Gas dominiert den Wärmemarkt: Auf Gas basierende Heizsysteme sind mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent marktführend im Gebäudebestand.

Gas dominiert den Wärmemarkt: Auf Gas basierende Heizsysteme sind mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent marktführend im Gebäudebestand.

Bild: © Ole Spata/dpa

Rund 1,8 Millionen Haushalte in Deutschland werden im nächsten Jahr eine höhere Gasrechnung erhalten. Bislang haben 244 Gasversorger ihren Preis erhöht oder das spätestens zum Jahreswechsel angekündigt, wie das Internet-Portal Check24 mitteilt. Im Durchschnitt belaufen sich die Erhöhungen auf 8,4 Prozent. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutete das Mehrkosten von 111 Euro im Jahr. "Gas wird im Jahr 2019 spürbar teurer", sagte Check24-Geschäftsführer Oliver Bohr. "Grund sind vor allem die höheren Beschaffungskosten."

Zur gleichen Tendenz – wenn auch im Detail mit anderen Daten – kommt das Vergleichsportal Verivox aus Heidelberg. Es hat 224 von insgesamt 750 Grundversorgern gefunden, die ihre Preise im Dezember und Januar um durchschnittlich 7,7 Prozent anheben. Am höchsten fallen demnach die Preissteigerungen mit 13 Prozent in Rheinland-Pfalz aus, aber auch in Brandenburg (11,5 Prozent) und Niedersachsen (10,1 Prozent) sei ein zweistelliges Plus zu verzeichnen. Stabil seien die Preise dagegen in den Stadtstaaten. Ganz vereinzelt haben Unternehmen nach den Angaben beider Portale ihre Preise gesenkt.

Einkaufspreise sind zuletzt stark gestiegen

"Die Einkaufspreise für Erdgas sind zuletzt stark gestiegen", sagte Verivox-Energieexperte Mathias Köster-Niechziol. Die Einfuhrpreise für Erdgas, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gemessen werden, sind in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent nach oben gegangen – aber vor allem in diesem Jahr sind die Preise noch mal deutlich gestiegen. Ähnlich sieht es bei den Börsenpreisen für Erdgas aus, die das Statistische Bundesamt erhebt. Auch hier haben die Preise zwischen September 2016 und September 2018 um rund 38 Prozent zugelegt. Allein zwischen März und Oktober dieses Jahres lag der Anstieg bei rund 50 Prozent.

Dass nicht noch viel mehr Versorgungsunternehmen ihre Preise erhöhen, ist auf langfristige Lieferverträge vor allem mit Russland zurückzuführen. "Die Gasversorger haben ganz unterschiedliche Einkaufsstrategien und Lieferverträge", hieß es bei Verivox. Sollte sich das hohe Preisniveau für Importgas jedoch verfestigen oder noch weiter steigen, so werden diese Unternehmen nachziehen. "Bislang haben hauptsächlich kleine und mittelgroße Versorger an der Preisschraube gedreht", sagte Bohr von Check24. Ausnahmen seien EnBW und Mainova sowie ein paar größere Stadtwerke, zum Beispiel München.

Auch der Anstieg des Ölpreises kann Einfluss haben

Die Ursachen für den starken Anstieg der Gaspreise auf dem internationalen Markt sind nicht eindeutig zu bestimmen. Einfluss darauf hatte wohl der Ölpreisanstieg im Laufe des Jahres, auch wenn es eine unmittelbare Kopplung beider Preise nicht mehr gibt. "Öl spielt immer eine Rolle und ist ein Trendsetter für die Energiemärkte", sagte Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID. Zudem soll auch die Trockenheit im Sommer zum Preisanstieg beigetragen haben, weil nicht mehr so viel Kohle über die Flüsse transportiert werden konnte und deshalb zum Teil mehr Energie aus Gas gewonnen wurde sowie leere Speicher aufgefüllt werden mussten. Das habe die Nachfrage angeheizt. Auch hat Russland verstärkt den attraktiven asiatischen Markt beliefert, was Gas in Europa etwas knapper werden ließ.

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) nahmen die Gasversorgungsunternehmen im Jahr 2017 bei der Abgabe von Gas an alle Letztverbraucher im Durchschnitt 3,42 Cent je kWh ein. Dies stellt ein Minus von 3,1 Prozent gegenüber 2016 dar. Der Durchschnittserlös bei der Abgabe an Haushaltskunden lag bei 4,96 Cent je kWh und damit 4,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Bei der Abgabe an die Industrie blieb der Wert mit 2,43 Cent je kWh im Jahr 2017 nahezu unverändert gegenüber 2016 (2,44 Cent). (dpa/al)

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