Die vollen Gasspeicher, die stabilen LNG-Importe und norwegischen Gasflüsse sorgen trotz der Kältewelle für niedrige Ausspeicherungen. Die Gaspreise reagieren daher nur wenig auf die kalten Wetterprognosen für die nächste Woche und fielen zuletzt unter 50 Euro pro MWh.
Am langen Ende der Terminkurve für die Kontrakte Cal-24 bis Cal-26 zeigt sich der Markt hingegen fester. Hier wird zunehmend die Sorge nach einem intensiveren globalen Wettbewerb um die verfügbaren LNG-Kapazitäten eingepreist.
Sommer-Winter-Spread konstant
Der Sommer-Winter-Spread hält sich seit Beginn des Jahres recht konstant bei rund minus sieben Euro pro MWh. Trotz der Kältewelle liegen die Spotpreise auf dem Niveau der Preise für den nächsten Sommer-Kontrakt. Grund ist die zu erwartende hohe Speichernachfrage in diesem Jahr.
Die europäischen Spotmärkte notieren in engen Spreads zueinander. Noch zu Beginn des Jahres sahen wir Spreads von mehr als zehn Euro pro MWh zwischen dem niederländischen TTF und dem britischen NBP. Zuletzt lagen THE, TTF und NBP innerhalb von einem Euro pro MWh zusammen. Die Preise am französischen PEG notierten zuletzt rund zwei bis drei Euro pro MWh unter dem TTF.
IEA erwartet LNG-Importrekord in Europa
Die Internationale Energie-Agentur IEA geht in ihrem Quartalsbericht davon aus, dass Europa im Jahr 2023 zwar weniger Erdgas verbrauchen, aber eine Rekordmenge LNG importieren wird. Sie rechnet damit, dass die Erdgaspreise in diesem Jahr wieder anziehen könnten, sobald die LNG-Nachfrage in Asien (insbesondere China) steigt. Die chinesische LNG-Nachfrage könnte nach IEA-Prognose in diesem Jahr um zehn Prozent steigen.
Der Monat Februar war in weiten Teilen deutlich milder als im langfristigen Mittel. Für Deutschland wurde im Februar eine Durchschnittstemperatur von 4,6 Grad Celsius ermittelt, was rund zweieinhalb Grad über dem langfristigen Durchschnittswert liegt.
Gasverbrauch unter Fünfjahresmittel
Der Gasverbrauch der EU bewegt sich seit Beginn des Jahres meist deutlich unter dem Fünfjahresmittel. Zuletzt lag der Wert bei knapp 16 TWh pro Tag. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren im Februar und März 2018 stieg der Tagesverbrauch in der EU kältebedingt auf insgesamt bis zu 26 TWh pro Tag.
Dementsprechend lagen die Ausspeicherungen in der EU im Februar mit insgesamt 132 TWh etwa elf Prozent unter der saisonalen Norm. Im Vormonat Januar wurden 141 TWh Erdgas ausgespeichert.
Finnland spart rund 57 Prozent Gas ein
Laut einer Veröffentlichung von S&P Global Platts hat die EU ihr Einsparziel von 15 Prozent im Zeitraum August 2022 bis Januar 2023 mit 19 Prozent sogar übertroffen. Spitzenreiter war Finnland mit einer Einsparung von rund 57 Prozent. Deutschland lag bei 19,3 Prozent.
Norwegen lieferte im Februar insgesamt 103 TWh Erdgas in die EU und Großbritannien. Ein witterungsbedingter Rückgang gegenüber dem Vormonat Januar von rund 9 Prozent (113 TWh).
Russland hinter Algerien
Russland lieferte in die EU im Februar nur 20,5 TWh und rangiert damit noch hinter Algerien, das über die Pipelines nach Spanien und Italien insgesamt knapp 24 TWh lieferte.
Die Lieferungen aus Aserbaidschan lagen im Februar bei insgesamt 9,7 TWh (-11 Prozent gegenüber Vormonat), die libyschen Lieferungen fielen auf knapp unter zwei TWh (minus 14 Prozent gegenüber Vormonat).
Die europäischen LNG-Terminals speisten im Februar 109 TWh Erdgas in die Gasnetze ein. Im Vormonat Januar waren es noch insgesamt 118 TWh. Der Rückgang war aber weniger eine Frage der geringeren Verfügbarkeit, sondern Resultat der witterungsbedingten niedrigen Nachfrage.
LNG-Nachfrage in Asien schwach
Das LNG-Terminal in Brunsbüttel hat nicht wie geplant mit der Einspeisung Ende Februar begonnen. Das Terminal befindet sich weiterhin in der Kommissionierungsphase. Die Regasifizierung soll im März oder April 2023 beginnen.
Wegen der milden Temperaturen in weiten Teilen Asiens ist die dortige LNG-Nachfrage weiterhin schwach. Die hohe Preisvolatilität kann sich schnell wieder auch in 2023 fortsetzen, sobald die Nachfrage in Asien steigt beziehungsweise extremere Wetterbedingungen dort herrschen.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Minusgrade voraus: Wie ist derzeit die Lage auf dem Gasmarkt?"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



