Die Sonne geht hinter technischen Anlagen des Erdgasspeichers Katharina in Sachsen-Anhalt auf.

Die Sonne geht hinter technischen Anlagen des Erdgasspeichers Katharina in Sachsen-Anhalt auf.

Bild: © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Baut Deutschland mehr Importterminals für Flüssigerdgas, als es eigentlich bräuchte? Diese Debatte ist nicht neu, sondern schwelt seit Wochen. Neu ist dagegen, dass der Gasspeicherverband Ines, eigene Modellrechnungen angestellt hat.

Das Ergebnis: Die deutschen LNG-Terminalkapazitäten würden die Gasversorgung auf europäischer Ebene absichern können. Werde die Energiewende jedoch entsprechend der Langfristszenarien des Bundeswirtschaftsministeriums erfolgreich umgesetzt, führten die aktuellen LNG-Pläne der Regierung aber vermutlich zu Überkapazitäten.

Extremszenario mit Dornum-Ausfall

Für ihr Modell nahm Ines an, dass für den Zeitraum November 2023 bis Oktober 2024 LNG-Mengen in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen würden, die Temperaturen jedoch extrem niedrig sein würden. Dazu käme ein kompletter Lieferstopp über die Station Dornum, die norwegisches Pipelinegas nach Deutschland leitet, sowie ein Ausbleiben russischer Gaslieferungen.

Nach der Berechnung des Verbands wären in diesem Jahr Kapazitäten von knapp 550 TWh pro Jahr an LNG-Terminals nötig, um einen Gasmangel in Deutschland und fast allen anderen europäischen Ländern zu vermeiden und bis zu Beginn der Heizperiode volle Gasspeicherfüllstände zu gewährleisten.

Saisonale Auslastung bei LNG-Terminals

In seiner Modellrechnung geht das Bundeswirtschaftsministerium dagegen von einer LNG-Importkapazität von umgerechnet knapp 600 TWh pro Jahr aus. Die Folge: Laut Ines führen die aktuellen Planungen vermutlich zu Überkapazitäten – die sich im Laufe der Jahre vergrößern dürften. Denn für das Jahr 2030 geht das Bundeswirtschaftsministerium selbst nach eigener Berechnung bei einem großzügig geschätzten Gasbedarf von einer Überkapazität von mehr als 380 TWh pro Jahr aus.

Laut Ines sind LNG-Terminals zudem saisonal unterschiedlich stark ausgelastet. "Zusätzliche Gasspeicherkapazitäten könnten erhöhte LNG-Importe im Sommer ermöglichen und so den notwendigen Terminal-Ausbau gegebenenfalls reduzieren", gibt der Verband zu bedenken. "Die Entwicklung von Speichern, um den Aufbau von LNG-Terminals zu begrenzen, sollte deshalb eingehend geprüft werden."

Umwidmung auf Wasserstoffspeicher

Perspektivisch könnten neue Speicher auf Wasserstoff umgewidmet werden, fasst der Verband zusammen. Dies ließe sich nicht zuletzt gut in die Langfristszenarien des Bundeswirtschaftsministeriums einbinden. Demnach sind bis 2045 Wasserstoffspeicherkapazitäten in Höhe von 74 TWh erforderlich. Eine vollständige Umwidmung wasserstofftauglicher Gasspeicher in Deutschland könne 32 TWh bereitstellen, rechnet Ines vor. (aba)

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