Deutlich wurde beim Auftakt der zweitägigen Konferenz wie sehr das Thema Wasserstoff und grünes Gas die Branche elektrisiert. Wobei von Branchenseite einhellig die hemmenden Rahmenbedingungen, vor allem die zu hohen Strompreise, beklagt wurden, welche derzeit einen wirtschaftlichen Betrieb von Elektrolyseuren in Deutschland ausbremsen. Dies konstatierte auch Herdan, wobei er wenig Hoffnung auf eine Umlagen- und Entgeltreform machte, welche über die Ansätze des Klimapakets hinausgehen. Skeptisch zeigte er sich auch gegenüber Forderungen nach der Einführung einer Quotenregelung für grüne Gase, wie sie jüngst die baden-württembergische Landesregierung forderte.
Doch sprach sich Herdan klar für einen "ordentlichen Preis auf CO2" als sektorenübergreifenden Anreiz für die Einsatz von mehr grünen Gasen aus. Die vorgesehene CO2-Bepreisung des Klimapakets − auf noch niedrigem Niveau − sieht er als einen wichtigen Einstieg an.
Chance für deutsche Spitzentechnologie – Warnung vor Autarkie
"Wir sollten sehen, dass Wasserstoff vor allem ein industriepolitisches Thema für Deutschland ist", betonte Herdan. Denn dies böte die Chance, deutsche Spitzentechnologie rund um die Herstellung und Verarbeitung erneuerbar gewonnener Gase, vor allem Elektrolyseure, zu exportieren und in sonnen- oder windreichen Ländern wie Marokko oder den Golfstaaten kostengünstig grünen Wasserstoff und andere Power-to-X-Energieträger zu produzieren und wieder zu importieren.
Herdan warnte gleichzeitig vor Autarkievorstellungen. "Ich halte es für eine Mär, dass wir uns in Deutschland vollständig mit hier gewonnener grüner Energie versorgen können", sagte er. Wichtig sei es jedoch, stabile Handelsbeziehungen zu den künftigen Erzeugerländern aufzubauen. Dieser Einschätzung schloss sich grundsätzlich auch Heitmüller an, der ebenfalls auf die große industriepolitische Bedeutung grüner Gase verweis. Er hofft nun auch auf Impulse der von der Bundesregierung angekündigten Wasserstoffstrategie.
VNG nimmt 100 Mio. Euro für grüne Gase in die Hand
"Wir als VNG sind derzeit auch dabei, Geld für grüne Gase in die Hand zu nehmen", berichtete Heitmüller und verwies auf entsprechende Investitionen in Höhe von rund 100 Mio. Euro sowie ein geplantes Pilotprojekt im Raum Leuna im Rahmen der vom BMWi geförderten Reallabore. Allerdings stelle sich auch hier aufgrund der Rahmenbedingungen die Herausforderung der Wirtschaftlichkeit, so Heitmüller.
"Wir müssen die Branchen für die Anwendung von grünen Gasen identifizieren, welche die geringste Wirtschaftlichkeitslücke haben", unterstrich Herdan und nannte hierbei als Beispiel Bahnstrecken, welche nur kostenaufwändig elektrifiziert werden können oder im Bereich der Petrochemie.
Dialogprozess "Gas 2030": Erste Bilanz am 9. Oktober
Weitergehende Ideen dafür wie es weitergeht mit der Nutzung gasförmiger Energieträger in Deutschland möchte der vor einem Jahr gestartete Dialogprozess "Gas 2030" erarbeiten. Sowohl Herdan als auch Heitmüller lobten die konstruktive Arbeit des Gremiums. Am 9. Oktober wird nun Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eine "erste Bilanz des Prozesses" vorstellen, kündigte Herdan an. Er sprach sich ebenso wie Branchenvertreter bei der Veranstaltung für die Erarbeitung einer entsprechenden Roadmap aus. (hcn)



