schrittweise wieder angenähert.

Erdogan: Keine Transitrisiken

Turkish Stream führt nach vollständiger Fertigstellung von der Nähe des russischen Küstenorts Anapa durch das Schwarze Meer bis zur türkischen Küste rund 100 Kilometer westlich von Istanbul. Die Pipeline wird von dort aus an ein schon existierendes Netz angeschlossen und führt damit bis an die griechische Grenze. Durch zwei Stränge fließen dann jährlich bis zu 31,5 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Türkei ist einer der größten Abnehmer für russisches Gas.

Erdogan sagte, die Türkei werde mit Turkish Stream fähig sein, "sowohl ihren eigenen Bedarf an Erdgas als auch den von europäischen Ländern zu decken, ohne Transitrisiken ausgesetzt zu sein." Russland liefert bereits seit 2003 über die Pipeline Blue Stream Gas in die Türkei. Auch diese Verbindung führt durchs Schwarze Meer und erreicht am Schwarzmeerort Samsun die türkische Küste. (dpa/hil)

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