Einmal mehr hat eine Ankündigung aus Russland den Handelstag an den europäischen Gasmärkten bestimmt. Diesmal war es die Nachricht, dass Energieriese Gazprom nach eigenen Angaben mit der Auffüllung europäischer Gasspeicher begonnen habe.
Das Unternehmen habe einen entsprechenden Plan zur Einspeisung von Gas in fünf unterirdische Anlagen im November gebilligt, heißt es in einer Mitteilung auf dem Nachrichtendienst Telegram. Mit der Umsetzung des Plans sei bereits begonnen worden. Um welche Anlagen es sich handeln soll, wurde nicht erwähnt.
Gaspreise sinken nach Ankündigung
Im Anschluss gab der Preis für den Liefermonat Dezember am wichtigen niederländischen Handelspunkt TTF deutlich nach. Im Laufe des Dienstags sank der Day-Ahead um mehr als sieben Prozent und landete bei 71,70 Euro pro MWh. Der Frontmonatskontrakt wiederum notierte bei 73,01 Euro pro MWh (minus 6,5 Prozent im Vergleich zum Vortag).
Angesichts der aktuellen Energiekrise in Europa hatte Russlands Präsident Wladimir Putin Gazprom Ende Oktober angewiesen, die Lieferungen nach Deutschland und Österreich zu erhöhen. Gazprom-Chef Alexej Miller erklärte damals, dass dies nach dem 8. November möglich sei, sobald die russischen Speicher aufgefüllt seien.
Füllstand bei 70 Prozent
Bereits Ende Oktober hatte Gazprom erklärt, dass sich der Füllstand der russischen Gasspeicher auf einem Rekordstand befinde. Ganz anders ist die Lage in Deutschland.
Der aggregierte Füllstand aller deutschen Gasspeicher betrug zuletzt etwa 70 Prozent. Das ist ein historisch niedriger Stand für die erste Novemberhälfte.
Fokus auf Pipelines und Speicher
In diesem Monat wurde bislang insgesamt mehr aus- als eingespeichert. Generell beginnt traditionell in diesen Kalenderwochen die Ausspeichersaison.
Besonders dürften Marktbeobachter nun auf zwei Indikatoren blicken: auf die Transitrouten durch die Ukraine und Polen sowie auf Gasspeicher hierzulande, die zum Gazprom-Konzern gehören.
Rückfluss von Deutschland nach Polen
Der Gasfluss über die durch Polen laufende Jamal-Pipeline sandte in den vergangenen Tagen widersprüchliche Signale. Noch in der vergangenen Woche wurde Gas von Deutschland Richtung Polen geschickt.
Auch am Montag sei es zu einem Rückfluss gekommen, schreibt der Stuttgarter Gasversorger GVS in seinem wöchentlichen Report. Deshalb sei es zu einem leichten Preisanstieg gekommen.
Sorgen um Rehden
"Erst seit Montagabend gelangt wieder Gas aus Russland via Mallnow nach Deutschland", heißt es dort weiter. "Die Gaspreise gaben entsprechend etwas nach."
Sorgen macht Marktbeobachtern zudem der ungewöhnlich niedrige Füllstand des größten Gasspeichers Deutschlands im niedersächsischen Rehden. Der Speicher wird von Astora, einer Gazprom-Tochter betrieben.
Rehden bei knapp zehn Prozent Füllstand
Nach geringen Einspeicherungen in den vergangenen Tagen ist Rehden nun zu knapp zehn Prozent gefüllt. Neben Rehden werden noch die Speicher Jemgum in Niedersachsen und im österreichischen Haidach von Astora betrieben. Auch ihre Füllstande dürften in den nächsten Wochen unter besonderer Beobachtung stehen. (aba)



